Das EU-Parlament stimmt in dieser Woche über neue Regeln für die Pflanzenzüchtung ab. Dabei geht es um die sogenannte neue Gentechnik (NGT). Kritiker befürchten, dass gentechnisch veränderte Lebensmittel künftig ohne Kennzeichnung im Supermarkt ausliegen könnten. Bio-Lobbyist Jan Plagge warnt vor den Folgen für Verbraucher und Landwirte.
Hintergrund der Abstimmung
Die EU-Kommission hatte im Juli 2023 einen Vorschlag vorgelegt, der die Regulierung von Pflanzen aus neuen gentechnischen Verfahren lockern soll. Diese Verfahren, wie die Genschere CRISPR/Cas, ermöglichen gezielte Eingriffe ins Erbgut. Befürworter argumentieren, dass die Technologie helfen könne, Pflanzen resistenter gegen Schädlinge oder Klimafolgen zu machen. Gegner hingegen sehen Risiken für Umwelt und Gesundheit.
Position von Jan Plagge
Jan Plagge, Präsident des Bio-Dachverbandes Bioland, sagte im Interview: „Der Agrarindustrie ist es gelungen, ein riskantes Regelwerk als harmlos darzustellen.“ Er kritisiert, dass die vorgeschlagenen Regeln keine ausreichende Kennzeichnung vorsähen. Verbraucher könnten nicht mehr erkennen, ob ein Lebensmittel mit Gentechnik hergestellt wurde. Dies gefährde die Wahlfreiheit und die biologische Landwirtschaft.
Auswirkungen auf Verbraucher
Ohne Kennzeichnung könnten gentechnisch veränderte Produkte unerkannt in konventionellen Lebensmitteln landen. Plagge befürchtet, dass dies zu einer schleichenden Verdrängung der Bio-Produktion führen könnte. Zudem seien langfristige Gesundheitsrisiken nicht ausgeschlossen. Er fordert daher eine transparente Kennzeichnung und strenge Risikoprüfungen.
Reaktionen aus der Politik
Die EU-Abgeordneten sind sich uneinig. Während konservative und liberale Fraktionen die Lockerung befürworten, lehnen Grüne und Linke den Vorschlag ab. Die Abstimmung im EU-Parlament wird mit Spannung erwartet. Sollte der Vorschlag angenommen werden, müsste er noch mit den Mitgliedstaaten verhandelt werden.
Fazit
Die Debatte um neue Gentechnik zeigt den Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Verbraucherschutz. Die Entscheidung des EU-Parlaments könnte weitreichende Folgen für die Landwirtschaft und die Lebensmittelkennzeichnung in Europa haben.



