Pflegekosten in Sachsen-Anhalt steigen trotz niedrigster Eigenanteile
Pflegekosten in Sachsen-Anhalt steigen trotz niedriger Eigenanteile

Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt müssen für einen Platz im Pflegeheim immer tiefer in die Tasche greifen. Nach einer aktuellen Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) liegt die monatliche Eigenbeteiligung im ersten Jahr eines Heimaufenthalts seit dem 1. Juli bei durchschnittlich 2.891 Euro. Das sind 296 Euro oder rund elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Trotz dieses Anstiegs bleibt Sachsen-Anhalt das Bundesland mit den niedrigsten Eigenanteilen in Deutschland.

Bundesweiter Vergleich: Sachsen-Anhalt am günstigsten

Im bundesweiten Durchschnitt zahlen Pflegebedürftige im ersten Jahr eines Heimaufenthalts inzwischen 3.364 Euro pro Monat selbst. Am teuersten ist die stationäre Pflege in Bremen mit durchschnittlich 3.761 Euro, gefolgt vom Saarland mit 3.695 Euro. Nur in Sachsen-Anhalt liegt die durchschnittliche Eigenbeteiligung derzeit noch unter der Marke von 3.000 Euro. Die Zahlen beruhen auf den zwischen Pflegekassen und Pflegeeinrichtungen vereinbarten Vergütungen und stellen Durchschnittswerte dar; je nach Einrichtung können die tatsächlichen Kosten höher oder niedriger ausfallen.

Nach Angaben des vdek unterscheiden sich die Kosten zwischen den Bundesländern unter anderem wegen unterschiedlich hoher Personalkosten und Investitionsausgaben. Auch die Beteiligung der Länder an der Finanzierung der Pflegeeinrichtungen fällt unterschiedlich aus.

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Gründe für den Kostenanstieg

Die Eigenbeteiligung umfasst mehrere Bestandteile: den pflegebedingten Eigenanteil, Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten der Einrichtungen sowie Ausbildungskosten für Pflegefachkräfte. Als größten Kostentreiber nennt der vdek die gestiegenen Personalkosten. Seit einigen Jahren werden Pflegekräfte deutlich besser bezahlt. Das sei richtig und notwendig, dürfe aber nicht allein zulasten der Pflegebedürftigen gehen, argumentiert der Verband. Hintergrund seien unter anderem tarifgebundene Vergütungen, die zu höheren Personalkosten in den Einrichtungen geführt hätten.

Auch Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten verteuerten sich. In Sachsen-Anhalt entfallen derzeit durchschnittlich 852 Euro im Monat auf Unterkunft und Verpflegung sowie weitere 345 Euro auf Investitionskosten. Hinzu kommen durchschnittlich 88 Euro Ausbildungskosten für Pflegefachkräfte, die ebenfalls Bestandteil des pflegebedingten Eigenanteils sind.

Forderungen nach Entlastung

Der vdek fordert deshalb, dass das Land die Investitionskosten sowie die Ausbildungskosten für Pflegefachkräfte vollständig übernimmt. Nach Berechnungen des Verbands könnten Pflegebedürftige dadurch um rund 433 Euro im Monat entlastet werden. Investitionen in Pflegeeinrichtungen und die Ausbildung des Fachpersonals seien staatliche Aufgaben und sollten deshalb nicht von den Bewohnerinnen und Bewohnern finanziert werden.

Ähnlich äußert sich die Deutsche Stiftung Patientenschutz. Vorstand Eugen Brysch erklärte: „Den rund 27.200 Pflegeheimbewohnern in Sachsen-Anhalt steht das Wasser bis zum Hals.“ Allein in den vergangenen zwei Jahren seien die Eigenanteile im ersten Jahr nach dem Heimeinzug trotz mehr Zuschüssen um rund 22 Prozent gestiegen. Die Landesregierung müsse Ausbildungs- und Investitionskosten vollständig übernehmen. Nach Berechnungen der Stiftung würde dies die monatliche Belastung um 449 Euro senken.

Auch der vdek sieht ohne eine grundlegende Reform der Pflegefinanzierung keine Trendwende. Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Kosten würden das System weiter unter Druck setzen. Ziel müsse sein, die Eigenanteile dauerhaft zu begrenzen und Pflegebedürftige spürbar zu entlasten.

Zuschüsse steigen mit der Aufenthaltsdauer

Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinkt die Eigenbeteiligung wieder. Die Pflegekassen zahlen auf den pflegebedingten Eigenanteil einen Zuschuss, der mit der Dauer des Heimaufenthalts steigt. Im ersten Jahr beträgt er 15 Prozent, im zweiten Jahr 30 Prozent, im dritten Jahr 50 Prozent und ab dem vierten Jahr 75 Prozent.

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Dadurch sinkt die durchschnittliche Eigenbeteiligung in Sachsen-Anhalt im zweiten Jahr eines Heimaufenthalts auf 2.592 Euro pro Monat. Im dritten Jahr werden durchschnittlich 2.194 Euro fällig, ab dem vierten Jahr 1.695 Euro. Die Zuschüsse beziehen sich allerdings ausschließlich auf den pflegebedingten Eigenanteil. Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten müssen Pflegebedürftige weiterhin selbst tragen. Deshalb bleibt die finanzielle Belastung auch bei längeren Heimaufenthalten hoch.