Schufa speichert historische Finanzdaten von Millionen Verbrauchern
Die Wirtschaftsauskunftei Schufa speichert mehr Finanzdaten über Verbraucher in Deutschland, als den meisten bewusst ist. Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung betreibt das Unternehmen in Wiesbaden neben seiner offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung historischer Daten über teils weit zurückliegende Zahlungsvorgänge von Millionen Menschen.
Schufa-Scores entscheiden über Kredite und Verträge
Die Schufa-Bewertungen (Scores) entscheiden im Alltag mit darüber, ob jemand einen Kredit bekommt, einen Handyvertrag erhält oder eine Wohnung anmieten kann. Seit März 2025 hat die Schufa eine neue Berechnungsmethode mit zwölf Kriterien gestartet. Dabei spielen Faktoren wie das Alter des ältesten Bankvertrags und der ältesten Kreditkarte, das Vorhandensein von Zahlungsstörungen und der Status bei Krediten eine Rolle. Verbraucher können diese Scores kostenlos einsehen. Gegen frühere Berechnungsverfahren sind noch Prozesse beim Bundesgerichtshof anhängig.
Historische Daten für Testzwecke
Die Schufa bestätigte, dass sie neben den aktuellen Score-Daten weitere historische Zahlungsdaten vorhält. Diese würden benötigt, um neue Verfahren zur Risikoberechnung bei Banken abzusichern und zu überprüfen. Die Vergleichstests fänden ausschließlich bei der Bankenaufsicht Bafin statt, sodass die Datendetails nicht an die Auftraggeber gelangen. Der Umgang mit den Daten sei strikt auf Test- und Kontrollzwecke beschränkt.
Zweifel beim Verbraucherschutz
Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) äußerte laut tagesschau.de Zweifel an dieser Darstellung: „Weil es für die Unternehmen, die diese Daten bekommen, sehr verlockend ist, diese Daten nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern sie auch tatsächlich beispielsweise für Kreditentscheidungen heranzuziehen.“
Rechtliche Bewertung
Die Schufa vertritt die Ansicht, dass sie die historischen Daten zu den genannten Zwecken verwenden darf. Der Datenschutzexperte Tim Wybitul wird zitiert: „Die Vorwürfe gegen die Schufa treffen nicht zu. Daten sind zu löschen, wenn sie für die Zwecke ihrer Verarbeitung nicht mehr benötigt werden. Allerdings dienen die Tests der Überprüfung der Richtigkeit der Scores. Das ist ein wichtiger und legitimer Zweck.“ Der Hessische Datenschutzbeauftragte lehnte eine Stellungnahme unter Hinweis auf das laufende Verfahren ab.



