Die Theater in Brandenburg stehen unter erheblichem Spardruck. Für die kommende Spielzeit 2026/2027 haben mehrere Kultureinrichtungen angekündigt, die Eintrittspreise zu erhöhen. Grund dafür sind steigende Kosten im Betrieb, verursacht durch Inflation und höhere Energiepreise. Zudem besteht Unsicherheit darüber, ob die Tarifsteigerungen für die Beschäftigten durch Fördermittel aus den angespannten Landes- und Stadtkassen aufgefangen werden können.
Hans Otto Theater Potsdam: Sparen bis zum Äußersten
Das Hans Otto Theater Potsdam beschreibt seine finanzielle Lage als äußerst angespannt und erwartet einen wachsenden Spardruck. Die Einrichtung ergreift verschiedene Maßnahmen, um die Situation zu verbessern: „Sparen, dass die Schwarte kracht. Rücklagen werden aufgebraucht. Preise werden erhöht.“ Für Abonnements, die Rabatte im Vergleich zu Einzeltickets bieten, werden in einigen Kategorien die Preise um bis zu 16 Prozent angehoben. Einzeltickets bleiben jedoch unverändert. Ein Beispiel: Ein Abonnement der Preiskategorie 1 mit zehn Gutscheinen für den Theaterbesuch nach Wahl kostet nun 250 Euro. Bereits zur Spielzeit 2025/2026 waren die Preise erhöht worden, und in der Vergangenheit wurde eine Produktion pro Spielzeit gestrichen.
Im Jahr 2025 zählte das Hans Otto Theater rund 100.100 Besucher. In der neuen Spielzeit stehen unter anderem Brechts „Mutter Courage“ und eine Neuinszenierung des Films „Solo Sunny“ auf dem Programm. Die Theaterleitung in Potsdam teilte mit, dass Kostensteigerungen wie Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst und bei Künstlern seit Jahren nicht vollständig durch Zuwendungen ausgeglichen werden. Daher müsse in allen Bereichen gespart werden. Hinzu kommt eine Planungsunsicherheit, da das Land Brandenburg und die Stadt Potsdam noch keinen beschlossenen Haushalt für 2027 haben.
Staatstheater Cottbus hebt Preise um zehn Prozent an
Das Staatstheater Cottbus kündigte ebenfalls eine Preiserhöhung um zehn Prozent an, die erste seit zehn Jahren. „Wildwuchs“ bei Abonnements solle reduziert werden. Die Besucherzahlen und die Auslastung wurden nicht genannt. Als Highlight der kommenden Spielzeit wurde eine neue Inszenierung von „Romeo und Julia“ angekündigt.
Kleist Forum: Bis zu fünf Euro mehr pro Ticket
Im Theaterhaus Kleist Forum in Frankfurt (Oder) müssen Besucher in der Spielzeit 2026/2027 für Einzeltickets drei bis fünf Euro mehr bezahlen, was einer Steigerung von 13 bis 20 Prozent entspricht. Eine Sprecherin erklärte: „Wir hoffen, dass die Förderstruktur weiterhin eine verlässliche Programmplanung ermöglicht und zugleich sicherstellt, dass tarifliche und inflationsbedingte Kostensteigerungen aufgefangen werden.“ Das Theaterhaus, das kein eigenes Ensemble hat, verzeichnet wachsende Besucherzahlen: 2025 kamen rund 50.000 Gäste.
Neue Bühne Senftenberg: Einschnitte befürchtet, keine Preiserhöhung
Die neue Bühne Senftenberg rechnet künftig mit spürbaren Einschnitten. Land und Kommunen stünden hinter der Einrichtung, aber „mittelfristig würden gleichbleibende Zuwendungen bei weiterhin steigenden Kosten, von denen auszugehen ist, zu einer substanziellen Gefährdung des Theaterbetriebs in Senftenberg führen“. Die größte Belastung seien die Personalkosten aufgrund von Tariferhöhungen. Eine Ticketpreiserhöhung ist jedoch nicht geplant, da diese nach Einschätzung des Hauses nicht zielführend wäre: „Aktuell ist spürbar, dass sich die Ticketpreise der neuen Bühne in einem Grenzbereich befinden, der für einen Großteil des Publikums noch zahlbar ist.“ Eine Karte für eine Schauspiel-Premiere auf der Hauptbühne kostet 29 bis 34 Euro. In der vergangenen Spielzeit wurden bis Anfang Juni 2025 insgesamt 57.090 Tickets verkauft.



