Thüringen: Beamte bleiben meist privat krankenversichert
Fünf Jahre nach Einführung der Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung für Thüringer Beamte entscheiden sich die meisten Staatsdiener weiterhin für das Privatmodell. Das geht aus aktuellen Zahlen des Finanzministeriums hervor, das auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, dass rund 38.400 Beamte und Ruheständler Beihilfezahlungen für ihre private Krankenversicherung erhalten. Eine sogenannte pauschale Beihilfe, die für die gesetzliche Krankenversicherung genutzt werden kann, wird hingegen nur von rund 2.000 Beamten und Pensionären in Anspruch genommen.
Hintergrund der pauschalen Beihilfe
Die pauschale Beihilfe wurde in Thüringen im Jahr 2020 eingeführt. Sie ermöglicht es Beamten, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln, wobei das Land wie bei Angestellten die Hälfte des Beitrags als Arbeitgeberanteil übernimmt. Normalerweise sind Beamte privat krankenversichert und tragen ihre Beiträge selbst; das Land beteiligt sich nur im Krankheitsfall an den Behandlungskosten. Vor 2020 mussten gesetzlich versicherte Beamte den vollen Beitrag selbst zahlen, also auch den Arbeitgeberanteil. Ein Ministeriumssprecher erklärte, dass diese Gerechtigkeitslücke mit der pauschalen Beihilfe geschlossen wurde.
Positive Bewertung trotz geringer Nutzung
Obwohl nur ein relativ geringer Teil der Beamten und Pensionäre die pauschale Beihilfe nutzt, bewertet das Ministerium das Modell als positiv. Die Wahlfreiheit der Beamten zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung sei deutlich verbessert worden. Der Zuspruch, insbesondere von neuen Beamten, nehme zu. Das Modell trage dazu bei, die Attraktivität des öffentlichen Dienstes zu erhöhen.
Vorteile für Beamte mit Vorerkrankungen
Der Thüringer Beamtenbund (TBB) sieht vor allem Vorteile für Beamte mit bestehenden gesundheitlichen Handicaps. Diese müssen bei privaten Versicherern in der Regel Risikozuschläge zahlen, was ihre Krankenversicherung verteuert. Die pauschale Beihilfe sei für sie oft die einzige wirtschaftlich sinnvolle Option, erklärte die stellvertretende TBB-Vorsitzende Nicole Siebert. Dass die meisten Beamten weiterhin der privaten Krankenversicherung treu bleiben, führt Siebert nicht allein auf jahrzehntelange Gewohnheiten zurück, sondern vor allem auf die Tatsache, dass eine Entscheidung für eine gesetzliche Krankenkasse unwiderruflich ist. Diese Unumkehrbarkeit führe bei vielen zu Zurückhaltung. Dennoch sei es wichtig, die Wahlfreiheit beizubehalten.
Kosten für das Land Thüringen
Für die Gesundheitskosten seiner Beamten und Ruheständler muss Thüringen jährlich viele Millionen Euro aufbringen. Im Jahr 2025 summierten sich die Beihilfekosten auf mehr als 176 Millionen Euro. Diese Ausgaben sind ein wichtiger Faktor im Landeshaushalt und werden auch in Zukunft die Diskussion über die Krankenversicherung der Beamten prägen.



