Wie Trump den weltgrößten Kondomhersteller in eine Krise stürzt
Trumps Politik trifft Kondomriesen Karex hart

Viele Branchen spüren derzeit die Folgen der US-Politik unter Präsident Donald Trump – auch die Hersteller von Kondomen. Besonders hart trifft es den Weltmarktführer Karex aus Malaysia. Das Unternehmen leidet unter mehreren Entscheidungen Trumps und steckt in einer tiefen Krise.

Malaysias Kondomindustrie unter Druck

Malaysia blickt auf eine lange Tradition mit Kautschuk zurück. Über Jahrzehnte war das Land einer der bedeutendsten Lieferanten der globalen Gummiindustrie – zunächst unter britischer Kolonialherrschaft, später als unabhängige Exportnation. Heute ist Malaysia zwar nicht mehr die Nummer eins weltweit, hat aber weiterhin Nischen besetzt. Eine davon sind Kondome: Jedes fünfte Kondom stammt aus Malaysia, einem Land mit nur 36 Millionen Einwohnern.

Im Zentrum dieser Industrie steht der Konzern Karex aus dem Bundesstaat Kedah. Das Unternehmen produziert eigenen Angaben zufolge über fünf Milliarden Kondome pro Jahr. Zu den Kunden zählen globale Marken wie Durex und Trojan sowie internationale Gesundheitsorganisationen und staatliche Beschaffungsprogramme. Genau hier beginnen die Schwierigkeiten.

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Der Aktienkurs von Karex zeigt deutlich, dass etwas schiefläuft. Seit dem vergangenen Herbst hängt die Aktie durch und liegt mittlerweile 36 Prozent unter dem Dezember-Niveau. Karex selbst adressiert das Problem offen: Letztlich sei es Donald Trump, dessen Politik ein makroökonomisches Worst-Case-Szenario für die Kondomindustrie geschaffen habe, das auch Karex direkt treffe.

Zwei Fronten der Krise

Trump trifft die Branche an zwei Fronten. Erstens durch Kürzungen bei internationalen Hilfsprogrammen. Diese dämpfen die Nachfrage großer Gesundheitsorganisationen nach Verhütungsmitteln spürbar und treffen vor allem das Exportgeschäft in den Globalen Süden. Mit einer Exportquote von über 90 Prozent ist Karex besonders hart betroffen.

Zweitens hat der Iran-Krieg zu höheren Preisen für Silikonöl geführt, einem wichtigen Grundstoff für Gleitmittel und Kondomverpackungen. Die Preise stiegen zeitweise um mehr als 30 Prozent. Karex versucht, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben, doch diese reagieren äußerst preissensibel, besonders in Schwellenländern.

Verlustquartale trotz krisensicherem Geschäftsmodell

Karex musste das zweite Verlustquartal in Folge melden. Mit Ausnahme der Corona-Krise ist dies ein Novum für das eigentlich krisensichere Geschäftsmodell. Konsumenten haben schließlich wenig Ausweichmöglichkeiten, gerade in ärmeren Regionen. Zwar kamen bilanzielle Effekte wie der schwache Dollar hinzu, doch das Minus von 12,7 Prozent beim jüngsten Quartalsumsatz übersteigt den Dollarverfall deutlich.

Spezialisierung als Ausweg

Fraglich ist, ob sich Karex erneut aus der Krise arbeiten kann – ähnlich wie nach Corona. Das Modell scheint robust: Anders als viele Konsumgüterhersteller tritt der Konzern oft nicht sichtbar in Erscheinung. Ein erheblicher Teil der Produktion erfolgt im OEM-Geschäft: Karex produziert für andere Marken, die die Ware unter eigenem Namen vertreiben. Dadurch bleibt das Geschäftsmodell schlank, weil kaum Marketingkosten anfallen. Es erhöht aber die Abhängigkeit von Großkunden wie Durex, die zudem leicht wechseln können. Kondome sind ein stark standardisiertes Produkt mit vielen Wettbewerbern wie Thai Nippon Rubber Industry und Cupid Limited. Indische Hersteller wie Cupid gewinnen aktuell Marktanteile, da sie günstiger produzieren und teils ruinöse Preiswettbewerbe führen.

Für Karex liegt eine Strategie in der Spezialisierung. In Industrieländern wächst die Nachfrage nach Premiumprodukten. Das Unternehmen investiert verstärkt in Kondome aus synthetischem Nitril – einem dünnen Material, das weniger Allergien auslösen soll und langfristig günstiger herzustellen sein könnte als Naturkautschuk. Diese Technologie soll Karex unabhängiger vom schwankungsanfälligen Latexpreis machen. Allerdings basiert Nitril auf Erdöl, dessen Preisentwicklung ebenfalls schwer kalkulierbar ist.

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Solide Finanzlage, aber sinkende Marge

Immerhin ist die finanzielle Lage von Karex solide. Trotz Verlusten in den letzten beiden Quartalen liegen die Cash-Bestände von 109 Millionen Dollar etwa auf dem Niveau des Vorjahres und von 2016. Sorgen bereitet jedoch die Bruttomarge, die mit 27 Prozent deutlich unter dem Industrie-Median von 37 Prozent liegt. Nicht alles lässt sich auf Trump schieben – die Probleme sind teilweise hausgemacht. Die Börse hat die Aktie entsprechend abgestraft.