Wohngeld: So kommen Sie an Ihren Rechtsanspruch
Wohngeld: So kommen Sie an Ihren Rechtsanspruch

Weniger Sozialbau, mehr Wohngeld – doch das System hakt

Seit Jahrzehnten setzt die deutsche Politik auf Wohngeld statt auf sozialen Wohnungsbau. Die Idee: Der Staat gibt einkommensschwachen Haushalten Geld dazu, damit sie sich auf dem freien Markt eine Wohnung leisten können. Doch die Realität sieht anders aus: Die Zahl der Sozialwohnungen ist von knapp vier Millionen im Westen 1987 auf heute rund eine Million in ganz Deutschland gesunken. Gleichzeitig steigen die Mieten rasant, und das Wohngeld erreicht viel zu wenige Berechtigte. Auf dem Tiefpunkt 2020 erhielten nur 618.000 Haushalte Wohngeld, obwohl die Zahl der Berechtigten deutlich höher lag. Das Institut der deutschen Wirtschaft schätzte, dass zwei Drittel der Berechtigten keinen Antrag stellen – aus Angst vor Bürokratie oder Unkenntnis.

Wohngeld-Plus-Reform: Mehr Berechtigte, aber lange Wartezeiten

Die Ampelregierung versuchte mit der Wohngeld-Plus-Reform eine Kurskorrektur: Der Kreis der Berechtigten wurde erweitert, sodass für 2025 wieder rund 1,9 Millionen Haushalte erwartet werden. Doch die Kommunen mit ihren 1400 Wohngeldämtern sind überfordert. Die Bearbeitungszeiten sind lang: In München kann es in komplexen Fällen bis zu zwei Jahre dauern, in Leipzig stauten sich zuletzt über 15.000 Anträge, und in Hamburg dauerte es 2025 im Schnitt 19 Wochen. Dabei kalkulierte die Regierung mit nur 1,5 Stunden pro Antrag. Die Umstellung auf die elektronische Akte hat die Prozesse zusätzlich verlangsamt.

Wohngeld als Arbeitsanreiz – und die geplante Kürzung

Wohngeld ist eine zentrale Leistung, um Arbeitnehmende mit niedrigem Einkommen vor dem Abrutschen in die Grundsicherung zu bewahren. Etwa die Hälfte der Bezieher sind alleinlebende Rentner. Für sie ist das Wohngeld oft die letzte Stütze, um nicht zum Sozialamt gehen zu müssen. Dennoch plant die Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) eine Kürzung um mehr als eine Milliarde Euro. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft warnt: Wohngeld setzt bessere Arbeitsanreize als Bürgergeld oder Sozialhilfe. Gleichzeitig fallen alte Sozialwohnungen aus der Bindung, während neue nur langsam gebaut werden. Die Länder haben seit 2019 zusätzliche Bundesmittel erhalten – insgesamt 21,65 Milliarden Euro bis 2028 – doch der Erfolg bleibt aus.

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Handlungsalternativen für Betroffene

Wenn Ihr Einkommen niedrig ist, Ihre Rente knapp oder die Miete zu hoch: Prüfen Sie Ihren Wohngeldanspruch. Nutzen Sie den Wohngeldrechner des Bundes oder der Stadt Berlin. Eine Checkliste von Finanztip hilft bei den wichtigsten Punkten. Stellen Sie den Antrag sofort, denn er gilt ab dem Eingangsmonat. Lassen Sie sich nicht abwimmeln – Wohngeld ist ein Rechtsanspruch. Bei Familien lohnt sich auch der Kinderzuschlag. Manche Kommunen haben beide Anträge gekoppelt. Fordern Sie Ihre Abgeordneten auf, die geplante Kürzung zu stoppen. Eine Milliarde weniger beim Wohngeld, während für den Tankrabatt 1,6 Milliarden ausgegeben wurden, ist eine Schnapsidee.

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