Neues Landesamt für Bevölkerungsschutz in Bayern startet
Bayern bekommt erstes Landesamt für Bevölkerungsschutz

München (dpa/lby) – Das neue Landesamt für Bevölkerungsschutz in Bayern hat offiziell Mitte April seine Arbeit aufgenommen. Es ist bundesweit die erste Behörde dieser Art, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in München betonte. Mit 85 Mitarbeitern und sieben Sachgebieten soll die Koordination bei Großschadenslagen und Katastrophen wie Hochwasser, Waldbränden oder auch kriegerischen Bedrohungen verbessert werden.

Fiktive Hochwasserlage demonstriert Abläufe

Um die neuen Strukturen zu veranschaulichen, präsentierte die Führungsgruppe Katastrophenschutz anhand einer fiktiven Hochwasserlage die zukünftigen Abläufe. In dem Szenario müssen Hunderte Menschen evakuiert werden, es gibt Verletzte und Vermisste. Die Koordination erfolgt künftig aus einer Zentrale im Innenministerium, wo das Team des bestehenden Melde- und Lagezentrums für den Bevölkerungsschutz aufgestockt wurde. „Das Lagezentrum ist bereits heute rund um die Uhr besetzt“, betonte Herrmann.

Kurze Wege und enge Abstimmung mit der Polizei

Die Koordinierungsgruppe der Polizei befindet sich im selben Gebäude, um eine rasche Abstimmung zu gewährleisten. Mit dem neuen Landesamt wird die bisherige Abteilung für Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz neu aufgestellt und ausgebaut. Ziel sei es, aufwendige Parallelstrukturen im Ministerium zu vermeiden und die Handlungsfähigkeit des Freistaats in den Bereichen Katastrophenschutz und Zivilverteidigung zu erhöhen.

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Reaktion auf zunehmende Naturkatastrophen und neue Bedrohungen

Hintergrund der Neuorganisation sind die zunehmenden Naturkatastrophen wie das Hochwasser im Frühsommer 2024 im Süden Bayerns, aber auch die veränderte geopolitische Bedrohungslage und die Gefahr von Kriegen. „Wir brauchen einen breiten Ansatz, der alle Facetten des Bevölkerungsschutzes abdeckt“, sagte Herrmann. Das Landesamt soll dabei eine zentrale Rolle spielen.

Kritik von Opposition: Ausstattung und Einsatzkräfte

Der Innenpolitik-Experte der Grünen-Landtagsfraktion, Florian Siekmann, mahnte dringenden Handlungsbedarf bei der Ausstattung sowie Warn- und Sirenensystemen an. Das neue Landesamt müsse zudem ein eigenes Profil entwickeln und dürfe sich nicht nur als „umbenannte Abteilung des Innenministeriums“ verstehen. Die innenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Christiane Feichtmeier, äußerte Zweifel an der ausreichenden Zahl von Einsatzkräften, Material und Reserven: „Der Innenminister hat heute die neue Kommandozentrale präsentiert – offen ist aber weiterhin, ob Bayern genug Einsatzkräfte, Material und Reserven hat, die von dort aus koordiniert werden können.“ Sie verwies auf den aktuellen Waldbrand in den Chiemgauer Alpen, der zeige, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichten. Bayern brauche eine Spezialeinheit, die im Ernstfall schnell und schlagkräftig eingesetzt werden könne.

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