Erst vor wenigen Tagen stürzte ein 14-Jähriger auf der anspruchsvollen Strecke und zog sich eine Fraktur am Handgelenk zu. Der Junge wurde mit einem Rettungswagen in die Klinik nach Memmingen gebracht. Es ist nicht der erste schwere Unfall in dieser Saison: Schon im Mai und Juni mussten gleich mehrere Radfahrer notärztlich versorgt werden. Die Frage drängt sich auf: Wird der Bikepark in Mindelheim zum neuen Unfallschwerpunkt im Allgäu?
Zwei Dutzend Einsätze in der Sommersaison
Nach Angaben der Stadt Mindelheim wurden seit der Saisoneröffnung im März mindestens 20 Unfälle mit Verletzungen registriert. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, denn viele kleinere Stürze werden nicht gemeldet. Die Polizei Mindelheim bestätigt auf Nachfrage eine Zunahme der Einsätze im Bereich des Bikeparks. Allein im Juli wurde die Strecke an mehreren Wochenenden zum Ort von Rettungseinsätzen. Besonders betroffen sind Jugendliche, die mit ihren Bikes über die Sprünge und Steilkurven jagen.
Der Bikepark wurde vor rund drei Jahren auf einem ehemaligen Übungsgelände der Bundeswehr eröffnet. Er umfasst mehrere Streckenlängen von der einfachen Familienroute bis hin zu technisch schwierigen Abfahrten mit Steinschlägen und hängengebliebenen Kehren. Gerade die als „Pro-Line“ ausgewiesene Rennstrecke gilt als anspruchsvoll, aber auch die beliebten „Dirt Jumps“ bergen Risiko. Hinzu kommen Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern pro Stunde, wie die Stadt bei einer Messung im vergangenen Jahr feststellte.
Anwohner fordern Konsequenzen
Die Anwohner der angrenzenden Siedlung sprechen längst von einer unerträglichen Belastung. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt: „Es ist eine Frage der Zeit, bis etwas Schlimmeres passiert. Die Kinder huschen hier lang wie die Wilden, und die Eltern haben keine Kontrolle.“ In einer Bürgerinitiative haben sich mehr als 80 Anwohner zusammengeschlossen, sie fordern eine Geschwindigkeitsbegrenzung, mehr Schutzplanken und eine regelmäßige Streckenkontrolle.
Auch aus der Kommunalpolitik wird die Kritik lauter. Der CSU-Stadtrat Thomas Schmid, selbst begeisterter Mountainbiker, versteht die Sorgen: „Ein Bikepark ist eine tolle Einrichtung, aber Sicherheit muss an erster Stelle stehen. Wir dürfen nicht warten, bis ein schwerer Unfall passiert.“ Die Grünen plädieren für eine pädagogische Begleitung, etwa durch ausgebildete Trainer, die an den Wochenenden stationiert werden sollten. Die SPD fordert eine bessere Beleuchtung und eine Notrufsäule, da die Strecken in einem abgelegenen Teil des Stadtparks liegen.
Stadt verweist auf bestehende Regeln
Die Stadtverwaltung zeigt sich aufgeschlossen, weist jedoch darauf hin, dass der Bikepark nach den aktuellen Sicherheitsstandards des Deutschen Alpenvereins gebaut wurde. „Alle Strecken sind ausgeschildert, Schutzkleidung ist ausdrücklich empfohlen, und auf den Stufen der Dirt-Jumps gibt es Warnhinweise“, sagt Baureferent Jörg Mayer. Dennoch kündigt er an: „Wir werden die Unfallzahlen jetzt systematisch erfassen und auswerten. Wenn sich Haftungsfragen ergeben, müssen wir reagieren.“ Möglich seien zusätzliche Fangnetze an kritischen Stellen, eine Verbreiterung der Trails und eine Reduzierung der Sprunghöhen.
Unterdessen nutzen viele Biker den Park intensiv. Der Mindelheimer Verein „Gravity Allgäu“ meldet mit fast 200 Mitgliedern einen anhaltenden Zulauf. Der Verein bietet regelmäßig Sicherheitstrainings an und hat bereits mehrere Streckenpaten abgestellt, die die Wege kontrollieren. „Der Bikepark ist ein Gewinn für die Region“, sagt Vorsitzender Lukas Hartmann. „Aber natürlich muss jeder seine Fähigkeiten realistisch einschätzen. Wir appellieren an die Nutzer, unbedingt einen Helm und gegebenenfalls Rückenprotektor zu tragen.“ Hartmann verweist auf das Konzept der „Einfahren-Strecken“, das den Einstieg erleichtern soll.
Unfallstelle oder Vorzeigeobjekt?
Die Diskussion hat auch eine emotionale Seite. Manche sehen in dem Bikepark eine Gefahrenquelle, andere feiern ihn als ideale Gelegenheit für Jugendliche, sich in der Natur zu bewegen. Fakt ist: Die Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr Mindelheim rücken immer wieder an. Im vergangenen Monat musste ein verunglückter Mountainbiker mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden – ein schwerer Schock für die Einsatzkräfte. Die genaue Bilanz wird im Herbst im Stadtrat präsentiert. Bis dahin bleibt die Anlage geöffnet, allerdings will die Stadt eine mobile Geschwindigkeitsmessung testen, um Daten zu bekommen.
Ob der Bikepark Mindelheim ein Unfallschwerpunkt wird oder nicht, hängt maßgeblich von der Weiterentwicklung und der Disziplin der Nutzer ab. Sicherheitstrainer, Helmpflicht und eine Sensibilisierung der Eltern könnten das Unfallrisiko deutlich senken. Der Appell des Leiters des städtischen Ordnungsamtes richtet sich daher an alle: „Bitte fahrt verantwortungsvoll, respektiert die Natur und eure eigene körperliche Grenzen. Ein Sturz kann im schlimmsten Fall das ganze Leben verändern.“



