Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die ersten Weichen für die neuen Euro-Banknoten gestellt: Bei der öffentlichen Abstimmung über die Gestaltung der künftigen Scheine haben es zwei Entwürfe aus Bayern unter die zehn meistgewählten Vorschläge geschafft. Das gab die EZB in Frankfurt bekannt. Die neuen Banknoten sollen ab 2026 Schritt für Schritt die aktuellen Scheine ablösen, die seit der Einführung des Euro-Bargelds im Jahr 2002 weitgehend unverändert im Umlauf sind.
Die Online-Abstimmung hatte im Sommer mehrere Wochen gedauert. Bürgerinnen und Bürger aus den 20 Ländern des Euroraums konnten darüber entscheiden, welche Designs für die nächste Generation der Euro-Banknoten in die engere Auswahl kommen. Aus Dutzenden von Vorschlägen wählten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Favoriten. Die EZB hatte bereits im Vorfeld das Leitthema der neuen Banknotenserie festgelegt: Unter dem Motto „Europäische Kultur“ sollten die Entwürfe die gemeinsame Identität der Europäer widerspiegeln.
Jetzt steht fest: Zwei bayerische Arbeiten sind in der Schlussrunde. Sie gehören zu den zehn Designs, die von einer international besetzten Jury weiter bewertet werden. Die EZB will die konkreten Motive und die Namen der Künstlerinnen und Künstler erst dann der Öffentlichkeit präsentieren, wenn die Jury ihre Entscheidung getroffen hat. Inoffiziellen Kreisen zufolge hätten die bayerischen Entwürfe vor allem durch ihre ungewöhnliche Bildsprache gepunktet, die historische Motive mit modernen Sicherheitsmerkmalen verbindet. Offiziell bestätigt ist das jedoch nicht.
Ein Wettbewerb mit vielen Runden
Die Auswahl neuer Banknoten ist ein langwieriger Prozess. Nach der öffentlichen Abstimmung folgt nun die Expertenrunde. Die Jury setzt sich aus Grafikdesignern, Kunsthistorikern, Banknotenexperten und Vertretern der nationalen Zentralbanken zusammen. Sie prüft die Top-10-Entwürfe auf Herz und Nieren: Wie originell ist das Motiv? Wie gut lassen sich die Sicherheitsmerkmale in das Design integrieren? Und passt der Entwurf zum Europa-Gedanken?
Anschließend müssen die Regierungen der Mitgliedstaaten sowie das Europäische Parlament ihre Zustimmung erteilen. Erst wenn alle politischen Hürden genommen sind, kann die EZB den Druck der neuen Banknoten in Auftrag geben. Die Produktion selbst dauert Monate. Die EZB rechnet damit, die ersten neuen Scheine im Jahr 2026 auszugeben.
Warum neue Banknoten?
Die bisherigen Euro-Scheine sind seit ihrer Einführung vor mehr als zwei Jahrzehnten ein alltäglicher Begleiter. Doch sie sind technisch in die Jahre gekommen. Fälscher nutzen immer fortschrittlichere Methoden, und auch die Haltbarkeit der Scheine hat Grenzen. Die EZB verspricht für die neue Serie ein deutlich erhöhtes Sicherheitsniveau. Zum Einsatz kommen sollen unter anderem holografische Elemente, die je nach Blickwinkel ihre Farbe ändern, sowie Reliefstrukturen, die man mit dem Finger spüren kann. Auch das Design wird grundlegend überarbeitet – ein Anlass für die öffentliche Abstimmung.
Stolz in München und Nürnberg
In Bayern wird der Erfolg der beiden Entwürfe mit besonderem Interesse verfolgt. Die hiesige Designbranche genießt international einen guten Ruf. Hochschulen wie die Kunstakademie München oder die Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd haben immer wieder Absolventen hervorgebracht, die in der Kreativwirtschaft Karriere gemacht haben. Dass nun ausgerechnet zwei bayerische Arbeiten die erste Hürde genommen haben, werten Beobachter als Ausdruck der Innovationskraft des Standorts.
Die EZB hat übrigens darauf hingewiesen, dass es sich bei der Abstimmung um eine sogenannte Präferenzumfrage handelte. Das bedeutet: Nicht jede Stimme zählte das Gleiche. Die Teilnehmer konnten Punkte auf die verschiedenen Entwürfe verteilen, was die Auswertung komplexer machte. Die genaue Zahl der abgegebenen Stimmen will die EZB ebenso wie die Platzierungen der einzelnen Entwürfe erst mit der endgültigen Bekanntgabe der Shortlist veröffentlichen. Bis dahin bleibt es in der Branche ein spannendes Rätsel, welcher Entwurf am Ende das Rennen macht.
Sendepause bis zum Frühjahr
Wer jetzt einen ersten Blick auf die Top-10-Entwürfe werfen möchte, wird sich noch gedulden müssen. Die EZB kündigte an, die ausgewählten Arbeiten gemeinsam mit dem Votum der Jury im Frühjahr 2025 online zu präsentieren. Bis dahin bleibt die bayerische Hoffnung auf den Auftritt auf den neuen Scheinen weiterhin möglich. Sollte einer der beiden Entwürfe den Sieg davontragen, würde das Euro-Bargeld künftig mit einem Stück Bayern durch die Taschen der Menschen in ganz Europa reisen.



