Mindelheim wird am Wochenende zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Premiere: Anhänger mit Toilettenkabinen, im Volksmund Klowagen genannt, treffen sich zum ersten bayerischen Klowagentreffen. Die Veranstalter erwarten nicht nur Fahrzeugbesitzer aus Schwaben und Altbayern, sondern aus dem gesamten Freistaat. Das Ziel des Treffens ist es, die vielfältigen Bauformen und Ausstattungen dieser oft belächelten Fahrzeuge zu präsentieren und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Vom Nutzfahrzeug zum Hingucker
Klowagen sind in der Regel gebrauchte Wohnwagen oder kleine Lastwagenanhänger, die mit einer oder mehreren Toilettenkabinen, Handwaschbecken und oft auch mit einer kleinen Urinalanlage ausgestattet sind. In den vergangenen Jahren haben sich die Anbieter verstärkt darauf verlegt, ihre Fahrzeuge nicht mehr nur als reine Zweckbauten, sondern als mobile Wohlfühloasen mit optischen Reizen zu gestalten. Beim ersten bayerischen Klowagentreffen in Mindelheim wird genau diese Entwicklung thematisiert.
Hinter den Steuern der Klowagen stecken häufig Familienbetriebe, die seit Generationen den sanitären Service auf Festplätzen und Baustellen anbieten. Für sie ist das Treffen die Gelegenheit, ihr Handwerk zu präsentieren und sich mit Kollegen auszutauschen. Manche sind den ganzen Sommer über im Einsatz und legen dabei mehrere tausend Kilometer zurück. Die wenigsten werden dabei als glamourös wahrgenommen – genau das möchte das Treffen ändern.
Auf dem Festgelände am Stadtrand präsentieren sich die Wagen in einer Art Ideenschau. Nicht nur die Funktionalität zählt, sondern auch die Ästhetik. Bunte Lackierungen, nostalgische Details oder futuristische Armaturen: Die Besitzer nehmen viel Zeit und Geld in die Hand, um ihre fahrbaren Örtchen von der Masse abzuheben. Der Wettbewerb um die goldene Klobürste ist daher mit Spannung erwartet worden. In mehreren Kategorien sollen die innovativsten und ausgefallensten Umbauten prämiert werden.
Ein Treffen für Kenner und Neugierige
Dass ausgerechnet ein Klowagentreffen den Anfang einer neuen Tradition machen könnte, mag überraschen. Doch die Branche der mobilen Sanitärtechnik hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Bei Volksfesten, Open-Air-Konzerten, Bauprojekten und in Katastrophengebieten sind die rollenden Toiletten unverzichtbar. Die Veranstalter des ersten bayerischen Treffens betonen, dass es ihnen nicht um Gaudi allein geht. Vielmehr wollen sie auf die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte aufmerksam machen und den Austausch zwischen Herstellern, Vermietern und Nutzern fördern.
Besucherinnen und Besucher können im Rahmen der Veranstaltung auch selbst einen Blick in die Kabinen werfen und sich über Hygiene-, Umwelt- und Entsorgungsstandards informieren. Ein begleitendes Rahmenprogramm mit Musik und Bewirtung sorgt dafür, dass das Zusammenkommen auch den Charakter eines Volksfestes erhält. Zudem werden Seminare und Workshops angeboten, in denen es um aktuelle Themen wie biologisch abbaubare Reinigungsmittel oder die Sensibilisierung der Kundschaft auf dem Platz geht.
Die goldene Klobürste als Wanderpreis
Am späten Nachmittag findet die große Preisverleihung statt. Die goldene Klobürste wird als Trophäe an den Gewinner überreicht und soll künftig bei jedem weiteren Treffen wieder neu ausgespielt werden. Die Jury besteht aus Fachleuten aus dem Bereich Fahrzeugbau und Sanitärtechnik sowie aus Vertretern lokaler Verbände. Bewertet werden unter anderem die Verarbeitung, die Sauberkeit der Ausstattung und die Originalität des Gesamtkonzepts.
Die Organisatoren haben angekündigt, den Wettbewerb als festen Bestandteil des bayerischen Kulturkalenders zu etablieren. Bereits im kommenden Jahr könnte das zweite Treffen mit hoffentlich noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden. Ob die Veranstaltung dann erneut in Mindelheim ausgetragen wird, hängt auch vom Erfolg der Premiere ab. Die Verantwortlichen zeigen sich jedenfalls optimistisch, dass die goldene Klobürste in Zukunft viele begeisterte Abnehmer finden wird.
Für die Stadt Mindelheim ist das Klowagentreffen auch eine Chance, sich als gastfreundliche und offene Kommune zu präsentieren. Die örtlichen Gastronomen und Einzelhändler hoffen auf zusätzliche Einnahmen durch die erwarteten Gäste. Der Eintritt ist frei, die Organisatoren bitten lediglich um eine Spende für die anfallenden Entsorgungskosten.



