Oktoberfest-Wirt berichtet von Anfeindungen nach Klage
Oktoberfest-Wirt berichtet von Anfeindungen nach Klage

Ein Gastronom, der wegen der Vergabe eines Festzelts auf dem Münchner Oktoberfest Klage eingereicht hat, sieht sich seitdem massiven Anfeindungen ausgesetzt. Wie die Augsburger Allgemeine berichtet, erhält der Mann zahlreiche beleidigende Nachrichten und sogar Drohungen – per Brief, E-Mail und in den sozialen Medien. Der Wirt, der nach eigenen Angaben anonym bleiben möchte, beschreibt die Situation als unerträglich.

Der Mann betreibt seit vielen Jahren Gastronomiebetriebe in München und ist in der Branche etabliert. Auf dem Oktoberfest war er bislang allerdings nicht als Festwirt vertreten. Für die Wiesn hatte er sich erstmals mit einem eigenen Konzept beworben und war dabei gescheitert.

Streit um die Zeltvergabe

Hintergrund ist ein Rechtsstreit zwischen dem Gastronomen und der Landeshauptstadt München. Der Mann hatte sich um ein großes Festzelt auf der Wiesn beworben, war aber bei der Vergabe leer ausgegangen. Die Stadt vergab das Zelt an einen anderen Betreiber. Der Abgewiesene hält das Auswahlverfahren für intransparent und zog vor das Verwaltungsgericht. Er will eine erneute Prüfung der Entscheidung erreichen.

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Rechtsexperten machen deutlich, dass eine solche Vergabe nachvollziehbar begründet werden muss. Die Bewerber hätten einen Anspruch auf Gleichbehandlung und eine faire Abwägung ihrer Konzepte. In der Vergangenheit seien städtische Entscheidungen in vergleichbaren Fällen von Gerichten beanstandet worden.

Solche Klagen sind nicht ungewöhnlich. Die Zahl der Bewerber übersteigt die Zahl der verfügbaren Plätze bei weitem. Die Stadt München betont, dass die Vergabe nach festgelegten Kriterien erfolge, zu denen unter anderem die Qualität des Konzeptes, die Wirtschaftlichkeit und die Tradition der Bewerber zählten. Doch gerade diese Kriterien sorgen immer wieder für Diskussionen.

Anfeindungen im Netz und im Alltag

Der klagende Gastronom berichtet, dass die Stimmung nach Bekanntwerden der Klage umgeschlagen sei. Anfangs habe es noch Solidarität gegeben, aber schnell seien Drohungen und Beschimpfungen gefolgt. Er spricht von einer regelrechten Kampagne gegen seine Person. Auch seine Familie und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien betroffen. Die Anfeindungen reichten von verbalen Entgleisungen bis zu Drohungen gegen seine Existenz.

Sogar die Bewertung eines seiner Restaurants im Internet sei manipuliert worden, um ihm wirtschaftlich zu schaden. Er habe deshalb Anzeige bei der Polizei erstattet, wie er der Zeitung mitteilte. Doch viele Profile seien anonym, eine Strafverfolgung gestalte sich schwierig.

Der Gastronom fordert von den Social-Media-Plattformen, schneller gegen Hassrede vorzugehen. Es dürfe nicht sein, dass das Einklagen von Rechten zur öffentlichen Prügelstrafe werde. Auch im persönlichen Umfeld spüre er zunehmende Vorbehalte; manche Bekannte hätten sich distanziert.

Der wirtschaftliche Druck

Die Auseinandersetzung trifft den Gastronomen auch beruflich. Der anhaltende Shitstorm setze ihm und seiner Familie psychisch zu, berichtet er. Zudem habe er Sorge, dass sein Unternehmen unter den Anfeindungen leidet. Zwar habe das Gericht noch nicht entschieden, doch der Ruf sei bereits beschädigt.

In seiner Branche wird der Fall genau beobachtet. Der Streit zeigt, wie stark die Vergabe der Wiesn-Zelte Emotionen weckt. Das Geschäft mit dem Oktoberfest ist lukrativ, jedes Zelt kann Umsätze in Millionenhöhe generieren. Entsprechend hart wird gekämpft.

Fachleute sehen darin auch ein Symptom für eine gesellschaftliche Entwicklung: Die Anonymität im Netz führe zu einer Enthemmung, die auch vor Existenzen nicht Halt mache. Der Fall des Gastronomen könnte dadurch eine Signalwirkung entfalten – für alle, die sich gegen behördliche Entscheidungen wehren.

Die Stadt München und das Oktoberfest

Das Oktoberfest gilt als das größte Volksfest der Welt. Rund sechs Millionen Menschen besuchen es jedes Jahr. Die großen Zelte sind oft Jahre im Voraus ausgebucht, und die Wirte genießen einen hohen Bekanntheitsgrad. Entsprechend begehrt sind die Konzessionen.

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Die Stadtverwaltung widerspricht dem Vorwurf der Intransparenz. Die Kriterien für die Vergabe seien öffentlich einsehbar, die Entscheidungen würden sorgfältig begründet. Zu den Anfeindungen gegen den Kläger wollte man sich nicht näher äußern, betonte aber, dass eine sachliche Diskussion wichtig sei. Man hoffe, dass das Gericht bald für Klarheit sorgen werde.

Bis zu einer Entscheidung muss der Gastronom weiter mit den Anfeindungen leben. Er hofft, dass die Öffentlichkeit seinen Schritt nachvollziehen kann. Es gehe ihm nicht um Prinzipien, sondern um sein Lebenswerk, sagt er – und um das Recht auf eine faire Chance.