Die erwartete Blechlawine blieb aus: Zum Start der bayerischen Sommerferien hat sich der Verkehr trotz der seit Wochen andauernden Vollsperrung des Fernpasses nur wenig gestaut. Wie der ADAC mitteilte, war die Lage auf den Fernstraßen am frühen Samstagmorgen sogar entspannter als in den Vorjahren. Die größten Behinderungen gab es demnach auf der A8 Richtung Salzburg sowie auf der A93 Richtung Kufstein, wo sich zwischen Rosenheim und dem Inntaldreieck zwischenzeitlich rund 15 Kilometer Stau bildeten.
Der Fernpass, eine der wichtigsten Transitstrecken von Deutschland nach Südtirol und Italien, ist wegen Bauarbeiten zur Felssicherung noch bis Herbst gesperrt. Normalerweise rollen täglich rund 10.000 Fahrzeuge über den Pass zwischen Nassereith und Bichlbach. Die Sperrung zwingt Lastwagen und Urlauber zu teils weiten Umwegen über den Reschenpass in Südtirol oder über die Tauernroute in Österreich.
Fernpass-Sperrung: Umwege über Reschenpass und Tauern
Die Sperre des Fernpasses hatte viele Urlauber vorab verunsichert. In Onlineforen und auf Social Media wurde vor chaotischen Zuständen gewarnt. Doch die Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Nach Auskunft der Bayerischen Verkehrspolizei verlief der Reiseverkehr am Wochenende insgesamt geordnet. „Wir haben mit deutlich größeren Problemen gerechnet", sagte ein Polizeisprecher. Die Autofahrer hätten sich offenbar gut vorbereitet und Reisetermine angepasst.
Ein Grund für die entspannte Lage dürfte auch das Wetter sein: Viele Urlauber hielten sich am Wochenende mit der Abreise zurück, weil im Alpenraum heftige Gewitter angekündigt waren. Zudem hatten zahlreiche Familien bereits am Donnerstag und Freitag die Reise angetreten, um dem erwarteten Ansturm zu entgehen. Die Verkehrsclubs hatten genau das empfohlen.
ADAC: Die A8 und A93 bleiben neuralgische Punkte
Der ADAC hatte bereits im Vorfeld vor allem auf den Strecken zur österreichischen Grenze hohes Verkehrsaufkommen vorhergesagt. Die Prognose traf auf der A8 München–Salzburg zu: Zwischen den Dreiecken Inntal und Bad Reichenhall kam es am Samstagvormittag zu zäh fließendem Verkehr und zeitweisen Stillständen. Auch auf der A3 bei Passau und der A7 Richtung Füssen waren die Fahrzeiten leicht erhöht. Auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen blieb es dagegen weitgehend ruhig.
Die Fernpass-Sperrung zeigte dennoch Auswirkungen: Auf der Bundesstraße B179, die direkt zum Fernpass führt, staute sich am Grenzübergang Füssen und auf der österreichischen Seite bis nach Reutte der Verkehr zeitweise auf mehreren Kilometern. Grund war die Kontrolle der Lkw, die eigentlich über den Fernpass fahren wollten und nun umgeleitet werden. Die Tiroler Polizei richtete eigens eine Kontrollstelle ein, um den Durchgangsverkehr zu erfassen.
Urlauber weichen auf die Bahn aus
Die Sperrung des Fernpasses hat in diesem Jahr auch die Nachfrage nach der Bahn erhöht. Wie die Deutsche Bahn mitteilte, waren die Nachtzugverbindungen nach Italien in der ersten Ferienwoche ausgebucht. Auch die Fernbusse in Richtung Süden fuhren nach Angaben des Anbieters Flixbus mit voller Auslastung. Viele Reisende zeigten sich angesichts der unsicheren Straßenlage bereit, auf Bus und Bahn umzusteigen.
Die bayerischen Ferien dauern noch knapp zwei Wochen. In den kommenden Tagen werden erneut viele Urlauber auf die Straßen strömen, insbesondere an den Wochenenden. Der ADAC rät, die Stauprognosen zu beachten und möglichst unter der Woche zu fahren. Reisende, die über den Reschenpass fahren möchten, sollten genügend Zeit einplanen: Die Strecke ist kurvenreich und wird auch von vielen Lastwagen genutzt.
Fernpass bleibt bis Herbst gesperrt – Teilsperrung im August geplant
Die Vollsperrung des Fernpasses dauert noch bis voraussichtlich Mitte September an. Ursache sind umfangreiche Sicherungsarbeiten an einem Felshang oberhalb der Passstraße. Zeitweise soll die Straße zumindest einspurig – in Form einer halbseitigen Sperrung mit Ampelregelung – freigegeben werden. Ein genauer Termin steht laut Tiroler Landesregierung noch nicht fest. Die Asfinag, die für die Straße zuständig ist, rechnet jedoch damit, dass die Arbeiten im Zeitplan liegen.
Bis dahin müssen sich Autofahrer weiterhin auf Umwege einstellen. Die Route über den Reschenpass verlängert die Fahrzeit von München nach Bozen um rund eine Stunde, die Strecke über die Tauernautobahn A10 ist zwar schneller, aber mautpflichtig. Für die Rückreisewelle in den nächsten Wochen empfehlen die Verkehrsexperten, die Fahrtzeiten über das Internet oder Navigationsgeräte mit Echtzeitdaten zu prüfen.
Die Polizei will die Kontrollen an den Ausweichstrecken in den kommenden Tagen weiterführen. Insbesondere an den Wochenenden, wenn der Rückreiseverkehr einsetzt, werden die Beamten im Einsatz sein. Bislang ist die Zahl der Unfälle im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen, wie es in der Bilanz der Polizei heißt. Das könnte auch daran liegen, dass die Autofahrer wegen der Sperrung insgesamt vorsichtiger und langsamer unterwegs sind.



