Leise gleitet das Kajütboot über die Havel bei Zehdenick. Vorbei an Ferienhäusern und Lauben tuckert es in Richtung des alten Ziegeleiparks von Mildenberg. An Deck sitzt Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (CSU, für CDU). Der Termin ist kein Vergnügen, sondern ein Arbeitsbesuch mit ernstem Hintergrund: Die Tourismusbranche an der Brandenburgischen Seenplatte leidet unter einem spürbaren Einbruch der Tagesgäste sowie unter zunehmend verkrauteten Gewässern. Bootsverleiher, Museen und Wirte vor Ort sehen sich in ihrer Existenz bedroht und fordern Hilfe vom Land.
Einbruch der Tagesgäste setzt Betriebe unter Druck
In der Hochsaison bleiben die erwarteten Besucherströme aus. Die Tagesausflügler, die sonst in Scharen an die Gewässer der Region kommen, bleiben offenbar aus. Für die Anbieter von Bootstouren, die Museen entlang der Wasserwege und nicht zuletzt die gastronomischen Betriebe ist dies eine besorgniserregende Entwicklung. Die Umsätze sinken, während die Kosten für Personal, Instandhaltung und Energie weiter steigen. Viele Betriebe kämpfen bereits seit mehreren Saisons mit schwierigen Rahmenbedingungen.
Die Gründe für den Rückgang der Tagesgäste sind vielschichtig. Neben der allgemeinen Konjunktur und den gestiegenen Preisen spielen auch die Bedingungen vor Ort eine Rolle. Wenn die Gewässer zuwachsen, verlieren sie ihren Erholungswert. Ausflügler suchen dann andere Ziele. Vor allem Familien mit Kindern und ältere Gäste, die mit dem Boot unterwegs sind, leiden unter den eingeschränkten Sicht- und Fahrverhältnissen.
Verkrautete Gewässer werden zum Hindernis
Die sogenannte Verkrautung der Havel und anderer Gewässer der Seenplatte hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Wasserpflanzen wachsen teils bis an die Wasseroberfläche und erschweren die Durchfahrt. Bootsverleiher berichten von Motorschäden und Propellerproblemen, die durch Unterwasserpflanzen verursacht werden. Auch für die Schifffahrt auf der Havel sind die Bedingungen schwieriger geworden. Dabei ist die Havel nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der touristischen Infrastruktur Brandenburgs.
Die Touristiker beklagen, dass die zuständigen Behörden die Gewässer nicht ausreichend pflegen. Notwendig wären regelmäßige Mäharbeiten, um die Fahrrinnen freizuhalten. Doch die Kosten dafür sind hoch, und die Zuständigkeiten sind zwischen Bund, Land und Kommunen aufgeteilt. Diese Gemengelage führt dazu, dass notwendige Maßnahmen immer wieder aufgeschoben werden. Die Folgen sind exakt dort zu spüren, wo die Region auf Tourismus angewiesen ist.
Touristiker fordern Unterstützung vom Land
Bei dem Besuch der Ministerin machten die Vertreter der Branche ihre Forderungen deutlich. Im Kern geht es um mehr finanzielle Unterstützung für die Unterhaltung der Wasserstraßen, eine bessere Vermarktung der Region sowie um Entlastungen bei den Energiekosten. Auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wird genannt, um Tagesgästen die Anreise zu erleichtern. Die Touristiker betonten, dass die Seenplatte ohne konsequentes Handeln weiter an Attraktivität verlieren werde.
Martina Klement zeigte sich bei dem Rundgang über das Wasser aufmerksam und ließ sich die Probleme im Detail schildern. Ob sie konkrete Hilfen zusagen konnte, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Branche hofft jedoch, dass die Ministerin die Anliegen in die Landespolitik trägt und die notwendigen Schritte einleitet. Der Druck ist hoch, schließlich geht es um die Existenzgrundlage vieler Unternehmen und die Zukunft des Tourismus im Land.
Tourismus als wirtschaftliches Rückgrat der Region
Die Brandenburgische Seenplatte gehört zu den wichtigsten Urlaubsdestinationen in Ostdeutschland. Zahlreiche Gäste aus Berlin und Brandenburg, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet schätzen die natürliche Umgebung, die vielen Wasserwege und die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen. Der Tourismus sichert Arbeitsplätze nicht nur in den direkt beteiligten Betrieben, sondern auch in der gesamten Region. Ein Rückgang der Besucherzahlen hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette – vom Zulieferer über den Einzelhandel bis hin zum Handwerk.
Dennoch stehen die Zeichen derzeit auf Sturm. Die Kombination aus weniger Tagesgästen und einer zunehmenden Verkrautung der Gewässer trifft die Branche in einem ungünstigen Moment. Nach den wirtschaftlichen Einbußen der vergangenen Jahre, die auch durch die Pandemie verursacht wurden, wäre eine Erholung dringend nötig. Stattdessen sehen sich viele Betriebe erneut mit existenziellen Sorgen konfrontiert. Die Forderung nach Hilfe aus Potsdam ist daher mehr als verständlich.
Ob und wie die Landesregierung reagieren wird, bleibt abzuwarten. Die Signale, die von dem Besuch der Ministerin ausgehen, werden von den Touristikern genau beobachtet. Fest steht: An der Havel bei Zehdenick und der gesamten Seenplatte entscheidet sich, ob die Region ihre Anziehungskraft behält oder in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung verliert. Die kommenden Wochen und Monaten werden zeigen, ob die Politik die Zeichen der Zeit erkannt hat.



