Israelische Kampfjets haben am Sonntag mehrere Ziele im Gazastreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben starben mindestens 15 Menschen, darunter zwei Ehepaare und zwei Kinder. Die Bombardements konzentrierten sich auf Gaza-Stadt im Norden, Deir al-Balah im Zentrum sowie die Region um Chan Junis im Süden. Wie das israelische Militär mitteilte, galt ein Angriff auf eine Wohnung in Deir al-Balah zwei Kommandeuren der Hamas-Elitetruppe »Nuchba«. Zudem seien militärische Ziele in Gaza-Stadt und Dschabalia attackiert worden.
Nach Darstellung palästinensischer Rettungskräfte und Mediziner war die Zahl der Toten an einem einzigen Tag die höchste seit Wochen. Die Luftschläge ereigneten sich nur drei Tage, nachdem US-Präsident Donald Trump eine überraschende Erklärung abgegeben hatte: Die Hamas und andere bewaffnete Gruppen hätten einer Entwaffnung zugestimmt. Damit verbanden viele die Hoffnung auf eine baldige Wende in dem seit Monaten andauernden Konflikt.
Trumps Ankündigung und die Realität vor Ort
Das von den USA geführte »Board of Peace«, das mit der Überwachung des Waffenstillstands betraut ist, veröffentlichte am Freitag einen 15-Punkte-Fahrplan für die finalen Schritte zur Umsetzung der Vereinbarung. Darin geht es unter anderem um die Übergabe der Waffen der Hamas an eine neue palästinensische Verwaltungsbehörde. Trump selbst hatte die Einigung als Durchbruch bezeichnet – doch die erneuten Luftangriffe werfen nun Fragen auf, wie weit der Einfluss Washingtons auf Israel tatsächlich reicht.
Israels Energieminister Eli Cohen, ein Mitglied des Sicherheitskabinetts von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dämpfte am Sonntag die Erwartungen. In einem Interview mit dem israelischen Armeesender sagte Cohen, Israel werde der Hamas zwar eine Möglichkeit zur Entwaffnung einräumen. Er zweifle jedoch stark daran, dass die islamistische Organisation diesen Schritt tatsächlich vollziehen werde. Seine Aussagen verdeutlichen das anhaltende Misstrauen zwischen den Konfliktparteien.
Cohen: »Hamas muss zerschlagen werden«
Der Minister stellte zugleich klar, dass es keine Vereinbarung über einen Stopp der Angriffe auf den Gazastreifen gebe. Sollte die Hamas ihre Waffen nicht niederlegen, müsse Israel die vollständige Kontrolle über das Küstengebiet übernehmen. Aktuell kontrolliere Israel nach seinen Worten bereits 70 Prozent des Gebiets. »In der Vereinbarung, die wir mit den USA unterzeichnet haben, ist unser Standpunkt, dass die Hamas zerschlagen werden muss«, fügte Cohen hinzu. Diese Formulierung macht deutlich, dass die israelische Regierung offenbar weiterhin auf eine militärische Lösung setzt, während die USA auf eine diplomatische Verhandlungslösung drängen.
Die Hamas vertritt eine gegenteilige Position. Sie fordert, dass Israel zunächst alle Angriffe einstellt und seine Truppen vollständig abzieht, bevor sie ihre Waffen an eine neue palästinensische Verwaltungsbehörde übergibt. Ein ranghoher Vertreter der Organisation warf Israel am Sonntag vor, durch die Intensivierung der Luftangriffe vollendete Tatsachen schaffen zu wollen. Das Vorgehen der israelischen Armee untergrabe das Vertrauen in den Friedensprozess und gefährde die ohnehin fragile Waffenruhe.
Damit bleiben die Positionen unverändert verhärtet. Israel beharrt auf einer vollständigen Entwaffnung der Hamas als Grundlage für jede weitere Übergabe von Kontrolle. Die Hamas wiederum macht einen kompletten israelischen Rückzug zur Bedingung für jede Aufgabe ihrer Waffen. Eine Einigung auf einen dauerhaften Frieden scheint damit in weite Ferne gerückt.
Bilanz seit Beginn des Waffenstillstands
Seit dem Abschluss des Waffenstillstands im Oktober sind nach Angaben der Gesundheitsbehörden im Gazastreifen mindestens 1230 Palästinenser durch israelische Angriffe getötet worden. Im selben Zeitraum verloren israelischen Zählungen zufolge vier Soldaten ihr Leben. Die Diskrepanz zwischen den Opferzahlen beider Seiten zeigt, wie ungleich die militärischen Kräfteverteilung und die humanitären Folgen in dem Konflikt sind.
Die jüngsten Bombardements haben die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung des Konflikts deutlich gedämpft. Humanitäre Helfer berichten von einer prekären Lage in den Krankenhäusern, die mit den täglich neuen Verwundeten an ihre Grenzen geraten. Für die Bevölkerung im Gazastreifen bedeutet jeder weitere Luftangriff nicht nur Todesgefahr, sondern auch eine Verschärfung der Versorgungskrise. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklung mit Sorge, während die politischen Verhandlungen unter der Führung der USA vorerst keine konkreten Fortschritte erkennen lassen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen Bemühungen der USA nachhaltig sind oder ob der Konflikt weiter eskaliert.



