Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für Berlin und Brandenburg eine Hitzewarnung herausgegeben: Am Donnerstag werden Temperaturen bis zu 38 Grad erwartet, abends drohen Unwetter mit Starkregen und orkanartigen Böen. Die Berliner reagieren mit altbewährten Methoden: Eis essen, Schatten suchen und viel trinken. Unsere Reporter haben den Tag begleitet.
Arbeiten bei Gluthitze: „Bis dann das Hirnwasser kocht“
Am Potsdamer Platz arbeiten René und Kevin in der prallen Mittagssonne. Sie verlegen Platten, Kevin sitzt in einem kleinen Bagger. „Warm“, sagt René lachend, aber „soweit jut“ ergänzt Kevin. Alle Stunde müssen sie eine Pause im Schatten einlegen. „Gerade hier wollen wir das präzise legen. Bringt ja dann auch nichts, wenn der Kopf Kreise zieht“, erklärt René. Sie haben um sieben Uhr morgens angefangen und werden bis etwa zwei Uhr weitermachen – „bis dann das Hirnwasser kocht“, sagt Kevin.
In der Alten Potsdamer Straße in Tiergarten machen zwei Dachdecker in kurzen Hosen und Sicherheitsschuhen Mittagspause. „Wir arbeiten halt auf dem Dach“, sagt der Jüngere und lacht. Sie müssen noch bis abends schaffen. „Kann man sich nicht aussuchen“, sagt er. Was gegen die Hitze hilft: „Wasser trinken und weiterarbeiten.“ Der Ältere mit Pferdeschwanz und Zigarette ergänzt: „Wir hatten auch früher heiße Sommer.“
Abkühlung im Kino und im Park
Vor dem Kino in der alten Potsdamer Straße stehen Ilke und ihre Nichte Annalena Schlange. „Abkühlen im Kino“, erklärt Ilke. Sie beschwert sich nicht über die Hitze: „Die gehört zum Sommer dazu. Wir meckern sonst immer, dass es zu kalt ist.“ Passend zum Wetter läuft ein Film über eine von Dürre geplagte Insel. Felix hat sich einen schattigen Platz im Freien gesucht – „quasi Home-Office draußen“. In seiner Dachgeschosswohnung werde es später unerträglich heiß. Nach der Arbeit will er mit seinem Kind an den Flughafensee.
John und Elisabeth aus Kanada machen Urlaub in Berlin. Sie warten mit ihrer Tochter ein paar Meter von der Bushaltestelle entfernt im Schatten. Sonnencreme haben sie nicht dabei, aber sie wollen nur in eine Mall oder ins Museum.
Familienfest und Street Food trotz Hitze
Der Sohn von Alexandra und Anton feiert seinen ersten Geburtstag. Früh morgens sind sie auf dem Spielplatz im Wedding. „Eigentlich wollten wir heute in den Streichelzoo“, sagt Anton. Aber ab zwölf Uhr bleiben sie zu Hause. „Wir werden einen kleinen Pool im schattigen Garten aufbauen und ganz viel Eis essen, aber raus trauen wir uns danach nicht mehr.“ Die Hitze sei besonders für Babys gefährlich. Die Freundinnen Lucia und Franca treffen sich im Café „Liebling“ in Prenzlauer Berg. Statt Kaffee gibt es kalte Getränke. Mit einem orangefarbenen Fächer wedeln sie sich Luft zu. „Ich gehe bald von meinem Studium aus nach Singapur, insofern stimmt mich das Wetter auf diese Zeit ein. Ich freue mich drauf!“, sagt Franca.
Mitra kommt aus Hamburg und steht mit ihrem Stand „Mitra’s Küche“ beim Straßenkunst-Festival in Berlin. Sie serviert indisches Essen – vier vegane Gerichte, Chicken Tikka Masala und Chicken Curry. Trotz der Hitze bleibt sie gelassen: „Mir macht die Hitze nichts aus, ich fühle mich sehr wohl.“ Für Gäste ohne Appetit gibt es Mango Lassi.
Touristen und Berufstätige: Strategien gegen die Sonne
Andrea, eine Touristin aus der Schweiz, genießt den Morgen auf dem Martha-Ndumbe-Platz in Wedding. Ihr Programm: Potsdamer Platz mit Legoland („dort ist es schön kühl“), Shopping, Checkpoint Charlie und vielleicht das Spy-Museum. Vor allem freut sie sich auf die klimatisierten Räume der Mall of Berlin. Asphaltbauer Stefan ist der Sonne gnadenlos ausgeliefert: Kappe, Sonnencreme und viel Trinken helfen nur begrenzt, aber der Job müsse weitergehen. Elektroniker Tom arbeitet seit 6 Uhr morgens in Pankow. Er hat keine große Angst vor der Hitze: „Man wird halt braun.“ Mit der Zeit hat er Strategien entwickelt, um sich die Arbeit erträglicher zu machen.



