Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt: Offen trotz Antisemitismus
Jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt: Offen trotz Antisemitismus

Rimma Fil öffnet einladend die große Holztür der Synagoge in Magdeburg. „Kommen Sie nur herein“, sagt sie und lächelt. Die Polizisten vor dem Gebäude sind stets in Ruf- und Reichweite, doch offene Türen gehören für die Geschäftsführerin des Landesverbands Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt zum Selbstverständnis. Synagogen seien nicht nur Gebetsorte, sondern auch Orte der Begegnung und des Lernens.

Vor gut zweieinhalb Jahren wurde die Synagoge in der Landeshauptstadt eröffnet. Seitdem hätten etwa 5.000 Menschen sie besucht, darunter viele Schulklassen. Regelmäßig fänden Konzerte und Kulturveranstaltungen statt. „Das gehört auch zu jüdischem Leben. Trotz der Schutzmaßnahmen sind wir offen“, sagt Fil.

In Sachsen-Anhalt gibt es in Magdeburg, Dessau-Roßlau und Halle drei traditionelle Gemeinden mit rund 1.200 Mitgliedern. Viele Jüdinnen und Juden seien gut integriert, besäßen oft die deutsche Staatsbürgerschaft, und Deutsch sei für ihre Kinder die Muttersprache. Dennoch sei Antisemitismus allgegenwärtig. „Wir erleben eine Welle von Antisemitismus – im Internet und in Schulen. Viele Juden haben Angst, als solche erkannt zu werden“, so Fil.

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Die Polizei registrierte von 2020 bis 2024 insgesamt 588 politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem Hintergrund. Die Fallzahlen stiegen zunächst von 87 (2020) auf 144 (2022) und sanken dann auf 116 (2024). Das Landeskriminalamt erklärt, dass eine gestiegene Anzeigebereitschaft durch intensiveren Austausch mit Beratungsstellen das Hellfeld vergrößert haben könnte.

Die Landesregierung hat die Förderung jüdischen Lebens ausgebaut. „Jüdisches Leben gehört seit über tausend Jahren zu unserer Region und zur Identität unseres Landes“, so die Staatskanzlei. Der Schutz aller jüdischen Einrichtungen werde ununterbrochen gewährleistet. Die Gefahrenlage habe sich seit dem Hamas-Überfall auf Israel im Oktober 2023 noch einmal erhöht.

Für die jüdische Gemeinschaft ist der Dialog wichtig. „Es gibt viele Vorurteile und Fragen, deshalb müssen wir mit den Menschen reden“, sagt Fil. Man wolle nicht „besonders“ sein, sondern wünsche sich Frieden und Respekt. Mitte Mai soll die Magdeburger Synagoge ihre Türen zur Einweihung einer alten Thora-Rolle weit öffnen.

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