Münchens scheidender Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat sich in einem offenen Brief von den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt verabschiedet. „Es war mir eine große Ehre, zwölf Jahre lang Ihr Oberbürgermeister zu sein“, schrieb der 67-Jährige. Er dankte den Münchnern für Zusammenhalt und Engagement und betonte: „München hat die Kraft, Herausforderungen zu meistern.“
Reiter, der am 22. März überraschend gegen seinen Herausforderer Dominik Krause (Grüne) verloren hatte, war nach der Wahl wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung krankgeschrieben. Seinen Abschied wählte er bewusst schriftlich, ohne öffentlichen Auftritt. Seine Social-Media-Kanäle sind seit Wochen deaktiviert. Der Politologe Martin Gross von der LMU München bezeichnete den Brief als „charmant“ und „gelungen“.
In dem Schreiben wünschte Reiter seinem Nachfolger Krause und der künftigen Stadtregierung – voraussichtlich eine Ampelkoalition aus Grünen, SPD und FDP/Freien Wählern – eine „glückliche Hand“. Besonders das Thema bezahlbares Wohnen hob er hervor: „Mieten dürfen nicht darüber entscheiden, ob man in dieser Stadt bleiben kann oder nicht.“
Reiter wird an der letzten Sitzung des amtierenden Stadtrats am Mittwoch nicht teilnehmen, bei der auch seine umstrittene Tätigkeit für den FC Bayern thematisiert wird. Gross kritisierte dies als „peinlich und rückgratlos“. Reiter hatte zwölf Jahre lang München durch Krisen wie die Flüchtlingskrise, die Corona-Pandemie und Terroranschläge geführt, ohne größere Skandale.
Seine Amtszeit endet am 1. Mai. Am 11. Mai will er Krause persönlich die Amtskette überreichen. Reiter selbst wird sich bis dahin nicht mehr öffentlich zeigen.



