Baerbock attackiert Sexismus: „Stimme zu hoch oder High Heels“
Baerbock attackiert Sexismus in der Politik

Seit fast einem Jahr leitet Ex-Außenministerin Annalena Baerbock (45, Grüne) die UN-Generalversammlung in New York. Nun blickt sie in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf ihre Zeit als Ministerin zurück und beklagt die anhaltende sexistische Kritik an Frauen in der Politik. „Bei Frauen jedoch kommt, egal ob Sport oder Spitzenpolitik, je sichtbarer man wird, immer noch eine zusätzliche Angriffslinie dazu. Dann ist plötzlich die Stimme zu hoch oder die High Heels. Bei Social Media gerne noch mit dem Zusatz: ‚Nutte‘ oder ‚F*tze‘“, sagte Baerbock. Sie stellte klar: „Solche Kommentare gibt’s bei Robert Habeck oder Friedrich Merz einfach nicht.“

Unterscheidung zwischen Kritik und Schmähkritik

Baerbock, die in ihrer Jugend Leistungssport betrieb, betont die Bedeutung konstruktiver Kritik: „Konstruktive Kritik und erst recht Selbstreflexion ist für mich essenziell. Wer nichts wagt, kann auch nichts erreichen, mit Gegenwind muss man immer rechnen.“ Zugleich macht sie deutlich, dass Frauen zusätzlichen Anfeindungen ausgesetzt seien, die über sachliche Kritik hinausgingen. Die ehemalige Spitzenpolitikerin beruft sich auf ihre Erfahrungen im Leistungssport, wo ähnliche Muster zu beobachten seien.

Belastung für die Familie

Auf die Frage, ob sie nicht die „Schnauze voll“ von Politik habe, antwortet Baerbock offen: „Es gab Momente, wo ich dachte: Wie lange kann ich das vor allem meinen Kindern noch zumuten?“ In der „wirklich furchtbarsten Phase“ habe sie „zum Glück“ einen wertvollen Tipp von einer anderen Frau bekommen: „Das Ziel ist, Sie kaputtzuschießen. Bleiben Sie jetzt einfach stehen. Aber Sie schaffen das nur, wenn Sie für ein paar Tage gar nichts lesen und Ihre Handys abgeben.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Baerbock, die mit ihren beiden Töchtern im Teenager-Alter in New York lebt, sagt: „Eine Mutter im dauerhaften grellen medialen Scheinwerferlicht ist für Kinder alles andere als schön.“ Sie bezeichnet den Bruch der Ampel-Koalition als Wendepunkt: „Ich habe meinen absolut geliebten Job verloren, aber meine Töchter wiedergewonnen.“

Innere Freiheit durch Schmähkampagnen

Trotz der Anfeindungen habe sie eine Entwicklung durchgemacht: „Gerade wenn man sich bewusst macht, dass es das Ziel von solchen Schmähkampagnen ist – gerade auch anderen, vor allem jungen Frauen zu signalisieren: Wagt es gar nicht –, hat es bei mir zu immer mehr innerer Freiheit geführt.“ Sie zeigt sich entschlossen: „Wenn eh schon alles über einen geschrieben ist, dann mache ich es jetzt erst recht auf meine Art.“ Ihr Engagement setze sie „vor allem weiter für die Generation von jungen Frauen, die nach mir kommen wird“ fort.

Zukunft nach der UN

Im Herbst 2026, wenn ihre Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung endet, plant Baerbock ein „neues Lebenskapitel aufzuschlagen“. Ob sie in Berlin oder New York bleiben wird, ließ sie offen. Die frühere Außenministerin betont, dass sie trotz der Belastungen durch das Amt und die ständige mediale Aufmerksamkeit innerlich gestärkt aus der Zeit hervorgehe. Ihre Kritik an sexistischen Angriffen richtet sie nicht nur gegen die Politik, sondern sieht darin ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration