Polizei Berlin startet KI-Videoüberwachung am Kottbusser Tor
Polizei Berlin startet KI-Videoüberwachung am Kottbusser Tor

Pilotprojekt am Kottbusser Tor: KI soll Kriminelle erkennen, bevor etwas passiert

Die Berliner Polizei erprobt erstmals ein videogestütztes System, das mithilfe Künstlicher Intelligenz auffällige Verhaltensmuster im öffentlichen Raum erkennen soll. Das Pilotprojekt beginnt noch im August 2026 am Kottbusser Tor – einem der bekanntesten Kriminalitätsschwerpunkte der Hauptstadt. Die Innenverwaltung bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der „Berliner Morgenpost“. Zunächst wird der Bereich um den U-Bahnhof Kottbusser Tor mit der neuen Technik ausgestattet, später soll sie auch an der Warschauer Straße installiert werden. Beide Standorte gelten offiziell als „kriminalitätsbelastete Orte“.

Das System basiert auf einer sogenannten Verhaltens- und Situationserkennung. Die KI analysiert die Live-Bilder der Überwachungskameras und soll ungewöhnliche Bewegungsabläufe automatisch markieren. So kann etwa das Zuschlagen bei einer Schlägerei als abnormales Muster erkannt werden, bevor Einsatzkräfte überhaupt hingesehen haben. Ziel ist eine schnellere Lagebewertung und im Idealfall ein früheres Eingreifen der Polizei.

Datenschutz: Nur Strichmännchen statt Gesichtserkennung

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) betonte, dass es sich nicht um eine Ausweitung der Videoüberwachung oder gar biometrische Identifizierung handelt. „Das Gesicht wird nicht erkennbar sein. Es geht um die Bewegungsabläufe“, erläuterte sie. „Wenn jemand zusammengeschlagen wird, sind das ja keine normalen Bewegungsabläufe. Und die KI kann das identifizieren.“ Auf den Bildschirmen der Einsatzkräfte sind demnach ausschließlich als Strichmännchen dargestellte Personen zu sehen. Die KI weise lediglich darauf hin, dass etwas ungewöhnlich sein könnte. „Was dann zu tun ist, entscheidet aber ein Mensch“, so Spranger.

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Diese Darstellung als Strichmännchen soll sicherstellen, dass die Persönlichkeitsrechte der Passanten gewahrt bleiben. Die Polizei betont, dass keine Gesichter gespeichert oder mit Datenbanken abgeglichen werden. Die Software erkennt Bewegungsmuster in Echtzeit und verwirft die Daten nach kurzer Zeit, sofern kein Vorfall gemeldet wird.

Ausweitung geplant: Warschauer Straße und weitere Brennpunkte

Nach dem Start am Kottbusser Tor soll das System in einem zweiten Schritt an der Warschauer Straße in Friedrichshain in Betrieb genommen werden. Auch dieser Bereich ist als Kriminalitätsschwerpunkt bekannt, insbesondere wegen Drogenhandels und Taschendiebstählen. Verläuft die Pilotphase erfolgreich, will die Innenverwaltung den KI-Einsatz schrittweise auf weitere stark belastete Orte in der Stadt ausdehnen. Eine konkrete Liste weiterer Standorte gibt es bislang nicht.

Parallel dazu wird das KI-System auch für den Objektschutz vorbereitet. Geplant ist der Einsatz am Roten Rathaus und am Dienstsitz der Innenverwaltung in der Klosterstraße. Hier soll eine Ausschreibung bis Ende September klären, welcher Anbieter den Zuschlag erhält. Der Testlauf ist für Dezember 2026 vorgesehen und soll etwa ein Jahr dauern.

Kosten: 5,6 Millionen Euro bis 2030

Die finanziellen Aufwendungen für das Projekt sind beträchtlich. Für die KI-Videotechnik an kriminalitätsbelasteten Orten sind für die Jahre 2026 bis einschließlich 2030 schätzungsweise 2,47 Millionen Euro Investitionskosten und 2,13 Millionen Euro an Betriebskosten veranschlagt. Für den Objektschutz werden für 2026/2027 rund 1,76 Millionen Euro Investitionskosten und 355.000 Euro Betriebskosten erwartet. Insgesamt investiert das Land Berlin damit rund 5,6 Millionen Euro in die neue Technologie.

Rechtsgrundlage: Geändertes ASOG und Streit um den Abgeordnetenhaus-Schutz

Rechtliche Basis für den KI-Einsatz ist das im Dezember 2025 geänderte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG). Es ermöglicht der Polizei unter engen Voraussetzungen den Einsatz intelligenter Videoanalyse zu Gefahrenabwehr. Bereits im März war das Vorhaben im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert worden. Damals stand auch im Raum, das Parlamentsgebäude selbst mittels KI zu schützen. Nach massiven Protesten von Abgeordneten aus mehreren Fraktionen wurde diese Idee jedoch wieder verworfen. „Unser Parlament darf nicht unter Generalverdacht gestellt werden“, hieß es damals aus Reihen der Opposition.

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Die Berliner Polizei hofft, mit der neuen Technik vor allem die Zahl der Gewalttaten im öffentlichen Raum zu senken. Ob das System den Erwartungen gerecht wird, soll die einjährige Testphase zeigen.