In Berlin hat am Montag der Prozess gegen drei Brüder begonnen, die einen 44-jährigen Mann in Weißensee erschossen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft legt den beiden älteren Brüdern im Alter von 25 und 32 Jahren gemeinschaftlichen Mord zur Last. Sie sollen den Mann mit Pistolen attackiert und mit 14 bis 18 Kugeln getroffen haben. Als Motiv nennt die Anklage Blutrache: Das Opfer soll ein halbes Jahr zuvor den Cousin der Brüder erstochen haben. Der dritte Bruder soll später gemeinsam mit dem 32-Jährigen den Fluchtwagen in Brand gesetzt haben.
Wahlkampf in Berlin: Plakate hängen viel zu früh
Schon am Samstagabend waren Wahlkämpfer in Neukölln und anderen Bezirken unterwegs, um die besten Plätze für ihre Plakate zu sichern. Dabei hatte der Landeswahlleiter Stephan Bröchler ausdrücklich betont, dass Plakate erst ab Sonntag, 12 Uhr, aufgehängt werden dürfen. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, gab es in Neukölln offenbar geheime Absprachen, um früher zu starten. Doch selbst daran hielten sich viele Parteimitglieder nicht – auch im Wahlkreis einer Senatorin wurde viel zu früh plakatiert. In der Steglitzer Klingsorstraße hingen die Plakate der Linken bereits um 8 Uhr, vier Stunden vor dem offiziellen Beginn.
Die Spitzenkandidaten wollten von den illegalen Klebe-Aktionen am Sonntagmittag nichts wissen. Morgenpost-Redakteur Hans Cord Hartmann musste weite Wege auf sich nehmen, um den Grünen-Politiker Werner Graf zu treffen, der selbst bei der Handarbeit eines Wahlkämpfers half. Statt Plakaten zählt jedoch die inhaltliche Arbeit: Es braucht Konzepte, wie die teilweise maroden Universitäten in Berlin gerettet werden können.
Uni-Krise: „Exzellenz in Ruinen“
Chefreporter Joachim Fahrun hat im Rahmen der großen Wahlserie der Berliner Morgenpost die Lage an den Hochschulen analysiert. Sein Fazit fällt vernichtend aus: „Exzellenz in Ruinen“. Die Universitäten in der Hauptstadt leiden unter jahrelanger Unterfinanzierung, Sanierungsstau und überfüllten Hörsälen. Fahrun zufolge fehlt es nicht nur an Geld, sondern auch an strategischen Perspektiven, um den Wissenschaftsstandort Berlin zukunftsfähig zu machen.
Ein weiteres zentrales Wahlkampfthema ist die Wohnungsnot. Die amtierende Koalition aus CDU und SPD plant einen sogenannten Mietenkataster, um alle Wohnungen zu erfassen und Wuchermieten zu bekämpfen. Doch das Vorhaben dürfte nach Einschätzung von Hans Cord Hartmann Jahre dauern, bis es tatsächlich greift. Kritiker befürchten, dass viele Mieter bis dahin weiter auf sich allein gestellt bleiben.
E-Scooter-Unfälle und KI-Überwachung
Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern ist einer aktuellen Auswertung zufolge erschreckend hoch. Dennis Meischen berichtet von „Zuständen wie im Wilden Westen“ – insbesondere nachts und in der Innenstadt. Er fordert strengere Regeln und mehr Kontrollen.
Parallel dazu will Berlin Künstliche Intelligenz für die Überwachung an markanten Plätzen einsetzen. Das Projekt soll nun anlaufen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) verspricht: „Die Gesichter der Menschen werden nicht erkennbar sein. Es geht um die Bewegungsabläufe.“ Die Maßnahme soll helfen, Gefahrenlagen früh zu erkennen, ohne die Persönlichkeitsrechte zu verletzen.
Weitere Berliner Themen
Abseits der Politik bietet die Hauptstadt weitere Schlagzeilen: Die besondere Liebe der Berliner zu Flughäfen, Gebäuden und ihren Redensarten ist ebenso ein Thema wie der erste Pride nach dem Anschlag. In Hamburg sind bei der CSD-Feier viele Tränen geflossen – Augenzeugen beschreiben den Moment als bewegend. Ein Berliner Onlineshop setzt auf TikTok statt Teleshopping und gewinnt damit 42.000 Kunden. Und in der Altstadt von Südost-Berlin begeistert ein neuer Pilates-Trend: Es mache „viel mehr Fun“, wie eine Teilnehmerin sagt.
Die Karikatur des Tages stammt von Mirco Tomicek und kommentiert die Ereignisse pointiert.



