Die Spionage-Affäre des FC Southampton hat weitreichende Folgen für den deutschen Trainer Tonda Eckert. Im Interview mit dem Fachmagazin „kicker“ spricht der 33-Jährige erstmals offen über die Bedrohungen, die er seither erlebt hat. Eckert, der seit 2025 beim englischen Zweitligisten als Manager arbeitet, berichtet von einer Eskalation, die ihn bis heute begleitet.
Der Auslöser war ein Regelverstoß der besonderen Art: Ein Mitarbeiter des Klubs hatte den Gegner Middlesbrough ausspioniert. Der FC Southampton gewann die Partie zwar mit 2:1, doch der Sieg wurde aberkannt. Statt um den Aufstieg in die Premier League zu kämpfen, wurden die „Saints“ aus den Aufstiegs-Play-offs verbannt. Zusätzlich verhängte die Liga vier Punkte Abzug für die kommende Saison – ein schwerer Schlag für den Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg gemacht hatte.
Eckert zögert nicht, die Verantwortung zu übernehmen. „Ich habe es autorisiert, deshalb liegt die Gesamtverantwortung bei mir“, sagt er im „kicker“-Interview. Er betont, dass er die Regel nicht kannte: „Gerade in England sind in der Rolle des Managers viele Aufgaben gebündelt. Die Entscheidung war falsch und hatte riesige Folgen für Spieler, Fans und den Verein.“ Diese Einsicht kommt spät, aber sie kommt eindeutig.
Schlaflose Nächte und Polizeischutz
Die sportlichen Folgen waren für Eckert allerdings nur die eine Seite. In dem Gespräch gewährt er einen seltenen Einblick in die seelische Belastung. Auf die Frage, ob es schlaflose Nächte gegeben habe, antwortet er: „Es gab sie. Vor allem gab es ein permanentes Gedankenkarussell.“ Diese Belastung wurde durch eine Welle von Morddrohungen noch verstärkt. „Das konnte nicht mehr ohne Polizei ablaufen. Ich möchte nicht auf Details eingehen, nur so viel: Mir wurde empfohlen, nicht mehr selbst zu fahren, sondern hinten im Auto zu sitzen. Das war sehr schwierig.“ Der 33-Jährige musste seine Gewohnheiten komplett umstellen, um sich zu schützen.
Doch damit nicht genug: Auch in den sozialen Medien erlebte Eckert eine beispiellose Hasswelle. „Darauf wird man nicht vorbereitet. Ich bin kaum in sozialen Netzwerken aktiv, was in dieser Situation hilfreich war. Trotzdem fanden Menschen Wege, mir Drohungen zukommen zu lassen.“ Die Täter fanden offenbar Wege, ihn auch außerhalb der Plattformen zu erreichen, was die Situation zusätzlich verschärfte.
Spieler drohen mit Sammelklage
Die Unruhe nach der Entscheidung erfasste auch die Mannschaft. Einige Spieler waren so verärgert über den hergeschenkten Aufstieg in die Premier League, dass sie mit einer Sammelklage drohten. Sie fühlten sich um die Früchte ihrer Arbeit betrogen. Eckert zeigt Verständnis für die Reaktion seiner Spieler: „Die Konsequenzen hätten für den Verein und die Mannschaft kaum härter sein können.“ Immerhin hatte Southampton sportlich alles in eigener Hand gehabt und war nur wegen des Spionage-Vergehens ausgeschlossen worden.
Für Eckert stand zwischenzeitlich sogar die Zukunft als Trainer infrage. Dass er weiter auf der Bank sitzen darf, ist keineswegs selbstverständlich. Der Klub hielt jedoch zu ihm. Diesen Rückhalt schätzt er umso mehr: „Dieses Bekenntnis kam von der Klubführung, den Mitarbeitern und den Spielern, was mir enorm viel bedeutet hat. Danach war für mich klar, dass ich dieses Vertrauen zurückgeben möchte.“ Er sieht sich also in der Pflicht, den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen.
Ein Karriereweg durch die Nachwuchsabteilungen
Der gebürtige Deutsche blickt auf eine bewegte Laufbahn zurück. Vor seiner Zeit beim FC Southampton war er in den Nachwuchsabteilungen des 1. FC Köln, von RB Salzburg, RB Leipzig und des FC Bayern aktiv. Die aktuelle Krise dürfte ihn auch mit Blick auf die weitere Karriere prägen. Ob Southampton nach dem Punktabzug noch realistische Chancen auf den Aufstieg hat, bleibt abzuwarten. Der Verein wird sich neu sortieren müssen, sowohl sportlich als auch organisatorisch.



