Vor dem Arbeitsgericht Erfurt haben sich der Vorstand und der Betriebsrat des Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt auf einen Vergleich geeinigt. Der Rechtsstreit entzündete sich an der umstrittenen Besetzung einer Stelle im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) mit Co-Trainer Andy Nägelein. Der Betriebsrat hatte seine Zustimmung verweigert, weil er einen Auszubildenden benachteiligt sah.
Betriebsratsvorsitzende äußert Sorgen um Lizenzierung
Die Vorsitzende des Betriebsrats, Anja Zellner, durfte ihre vorbereitete Erklärung vor Gericht zwar nicht verlesen, sagte aber mit zittriger Stimme: „Wir hatten Angst um die Lizenzierung.“ Sie zeigte sich besorgt um die Zukunft des NLZ, das für die Spielberechtigung des Vereins von zentraler Bedeutung ist.
Der Vorstand, vertreten durch Kai Eddi Fischer und Danny Weigel, hatte vor der Arbeitsrichterin Nadine Sueßmeier eine sogenannte Zustimmungsersetzung beantragt. Hintergrund war die Vakanz im NLZ: Der frühere Leiter Steffen Knäbe hatte selbst gekündigt, woraufhin der Verein auf Vorgabe des DFB die Stelle kurzfristig neu besetzen musste.
Vorstand wirbt um Verständnis für Personalentscheidung
Zum 1. April 2026 verpflichtete der Verein Andy Nägelein, der bereits als Co-Trainer der Profimannschaft tätig war. Er sollte zusätzlich als Übergangskoordinator im Stammverein arbeiten. Der Betriebsrat verweigerte jedoch seine Zustimmung mit der Begründung, dass der damalige Auszubildende Paul Zwinkmann bei der Stellenbesetzung benachteiligt worden sei. Vorstand Danny Weigel widersprach: „Herr Zwinkmann verfügte nicht über die erforderliche Lizenz und ist inzwischen auch nicht mehr für den Verein tätig.“
Der Konflikt eskalierte vor dem Arbeitsgericht, wo beide Seiten schließlich einen Vergleich erzielten. Der Betriebsrat erhält nun die seit Monaten geforderte Mitarbeiterliste und erteilt im Gegenzug nachträglich seine Zustimmung zur Personalentscheidung. Zudem wird es künftig monatliche Gespräche zwischen Vorstand und Betriebsrat geben.
Nägelein soll Talente an Profis heranführen
Kai Eddi Fischer betonte, dass es zulässig sei, dass Nägelein beide Aufgaben übernehme. „Das macht der FC Carl Zeiss Jena genauso. Natürlich können das keine zwei Vollzeitstellen sein“, erklärte er. Nägelein wird künftig 40 Stunden pro Woche arbeiten. Zu seinen Aufgaben gehört es, Talente aus der U17 und U19 an den Profibereich heranzuführen.
Streitpunkt war auch die Weitergabe einer vollständigen Mitarbeiterliste. Der Betriebsrat kritisierte, nie eine solche Übersicht erhalten zu haben. Der Vorstand wies dies zurück. Über die aktuelle Zahl der Beschäftigten herrschte Uneinigkeit. Weigel stellte klar: „Zum 1. Mai 2026 waren bei Rot-Weiß Erfurt 63 Mitarbeiter beschäftigt. Wie viele es in der neuen Saison sein werden, hängt davon ab, welche personellen Strukturmaßnahmen noch umgesetzt werden.“
Verein will NLZ weiterentwickeln
Zum Abschluss des Verfahrens nahm Weigel dem Betriebsrat eine Sorge: Das Nachwuchsleistungszentrum stehe nicht zur Disposition. Im Gegenteil – der Verein wolle das NLZ nicht nur erhalten, sondern gezielt weiterentwickeln. Der Vergleich soll nun das angespannte Verhältnis zwischen Vorstand und Betriebsrat entschärfen.



