Händler am Hindenburgdamm fühlen sich vernachlässigt – Baustelle seit fünf Jahren
Händler am Hindenburgdamm fühlen sich vernachlässigt

Seit fünf Jahren gleicht der Hindenburgdamm in Berlin-Lichterfelde einer einzigen Baustelle. Neue Leitungen werden verlegt, Gehwege aufgerissen, Fahrbahnen gesperrt. Die Anrainer, insbesondere die Einzelhändler, fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Christian Schröder, Inhaber von Jacques' Wein-Depot, bringt die Stimmung auf den Punkt: „Wir kämpfen ums Überleben. Die Kunden bleiben aus, weil die Erreichbarkeit katastrophal ist.“

Fünf Jahre Bauzeit – ein unhaltbarer Zustand

Die Bauarbeiten am Hindenburgdamm begannen im Jahr 2021. Ursprünglich sollten sie nach drei Jahren abgeschlossen sein. Doch Verzögerungen bei der Leitungsverlegung und unerwartete Probleme im Untergrund haben die Bauzeit auf nunmehr fünf Jahre verlängert. Laut Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf sind die Arbeiten an der Hauptverkehrsader notwendig, um die veraltete Infrastruktur zu erneuern. „Wir verstehen den Frust der Händler, aber die Modernisierung ist unumgänglich“, erklärte eine Sprecherin des Bezirksamts.

Umsatzrückgänge und Existenzängste

Die wirtschaftlichen Folgen für die Geschäfte sind massiv. Viele Händler berichten von Umsatzrückgängen zwischen 30 und 50 Prozent. Schröder beziffert seinen Verlust auf etwa 40 Prozent. „Wenn das so weitergeht, müssen wir schließen“, warnt er. Auch die Central-Apotheke, vor deren Tür derzeit gebaut wird, leidet unter den Beeinträchtigungen. Inhaber Dr. Markus Weber sagt: „Die Kunden laufen weg, weil sie keinen Parkplatz finden und die Gehwege kaum passierbar sind.“

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Provisorische Maßnahmen unzureichend

Das Bezirksamt hat versucht, mit provisorischen Maßnahmen gegenzusteuern. So wurden temporäre Gehwege angelegt und Schilder aufgestellt, die auf geöffnete Geschäfte hinweisen. Doch die Händler kritisieren, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen. „Die Baustelle ist ein Labyrinth. Niemand findet den Weg zu uns“, beschwert sich Schröder. Zudem sei die Kommunikation mit den Behörden schlecht. „Wir erfahren oft erst kurzfristig, wann wo gebaut wird.“

Forderungen der Händler: mehr Unterstützung und Transparenz

Die betroffenen Geschäftsleute fordern vom Bezirksamt konkrete Hilfen. Dazu gehören finanzielle Entschädigungen für die Umsatzausfälle sowie eine bessere Koordination der Bauarbeiten. „Wir brauchen einen festen Ansprechpartner und regelmäßige Updates“, sagt Schröder. Zudem wünschen sie sich eine Verkürzung der Bauzeit. „Es kann nicht sein, dass wir fünf Jahre lang leiden müssen.“ Das Bezirksamt hat angekündigt, die Bauarbeiten zu beschleunigen. Ein konkretes Enddatum gibt es jedoch nicht.

Auswirkungen auf das gesamte Viertel

Der Niedergang des Hindenburgdamms hat auch Auswirkungen auf das umliegende Viertel. Kunden meiden die gesamte Gegend, was zu einer Verödung der Einkaufsstraße führt. „Früher war hier Leben, jetzt ist es eine Geisterstadt“, beschreibt ein Anwohner die Situation. Die Händler befürchten, dass selbst nach Abschluss der Bauarbeiten viele Kunden nicht zurückkehren werden. „Der Ruf der Straße ist ruiniert“, so Schröder.

Die Baustelle am Hindenburgdamm ist ein Paradebeispiel dafür, wie langwierige Bauprojekte den Einzelhandel in den Ruin treiben können. Die Händler fühlen sich vernachlässigt und fordern endlich Taten von den Verantwortlichen. Ob ihre Forderungen erhört werden, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Schaden ist bereits enorm.

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