Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Augsburg-Haunstetten liegt vorerst auf Eis. Bei den Aushubarbeiten für die Baugrube sind unerwartet Lehmlinsen im Boden entdeckt worden. Diese wasserempfindlichen Tonvorkommen können zu ungleichmäßigen Setzungen führen und die Standsicherheit des Gebäudes gefährden. Die Bauarbeiten ruhen, bis ein geologisches Gutachten vorliegt.
Lehmlinsen sind unregelmäßig geformte Einschlüsse aus Ton in sandigen oder kiesigen Böden. Sie können Wasser aufnehmen, dabei aufquellen und beim Trocknen schrumpfen. Unter einem Bauwerk verursachen solche Vorgänge Bewegungen im Untergrund, die Risse in Fundamenten und Wänden nach sich ziehen können. Fachleute beurteilen solche Funde als kritisch, vor allem wenn das Gebäude schwer ist – wie ein Feuerwehrgerätehaus mit großen Einsatzfahrzeugen.
Erst Baugrund untersuchen, dann weiterbauen
Bevor die Bauarbeiten fortgesetzt werden können, muss die genaue Ausdehnung der Lehmlinsen ermittelt werden. Dazu sind zusätzliche Bohrungen im Bereich der Baugrube vorgesehen. Die entnommenen Bodenproben werden in einem geotechnischen Labor analysiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie tragfähig der Untergrund ist und welche Gründungsmethode die sicherste Lösung bietet.
Als mögliche Maßnahmen gelten eine Tiefgründung mit Pfählen, die die Last des Gebäudes in tiefere, tragfähige Bodenschichten abtragen. Alternativ könnte ein Bodenaustausch erfolgen, bei dem das Tonmaterial ausgehoben und durch verdichteten Kies ersetzt wird. Beide Verfahren sind aufwendig und erfordern eine sorgfältige Planung. Solange die Untersuchungen laufen, bleiben die Maschinen auf der Baustelle in Haunstetten abgestellt.
Feuerwehr muss sich weiter in altem Quartier behelfen
Die Verzögerung trifft die Freiwillige Feuerwehr Haunstetten zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das bestehende Gerätehaus stammt aus den 1960er-Jahren und gilt als überholt für die heutigen Anforderungen. Eine moderne Wache benötigt mehr Platz für Fahrzeuge, Ausrüstung und die Einsatzmannschaft. Auch Hygienevorschriften und Umkleidebereiche lassen sich in dem alten Gebäude nicht zeitgemäß umsetzen. Die Einsatzkräfte müssen daher weiterhin mit dem beengten Platz auskommen.
Für die Bevölkerung in Haunstetten ändert sich indes nichts an der Einsatzbereitschaft. Die Feuerwehr gewährleistet ihren Betrieb auch während der Bauphase. Die Verzögerung beim Neubau hat keine Auswirkungen auf die Sicherheit im Stadtteil, betonen die Verantwortlichen.
Kosten und Zeitplan stehen auf dem Spiel
Die Baukosten für das Feuerwehrgerätehaus sind ein erheblicher Posten im städtischen Haushalt. Eine Verteuerung durch die aufwendige Baugrundbehandlung ist nicht ausgeschlossen. Die Stadt hofft, dass die zusätzlichen Ausgaben im Rahmen bleiben. Wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden können, ist offen. Die Prüfung des Untergrunds und die anschließende Anpassung der Bauplanung können sich über mehrere Wochen hinziehen.
Der Zeitplan für den Neubau war bereits ehrgeizig. Ursprünglich sollte das neue Gebäude im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Dieses Ziel ist nun gefährdet. Die Stadt will nach Abschluss der Untersuchungen eine neue Prognose abgeben.
Lehmlinsen sind in der Region kein Einzelfall
Der Augsburger Untergrund ist geprägt von eiszeitlichen Ablagerungen. Im Bereich der alten Flussläufe finden sich häufig Tonlinsen. Sie entstanden, als sich feines Sediment in stillen Wasserzonen absetzte. Im Lauf der Jahrtausende wurden diese Schichten von Sand und Kies überdeckt. Bei Bauprojekten tauchen solche Linsen immer wieder auf. Die meisten Probleme lassen sich durch eine gezielte Gründung lösen, doch die Planung wird dadurch komplexer.
Die Entscheidung über die weitere Vorgehensweise hängt von den Ergebnissen der Bodenuntersuchung ab. Sollten die Lehmlinsen größer sein als zunächst angenommen, könnte sogar eine vollständige Neudimensionierung der Baugrube erforderlich werden. Die Stadt steht in engem Austausch mit den Planern und dem zuständigen Ingenieurbüro. Für die Baustelle gilt derweil: Die Sicherheit hat oberste Priorität.
Für Haunstetten bleibt zu hoffen, dass die Gutachter schnell zu einer belastbaren Einschätzung kommen. Die Einsatzkräfte und die Bürger des Stadtteils warten gleichermaßen gespannt auf die nächste Entwicklung.



