3,5 Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht schwimmen
3,5 Mio. Erwachsene können nicht schwimmen

Mehr als drei Millionen Erwachsene in Deutschland können nicht richtig schwimmen. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind es rund 3,5 Millionen Menschen – etwa fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Für viele Betroffene ist das ein Tabu: Sie verbergen ihre Unsicherheit im Wasser, erleben am Badesee oder im Urlaub Angstzustände und Scham. Dabei ist Schwimmen erlernbar – das zeigen Initiativen und Kurse, die speziell auf erwachsene Nichtschwimmer zugeschnitten sind.

Die DLRG-Statistik: Ein seit Langem bekanntes Problem

Die DLRG weist seit Jahren darauf hin, dass die Zahl der Nichtschwimmer in Deutschland konstant bleibt. Trotz des dichten Netzes an öffentlichen Bädern haben viele Menschen nie gelernt, sich sicher im Wasser zu bewegen. Insbesondere in sozial benachteiligten Familien und auf dem Land, wo der Weg zum nächsten Hallenbad weit ist, bleibt der Schwimmunterricht oft auf der Strecke. Die Corona-Pandemie hat das Problem zusätzlich verschärft: Monatelang fielen Schwimmkurse und Schulsport aus, viele Kinder und Erwachsene verloren den Bezug zum Wasser.

Die DLRG fordert daher, Schwimmen als Pflichtfach in der Grundschule zu verankern. Auch für Erwachsene müsse es mehr bezahlbare Kursangebote geben, so der Verband. Schwimmen sei nicht nur Freizeitvergnügen, sondern eine lebensrettende Fähigkeit.

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Warum Erwachsene das Schwimmen nicht gelernt haben

Die Gründe für das Nichtschwimmen sind vielfältig. Viele Erwachsene berichten, dass ihre Eltern selbst nicht schwimmen konnten und ihnen daher keine Kurse ermöglichten. Andere haben traumatische Erlebnisse im Wasser, etwa ein Beinahe-Ertrinken, das sie nachhaltig geprägt hat. Eine 34-jährige Frau aus Bayern erzählt, dass sie als Kind ohne Schwimmflügel ins tiefe Wasser geriet und unterging. Seitdem hat sie panische Angst vor Wasser, obwohl sie sich als Erwachsene mehrmals an Schwimmkurse herangetastet hat – bisher ohne Erfolg.

Ein 45-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen berichtet, dass in seiner Kindheit Schwimmen nie ein Thema war. Als seine Tochter mit dem Seepferdchen-Anfänger begann, wurde ihm bewusst, dass er selbst nicht mitschwimmen kann. Nun plant er, gemeinsam mit seiner Tochter einen Anfängerkurs zu belegen, um seine Angst zu überwinden.

Auch Menschen mit Migrationsgeschichte sind überproportional häufig betroffen. Ein 26-jähriger Mann aus Syrien erklärt, er habe in seiner Heimat keine Möglichkeit gehabt, Schwimmen zu lernen. In Deutschland besuchte er schließlich einen Erwachsenenkurs und traf dort viele, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Solche Kurse bieten oft eine geschützte Atmosphäre, in der Ängste genommen und Erfolge gefeiert werden.

Hürden auf dem Weg zum Schwimmen

Die größte Hürde für erwachsene Nichtschwimmer ist die Überwindung der Scham. Viele haben Angst, sich vor anderen zu blamieren, und meiden deshalb öffentliche Bäder. Zudem sind spezielle Erwachsenenschwimmkurse in vielen Städten Mangelware; sie werden oft von Kindern überrannt, und die Wartelisten sind lang. Auch die Kosten schrecken ab: Ein Kurs kostet je nach Region zwischen 100 und 200 Euro, hinzu kommen Eintrittsgelder. In ländlichen Gebieten ist zudem die Anreise oft ein Hindernis, da Busse und Bahnen an den Wochenenden schwach getaktet sind.

Wer nicht schwimmen kann, zieht sich häufig aus dem sozialen Leben zurück. Sommerfeste am See, Urlaubsreisen mit Wassersport oder Betriebsausflüge zu Thermalbädern werden zu Orten der Peinlichkeit. Das hat auch Folgen für die Sicherheit: Menschen, die unsicher schwimmen, überschätzen sich mitunter und geraten in gefährliche Situationen. Die DLRG warnt, dass insbesondere Erwachsene ohne Schwimmkenntnisse ein hohes Risiko eingehen, wenn sie trotzdem ins Wasser gehen.

Eltern geben die Unsicherheit oft weiter

Ein weiterer Aspekt ist die Weitergabe von Nichtschwimmen an die nächste Generation. Kinder, deren Eltern nicht schwimmen können, lernen seltener schwimmen – aus Mangel an Vorbildern und Unterstützung. So entsteht ein Kreislauf, den viele Kommunen mit familienbezogenen Programmen durchbrechen wollen. Einige Städte bieten inzwischen Kurse an, bei denen Eltern und Kinder gemeinsam im Wasser sind. Diese Projekte stoßen auf große Nachfrage.

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Initiativen und Angebote: Es ist nie zu spät

Um erwachsenen Nichtschwimmern den Einstieg zu erleichtern, gibt es inzwischen zahlreiche Angebote. Viele Schwimmbäder haben spezielle Anfängerkurse für Erwachsene im Programm, die mit Kleingruppen arbeiten und besonders auf Ängste eingehen. Auch die DLRG hat Konzepte entwickelt, die auf die Bedürfnisse erwachsener Teilnehmer zugeschnitten sind. Dabei steht nicht der perfekte Stil im Vordergrund, sondern das sichere Gefühl im Wasser.

Einige Betroffene berichten, dass der Schritt zur Anmeldung der schwierigste war. Doch einmal in den Kurs eingestiegen, überwinden viele ihre Angst viel schneller als gedacht. Neben offiziellen Kursen gibt es auch private Schwimmlehrer, die sich auf Erwachsene spezialisiert haben. Diese bieten oft flexible Termine an, was Berufstätigen entgegenkommt.

Die DLRG appelliert an alle Nichtschwimmer: Es gibt Hilfe, und es ist keine Schande, sie anzunehmen. Wer Schwimmen lernt, gewinnt nicht nur Sicherheit, sondern auch Lebensqualität. Die Geschichten jener, die sich überwunden haben, zeigen: Das Wasser wartet auf niemanden – aber es ist nie zu spät, hineinzuspringen.