Renate Zimmermann, eine 66-jährige Rentnerin aus Hellersdorf, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Sie möchte alle Straßen von Berlin zu Fuß erkunden. Jetzt hat sie einen ersten Meilenstein erreicht – den kompletten Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Begleitet wurde sie auf ihrer letzten Etappe durch die Zimmermannstraße von Andreas Koska, der ein Buch über diese Straße veröffentlicht hat.
Ein Projekt mit Durchhaltevermögen
Die Idee entstand aus ihrer Liebe zum Gehen und ihrer Neugier auf die Stadt. „Ich wollte Berlin wirklich kennenlernen, nicht nur die bekannten Ecken“, erklärt Zimmermann. Seit mehreren Jahren ist sie regelmäßig unterwegs, oft mehrere Kilometer pro Tag. Ihre Touren plant sie akribisch, nutzt Stadtpläne und notiert sich Besonderheiten am Wegesrand.
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist mit rund 103 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Bezirk Berlins. Dass sie diesen zuerst abgeschlossen hat, ist beachtlich. Insgesamt gibt es in Berlin etwa 10.000 benannte Straßen und Plätze. Zimmermann schätzt, dass sie bereits über 2.000 Straßen erfasst hat.
Die Faszination der Zimmermannstraße
Ein Highlight ihrer Tour war die Zimmermannstraße, die im Ortsteil Steglitz liegt. Andreas Koska, Autor des Buches „Die Zimmermannstraße – Geschichte und Geschichten“, begleitete sie und erzählte Anekdoten. „Die Straße hat eine reiche Historie, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht“, so Koska. Früher standen hier Villen, heute prägen Wohnhäuser und Geschäfte das Bild.
Die Begegnung mit Koska war ein Zufallsfund: Zimmermann entdeckte das Buch in einer Bibliothek und kontaktierte den Autor. „Es ist schön, wenn man beim Gehen auch etwas über die Vergangenheit lernt“, sagt sie.
Nächste Ziele und Motivation
Nach Steglitz-Zehlendorf plant Zimmermann, als Nächstes den Bezirk Spandau in Angriff zu nehmen. „Ich lasse mich treiben, aber ich bleibe dran“, sagt sie lachend. Ihr Ziel ist es, bis zu ihrem 70. Geburtstag alle Bezirke geschafft zu haben. Das wäre ein Pensum von etwa 1.500 Kilometern pro Jahr.
Sie motiviert auch andere: „Man muss nicht jung sein, um aktiv zu bleiben. Jeder Schritt zählt.“ Ihre Erfahrungen dokumentiert sie in einem Tagebuch, das sie später veröffentlichen möchte.
Eine Hommage an die Stadt
Das Projekt ist für Zimmermann auch eine Hommage an Berlin: „Jede Straße hat ihre eigene Geschichte, und ich möchte sie alle entdecken.“ Sie weist darauf hin, dass viele Straßen nach bedeutenden Persönlichkeiten benannt sind, wie die Zimmermannstraße nach dem Baumeister Carl Friedrich Zimmermann.
Auch wenn das Projekt zeitaufwendig ist, bereut sie keinen einzigen Schritt. „Berlin ist so vielfältig – das ist die schönste Art, die Stadt zu erleben.“



