Fünf Jahre Ahrtal-Flut: Eltern führen Patisserie für verstorbene Tochter
Ahrtal-Flut: Eltern erfüllen Traum der toten Tochter

Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal haben Inka und Ralph Orth einen besonderen Weg gefunden, mit ihrer Trauer umzugehen: Sie führen die Pâtisserie Johanna in der Hamburger Speicherstadt – den Lebenstraum ihrer Tochter, die in den Fluten starb.

Der Traum der Tochter

Johanna Orth hatte seit ihrer Jugend auf dieses Ziel hingearbeitet: eine eigene Patisserie mit handgefertigten Pralinen. Am 14. Juli 2021 riss die Flut die 22-Jährige in den Tod. Ihre Eltern waren im Urlaub, als Johanna sie gegen 0:30 Uhr panisch anrief. „Sie schrie, dass sie bis zu den Knien im Wasser steht und die Wohnungstür nicht mehr öffnen kann“, erinnert sich Vater Ralph Orth. Wenige Sekunden später brach das Gespräch ab. Drei Tage später wurde Johannas Leiche in der Tiefgarage des Hauses gefunden.

Die Patisserie als Vermächtnis

Statt sich in Trauer zu verlieren, erfüllten die Orths den Wunsch ihrer Tochter: Sie eröffneten die Pâtisserie Johanna. „Wir machen aus dem neuen Leben das Maximale und versuchen, Johanna mitzunehmen“, sagt Ralph Orth. Die Konditorei ist erfolgreich, Kunden kommen aus ganz Deutschland. Doch die Trauer bleibt. „Früher hat man in den blauen Himmel geguckt und sich für das Leben bedankt. Das ist heute sehr schwer“, sagt Mutter Inka Orth.

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Die Frage nach der Verantwortung

Die Orths haben den damaligen Landrat und den technischen Einsatzleiter wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen angezeigt – erfolglos. Die Staatsanwaltschaft Koblenz stellte das Verfahren ein, da nicht sicher festzustellen sei, ob frühere Warnungen die Todesfälle verhindert hätten. „Viele Menschen reagieren auf Räumungsaufforderungen zögernd“, so die Behörde. Eine Argumentation, die die Eltern nicht nachvollziehen können. „Den Opfern wird unterstellt, sie seien selbst schuld“, kritisiert Ralph Orth. Die Familie erwägt nun, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal

Im Juli 2021 ließ extremer Starkregen die Ahr und ihre Zuflüsse dramatisch anschwellen. Mindestens 136 Menschen starben, mehr als die Hälfte davon in Bad Neuenahr-Ahrweiler. 17.000 Menschen verloren ihr Hab und Gut. Eine SPIEGEL-Auswertung von über 5.000 Seiten Ermittlungsakten ergab, dass die Bevölkerung ab dem Abend nicht ausreichend gewarnt und evakuiert wurde. Der Katastrophenalarm der Stufe 5 wurde erst nach 23 Uhr veröffentlicht – für viele zu spät.

Die Orths kämpfen weiter – für Gerechtigkeit und um Johannas Traum am Leben zu erhalten. „Das Schlimmste ist, wenn über den geliebten Menschen nicht mehr gesprochen wird“, sagt Inka Orth. In der Patisserie lebt Johanna weiter.

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