Die Havel wird in diesem Sommer zur unappetitlichen Brühe: Erst am Stadtbad Babelsberg, dann am Waldbad Templin machen sich Blaualgen breit. Dazu gesellen sich Saugwürmer, die durch den Kot von Enten und Gänsen ins Wasser gelangen. In ihrer Kolumne fragt sich Steffi Pyanoe, wo das unbeschwerte Badevergnügen in Potsdam geblieben ist – und schlägt einen Pool im Lustgarten vor.
Dass die Wasserqualität der Havel leidet, ist keine neue Entwicklung. Doch in diesem Sommer schlägt die Belastung offenbar an gleich zwei beliebten Badestellen voll durch. Das Stadtbad Babelsberg, ein traditionsreiches Flussbad, und das Waldbad Templin sind betroffen. Blaualgen können bei Kontakt zu Hautreizungen führen, Saugwürmer lösen Juckreiz aus – alles andere als ein Grund zum Schwimmen.
Enten und Gänse als Ursache
Die Ursache ist für die Kolumnistin offensichtlich: Wassergeflügel wie Enten und Gänse nutzen die Havel als Toilette. Ihr Kot trägt Nährstoffe in das Wasser ein, die wiederum das Algenwachstum anheizen. Gerade bei hohen Temperaturen kann sich dieser Kreislauf schnell hochschaukeln. Die Tiere sind dabei nicht die Schuldigen, sondern Teil eines empfindlichen Ökosystems – dennoch bleibt das Ergebnis für Badegäste unbefriedigend.
Potsdam ist eine Stadt, die vom Wasser lebt. Die Havelseen, die Flüsse und Kanäle prägen das Stadtbild. Doch wenn die Temperaturen steigen, werden die für den Menschen nutzbaren Badestellen immer seltener. Was nützt die schönste Wasserlage, wenn man nicht hineinspringen kann? Steffi Pyanoe beschreibt eine Ironie: Gerade im Sommer, wenn alle ins Kühle wollen, sind die nahegelegenen Stellen gesperrt oder unappetitlich.
Mit dem Mamataxi zur Notlösung
Wer in Potsdam wohnt und nicht Hunderte Kilometer ans Meer fahren möchte, weicht auf andere Gewässer aus. Doch das erfordert Planung und Mobilität. Nicht alle haben ein Auto, und der öffentliche Nahverkehr zu den wenigen ungetrübten Badestellen ist nicht immer komfortabel. Die Kolumnistin spricht sarkastisch vom „Mamataxi“ – also dem Elterntaxi, das die Kinder zu einem Badeausflug kutschieren muss, weil in der Nähe nichts nutzbar ist.
Dieses Szenario ist in vielen Städten vertraut, doch in Potsdam wiegt es besonders schwer. Immerhin könnten die Menschen vor Ort zahlreiche Seen nutzen, wenn die Wasserqualität stimmen würde. Einige Strände außerhalb der Stadt sind zwar sauber, aber eben nicht schnell zu erreichen. Für Familien mit kleinen Kindern oder für ältere Menschen wird der einfache Spaziergang zum Freibad dadurch zur logistischen Herausforderung.
Und selbst wer ein Auto hat, steht vor der Frage, wohin die Reise gehen soll. Die Ausweichorte außerhalb Potsdams sind oft überfüllt, sobald die Sonne scheint. Wer also nicht in aller Frühe aufbricht, findet am Vormittag schon keine Parkplätze mehr. Das Badevergnügen wird damit nicht nur zu einer Frage der Entfernung, sondern auch des richtigen Zeitmanagements.
Ein Pool im Lustgarten als Alternative?
Vor diesem Hintergrund bringt Steffi Pyanoe eine provokative Frage auf: Wo bleibt der Pool im Lustgarten? Der Lustgarten, direkt am Potsdamer Stadtschloss gelegen, wäre aus Sicht der Autorin ein idealer Ort für ein temporäres Planschbecken oder sogar ein mobiles Schwimmbecken. Die Fläche ist zentral, gut angebunden und könnte an heißen Tagen tausenden Menschen Abkühlung bieten – ohne dass sie lange Fahrten auf sich nehmen müssten.
Der Lustgarten ist nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort, sondern auch ein mitten im Stadtzentrum gelegener Platz. Ein Pool dort wäre ein Statement: Stadtnatur und Erholung müssen sich nicht ausschließen. Kritiker mögen einwenden, dass ein Becken auf dem historischen Pflaster deplatziert wirkt. Doch temporäre Installationen lassen sich am Ende des Sommers wieder entfernen – die Erinnerung an erfrischende Stunden bliebe.
Natürlich ist ein Pool im Lustgarten keine dauerhafte Lösung für die Wasserqualität der Havel. Doch als Sommerangebot für die Stadtgesellschaft hätte er einen Charme, der über reine Funktionalität hinausgeht. Er wäre ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Stadt die Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner ernst nimmt und kreative Wege findet, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen. Der Sommer droht sonst im wahrsten Sinne in der Entengrütze zu versinken.
Mehr als nur eine Kolumne
Die Forderung von Steffi Pyanoe ist nicht als bloße Kritik zu verstehen, sondern als Anstoß für eine Debatte. Wie möchte Potsdam im Sommer 2025 und darüber hinaus seinen Bürgerinnen und Bürgern Erholung ermöglichen? Welche Orte können als Notfall-Badestellen dienen, wenn die Flüsse wieder einmal von Algen befallen sind? Eine Diskussion über solche Fragen könnte dazu beitragen, dass die Stadt nicht nur über Probleme klagt, sondern Lösungen entwickelt.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Wetterlage beruhigt und die Havel sich erholt. Doch der Appell der Kolumnistin bleibt: Es braucht Alternativen, damit das Sommervergnügen in Potsdam nicht im Sumpf von Algen und Saugwürmern untergeht. Der Lustgarten könnte ein Symbol für eine neue Form des städtischen Badens werden – und vielleicht ist das gar nicht so abwegig, wie es im ersten Moment klingt.



