Altersarmut in Berlin: 61.000 Senioren auf Grundsicherung angewiesen
Altersarmut in Berlin: 61.000 Senioren betroffen

Immer mehr ältere Menschen in Berlin sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag erhielten im vergangenen Jahr rund 61.000 Berlinerinnen und Berliner im Rentenalter Grundsicherung. Vor zehn Jahren waren es noch etwa 41.000 – das entspricht einem Anstieg von knapp 50 Prozent. Diese Zahlen liegen dem Tagesspiegel vor, zuerst berichtete der RBB.

Frauen besonders betroffen: Zwei Drittel der Leistungsempfänger sind weiblich

Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Rund zwei Drittel der Grundsicherungsempfänger in Berlin sind Frauen. Gründe dafür sind häufig niedrigere Löhne, Teilzeitarbeit und familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, die zu geringeren Rentenansprüchen führen. Die Linke im Bundestag fordert daher eine grundlegende Reform der Alterssicherung, um Altersarmut gezielt zu bekämpfen.

Die steigende Zahl ist bemerkenswert, da die Gesamtzahl der Rentnerinnen und Rentner in Berlin in den letzten zehn Jahren sogar gesunken ist. Das bedeutet, dass der Anteil derjenigen, die im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind, deutlich überproportional gewachsen ist. Dies deutet auf eine wachsende Kluft zwischen arm und reich im Alter hin.

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Ungleiche Verteilung in den Kiezen: Wo die Armut am größten ist

Die Altersarmut ist in Berlin jedoch nicht gleichmäßig verteilt. In einigen Stadtteilen ist das Problem besonders gravierend. So sind in Bezirken wie Neukölln, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg überdurchschnittlich viele ältere Menschen auf Grundsicherung angewiesen. In wohlhabenderen Gegenden wie Zehlendorf oder Steglitz-Zehlendorf ist der Anteil deutlich geringer.

Die Linke kritisiert, dass die Bundesregierung trotz der alarmierenden Zahlen keine ausreichenden Maßnahmen ergreife. „Die Altersarmut ist kein Randphänomen mehr, sondern betrifft immer mehr Menschen mitten in unserer Gesellschaft“, sagte die Sozialpolitikerin der Linksfraktion, Anne Helm. Sie fordert eine Erhöhung der Renten und eine bessere Absicherung von Frauen, die oft durch Care-Arbeit benachteiligt seien.

Langfristige Folgen: Vereinsamung und soziale Ausgrenzung

Die finanzielle Not hat auch soziale Folgen. Ältere Menschen, die von Grundsicherung leben müssen, können sich oft keine gesellschaftliche Teilhabe leisten – sei es der Besuch von kulturellen Veranstaltungen, das Treffen mit Freunden im Café oder sogar angemessene Kleidung. Dies kann bis zur Vereinsamung führen, warnen Sozialverbände.

Zudem ist die Grundsicherung bürokratisch aufwendig und stigmatisierend. Viele Betroffene schämen sich, Leistungen zu beantragen, und verzichten sogar darauf, obwohl sie Anspruch hätten. Die Dunkelziffer dürfte daher deutlich höher liegen als die offiziellen Zahlen.

Forderungen an die Politik: Reformen statt Symbolpolitik

Die Linksfraktion fordert eine umfassende Reform der Alterssicherung. Dazu gehören eine Anhebung des Rentenniveaus, die Einbeziehung von Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung und eine bessere Anerkennung von Erziehungs- und Pflegezeiten. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen sind“, so Helm weiter.

Die Bundesregierung verweist hingegen auf die Einführung der Grundrente, die seit 2021 schrittweise ausgezahlt wird. Diese soll insbesondere Geringverdiener mit mindestens 33 Beitragsjahren besserstellen. Ob die Grundrente jedoch ausreicht, um den Trend der Altersarmut zu stoppen, ist fraglich – die Zahlen aus Berlin zeigen zumindest bisher keine Trendwende.

Bis 2040 wird die Zahl der Menschen im Rentenalter in Deutschland weiter steigen, während das Rentenniveau sinkt. Ohne politische Gegenmaßnahmen wird die Altersarmut also weiter zunehmen – nicht nur in Berlin, sondern im gesamten Bundesgebiet.

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