Nach dem tödlichen Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin am vergangenen Samstag sind neue Details zur Überwachung des Täters Abdul Ballout bekannt geworden. Der 27-jährige Syrer hatte am Rande der Veranstaltung eine Frau getötet und 31 weitere Menschen zum Teil schwer verletzt. Das Bundeskriminalamt hatte Ballout als „Hochrisikoperson“ eingestuft. Nun stellen sich die zentralen Fragen: Wie wurde er überwacht, und hätte die Tat verhindert werden können?
Ballouts kriminelle Vergangenheit
In der Sitzung des Innenausschusses am Mittwoch gab der Vize-Chef des Landeskriminalamts (LKA), Stefan Redlich, Einblicke in die Überwachungsmaßnahmen. Demnach ist Ballout seit 2019 elfmal polizeilich in Erscheinung getreten – wegen Körperverletzung, Betrug, Beleidigung, gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung. Dem Verfassungsschutz war er seit November 2021 bekannt, wie Innensenatorin Iris Spranger (SPD) mitteilte.
Überwachung vor der Tat
Im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) habe man sich mit Ballout befasst, so Redlich. Allerdings sei er nicht intensiv diskutiert worden; es habe lediglich eine „kurze Befassung“ gegeben. Eine Woche vor der Hauptverhandlung am Amtsgericht Tiergarten, am 6. Mai, habe sich das LKA auf den Fall vorbereitet, dass Ballout aus der Haft entlassen wird. Eine „Haftentlassungs-BAO“ – eine Besondere Aufbauorganisation – sei vorbereitet worden, um mit Mobilen Einsatzkommandos den Tagesablauf der Person festzustellen. „Wir haben festgestellt, dass er relativ wenig unterwegs ist und einen ganz stinknormalen Tagesablauf hatte, ohne große Besonderheiten“, sagte Redlich. Bis zum Anschlag wurde er vereinzelt observiert.
Hintergrund aus der Jugend
Anhand interner Akten aus dem Umfeld der Jugendhilfe konnte die Berliner Morgenpost rekonstruieren, dass Ballout schon als Jugendlicher durch massiv aggressives Verhalten auffiel und wiederholt vom Unterricht suspendiert wurde. Die Eltern verweigerten demnach über Jahre hinweg die Zusammenarbeit. Aus Sicherheitskreisen erfuhr die Zeitung zudem, dass Ballouts Vater homosexuell sein soll und mutmaßlich in Berlin mit seinem Partner zusammenlebt. Offenbar wuchs Abdul in einem starken Spannungsfeld aus Religion und Kultur auf.
Politische Reaktionen
Nach dem Anschlag legte die Berliner CDU einen Zehn-Punkte-Plan vor. Dieser setzt auf „Verfassungspatriotismus“ und fordert eine Fußfessel als „Regelfall“ für Gefährder. Die CDU reagiert damit auf die öffentliche Empörung über die Tat und die Fragen nach Versäumnissen bei der Überwachung. Die Diskussion über die Sicherheitsmaßnahmen und die Prävention von Anschlägen wird in den kommenden Tagen voraussichtlich anhalten.



