Als Bademeister am 10-Meter-Turm: Eine Lektion in Demut
Bademeister am 10-Meter-Turm: Lektion in Demut

Es war im Sommer 1990, als Frank Thadeusz, heute Autor beim SPIEGEL, eine der prägendsten Erfahrungen seines Lebens machte. Damals arbeitete er als Schwimmmeister im größten Freibad Dortmunds, dem Volksparkbad. Seine Aufgabe: den 10-Meter-Sprungturm räumen. Doch was einfach klang, endete in einem kläglichen Scheitern – und einer wertvollen Erkenntnis.

Der Sommer 1990: Hitze und Herausforderung

Das Freibad im Volkspark war in jenem Sommer ein Ort der Lebensfreude. Hunderte Badegäste tummelten sich täglich im Becken, auf den Liegewiesen und natürlich an den Sprungtürmen. Der 10-Meter-Turm, die Königsklasse unter den Sprunganlagen, zog besonders die Mutigen an. Doch für die Bademeister bedeutete er auch Verantwortung: Sie mussten regelmäßig den Turm räumen, um die Sicherheit zu gewährleisten und die Wartung zu ermöglichen.

Thadeusz, damals jung und voller Tatendrang, sah sich dieser Aufgabe gegenüber. Er hatte sich beworben, um das Schwimmbad zu beaufsichtigen, und fühlte sich den Anforderungen gewachsen. Doch der 10-Meter-Turm stellte eine besondere Hürde dar. Nicht nur die Höhe, sondern auch die Erwartungshaltung der Badegäste setzte ihn unter Druck.

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Das Versagen am Turm: Eine Demontage

Als Thadeusz den Befehl erhielt, den Turm zu räumen, stieg er die Leitern hinauf. Oben angekommen, blickte er auf das Becken und die wartenden Menschen. „Ich sollte die Springer auffordern, den Turm zu verlassen“, erinnert er sich. „Doch als ich oben stand, versagte meine Stimme. Ich brachte kein Wort heraus.“

Die Situation eskalierte: Die Springer ignorierten ihn, lachten sogar. Schließlich musste ein erfahrener Kollege eingreifen, um die Räumung durchzusetzen. Thadeusz fühlte sich zutiefst gedemütigt. Er hatte nicht nur seine Autorität verloren, sondern auch den Respekt der Badegäste. „Ich bin kläglich gescheitert“, gesteht er. „In diesem Moment dachte ich, meine Karriere als Bademeister sei beendet.“

Die Lektion: Demut und Selbstreflexion

Das Erlebnis am 10-Meter-Turm zwang Thadeusz, sich mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen. „Ich lernte, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst zu handeln“, schreibt er. Die Erfahrung lehrte ihn Demut – gegenüber der eigenen Unzulänglichkeit und gegenüber den Menschen, die auf seine Führung angewiesen waren.

Er erkannte, dass Autorität nicht verliehen wird, sondern erarbeitet werden muss. „Die Badegäste hatten jedes Recht, mich nicht ernst zu nehmen“, sagt Thadeusz. „Ich hatte versäumt, mir die nötige Autorität zu verschaffen.“ Dieser Fehler prägte sein weiteres Leben: In jeder beruflichen und privaten Situation achtete er fortan darauf, sich Respekt zu verschaffen – durch Kompetenz, nicht durch Position.

Die Nachwirkungen: Vom Schwimmbad zum Journalismus

Obwohl Thadeusz nach diesem Vorfall beinahe hingeworfen hätte, blieb er Bademeister – und meisterte die folgenden Herausforderungen mit neuer Gelassenheit. Der Vorfall am 10-Meter-Turm wurde zu einem prägenden Moment, den er nie vergaß. Jahre später, als Journalist, erinnerte er sich oft daran, wenn er vor schwierigen Interviews stand. „Die Lektion aus dem Freibad half mir, meine Angst zu überwinden und klar zu kommunizieren“, so Thadeusz.

Heute blickt er mit einer Mischung aus Scham und Dankbarkeit auf den Sommer 1990 zurück. „Es war ein demütigendes Erlebnis, aber es hat mich gelehrt, dass Scheitern der erste Schritt zur Besserung sein kann.“

Fazit: Ein Sommermärchen mit Tiefgang

Die Geschichte des gescheiterten Bademeisters am 10-Meter-Turm ist mehr als eine Anekdote aus der Jugend. Sie ist eine Erinnerung daran, dass Erfolg oft aus Misserfolgen erwächst. Frank Thadeusz‘ Erfahrung im Dortmunder Volksparkbad zeigt, dass wahre Stärke darin liegt, aus Fehlern zu lernen – und dass selbst ein klägliches Versagen die Grundlage für ein erfülltes Leben sein kann.

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