Überleben nach Missbrauch: Charité-Expertin über Hilfe und Heilung
Überleben nach Missbrauch: Charité-Expertin gibt Rat

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geschieht häufig im familiären Umfeld und bleibt oft lange unerkannt. „Es dauert oft Jahre, bis eine Person erkennt, dass sie sexualisierte Gewalt erlebt hat“, sagt Sibylle Winter, Leiterin der Kinderschutzambulanz der Berliner Charité. In einem Interview betont sie die zentrale Rolle von Müttern und gibt konkrete Hinweise, wie Außenstehende Betroffenen helfen können.

Die Rolle der Familie bei sexualisierter Gewalt

Winter erklärt, dass Täter meist aus dem engsten sozialen Umfeld stammen: Väter, Stiefväter, Onkel oder andere Vertrauenspersonen. Die Taten geschehen schleichend, oft über Jahre hinweg. „Kinder sind häufig verwirrt, weil der Täter gleichzeitig Zuneigung zeigt“, so Winter. Die Mutter sei oft hin- und hergerissen zwischen Loyalität zum Partner und Schutz des Kindes. „Mütter brauchen Unterstützung, um die Zeichen zu erkennen und das Kind zu schützen“, betont die Expertin.

Hilfe für Betroffene und Außenstehende

Winter rät, bei Verdacht auf Missbrauch professionelle Hilfe zu suchen. Die Kinderschutzambulanz der Charité biete vertrauliche Beratung und medizinische Untersuchungen an. „Außenstehende sollten nicht wegschauen, sondern das Gespräch mit dem Kind oder Jugendlichen suchen, ohne Druck auszuüben“, sagt sie. Wichtig sei, dem Betroffenen Glauben zu schenken und ihm zu versichern, dass die Schuld nicht bei ihm liegt.

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Langfristige Folgen und Heilung

Die Folgen sexualisierter Gewalt seien tiefgreifend: Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Angstzustände und Beziehungsprobleme. „Heilung ist möglich, aber sie braucht Zeit und professionelle Begleitung“, so Winter. Therapieangebote wie Traumatherapie und psychosoziale Beratung könnten helfen. Sie appelliert an die Gesellschaft, das Thema zu enttabuisieren und Betroffenen den Weg zur Hilfe zu ebnen.

Prävention und Sensibilisierung

Um Missbrauch zu verhindern, müsse Prävention früh ansetzen: Aufklärung in Schulen, Stärkung von Kindern in ihrem Selbstbewusstsein und klare Regeln im Umgang mit Nähe und Distanz. „Eltern sollten mit ihren Kindern über Gefühle und Grenzen sprechen“, empfiehlt Winter. Auch die Sensibilisierung von Fachkräften wie Lehrern und Erziehern sei entscheidend, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

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