Unbekannte haben in der Nacht zum vergangenen Dienstag Brandsätze gegen eine Flüchtlingsunterkunft in der Albert-Kuntz-Straße in Berlin-Hellersdorf geworfen. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen von einer Vorsatztat aus, wie eine Polizeisprecherin dem Tagesspiegel bestätigte. Der Staatsschutz und das Landeskriminalamt haben die Ermittlungen übernommen. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden an der Fassade ist jedoch sichtbar: Zwei schwarze Flecken zeugen noch fast eine Woche später von dem Angriff.
Eskalation mit Ansage?
„Das war geplant, da hat jemand etwas vorgehabt“, sagte Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LFU), der „Zeit“. Er bezeichnete den Angriff als „eine unerträgliche Eskalation – für alle Leute, die bei uns untergebracht sind und die für uns arbeiten.“ Laut Langenbach befindet sich das LFU derzeit in Gesprächen mit dem Bezirksamt über mögliche zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Aktuell sei ein Sicherheitsdienst im Einsatz, der auch nachts und an den Wochenenden vor Ort sei.
Bewohner bemerkten die Angreifer
Nach Angaben der Berliner Polizei wurden brennende Gegenstände gegen die Hausfassade geworfen. Ein aufmerksamer Bewohner bemerkte die mutmaßlichen Brandsätze und alarmierte den Sicherheitsdienst, der den Brand mit eigenen Mitteln löschte und die Polizei rief. Die Unterkunft ist durch Schilder als solche erkennbar und seit vielen Jahren im Kiez bekannt, auch durch Feiern und Veranstaltungen. Eröffnet wurde sie 2018, aktuell leben dort laut LFU 454 Menschen – sie sei damit „faktisch vollständig belegt“. Ein Besuch vor Ort zeigt: Viele Familien wohnen dort, Kinder spielen im Innenhof, Mütter mit Kinderwagen kommen heraus, am Eingang stehen mehrere Wachmänner.
Politische Reaktionen
In der Bezirkspolitik sorgte der Angriff für Empörung. Manuela Neubert, Spitzenkandidatin der Grünen für die Bezirksverordnetenversammlung in Marzahn-Hellersdorf, „verurteilt diesen Angriff aufs Schärfste“, hieß es in einer Mitteilung. „Wir stehen fest an der Seite aller Menschen, die in Berlin Zuflucht finden, und fordern ein lückenloses Vorgehen der Strafverfolgungsbehörden“, so Neubert. Die Linken-Politiker Bjoern Tielebein, Sarah Bigall und Kristian Ronneburg erklärten: „Wer einen brennenden Gegenstand gegen eine bewohnte Unterkunft wirft, nimmt schwere Verletzungen und den Tod von Menschen in Kauf. Dass niemand zu Schaden kam, ist dem aufmerksamen Bewohner und dem schnellen Eingreifen des Sicherheitsdienstes zu verdanken.“
Rechtsextremer Hintergrund?
Der „Verdacht eines rassistischen Tatmotivs“ müsse „konsequent untersucht werden“, fordern die Linken. „Diese Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum. Wer Geflüchtete pauschal abwertet, gegen Unterkünfte Stimmung macht und Ängste schürt, trägt zu einem Klima bei, in dem sich Gewalttäter ermutigt fühlen“, heißt es in ihrer Mitteilung. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist ein Schwerpunkt rechtsextremer Aktivitäten, wie die jährlichen Auswertungen der Berliner Register zeigen. Im vergangenen Jahr entfiel mehr als die Hälfte aller registrierten Vorfälle im Bezirk auf die Ortsteile Hellersdorf-Nord, -Ost und -Süd – dort liegt auch die angegriffene Unterkunft.
Zahl der Angriffe steigt
Im Jahr 2024 wurden in Berlin insgesamt acht Angriffe auf Asylunterkünfte registriert, wie die Berliner Innenverwaltung im Jahr 2025 auf eine Anfrage der Grünen mitteilte. Im Jahr 2023 hatte es keine Angriffe auf Unterkünfte gegeben. Die Ermittlungen zu dem aktuellen Vorfall dauern an, der Staatsschutz prüft ein rassistisches Tatmotiv.



