Im Archiv der Klosterapotheke San Marco in Florenz hat ein Dominikanermönch ein Rezept für ein stärkendes Wein-Elixier aus der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckt – fast 40 Jahre bevor der Apotheker John Pemberton in den USA Coca-Cola erfand. Das vergilbte Werbeblatt beschreibt ein Tonikum aus Kokablättern und Colanüssen, das damals zu den meistverkauften Produkten der Apotheke zählte.
Der Fund im Kloster San Marco
Rektor Manuel Russo, ein Dominikanermönch, stieß bei Aufräumarbeiten im Kloster San Marco auf die historische Werbung. „Ich bin bei der Durchsicht unseres Archivs auf die alte Werbung für dieses Elixier gestoßen“, berichtete Russo der katholischen Wochenzeitung Toscana Oggi. Nach dem Fund begann er, die im Kloster aufbewahrten Dokumente genauer zu untersuchen. Dabei stellte er fest, „dass es eines der am meisten nachgefragten Produkte der klösterlichen Apotheke war“. Das Kloster San Marco gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der toskanischen Hauptstadt. Die dazugehörige Apotheke Antica Farmacia di San Marco wurde bereits 1436 gegründet. Über Jahrhunderte hinweg versorgten die Dominikanermönche die Bevölkerung mit Heilkräutern, Essenzen, Elixieren und parfümierten Wässern. Heute existiert die Apotheke in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr.
Die Zutaten des Elixiers
Das „stärkende Wein-Elixier“ (Elixir vinoso ricostituente) wurde als Tonikum beschrieben, das körperliche und geistige Erschöpfung, Kopfschmerzen sowie Schwächen lindern könne, die auf Alter oder „außergewöhnliche Anstrengungen“ zurückzuführen sind. Die genaue Zusammensetzung umfasste 30 Gramm Colanüsse und zehn Gramm bolivianische Kokablätter, aufgegossen mit einem Liter Alkoholmischung. Laut Russo wurden die Blätter und Nüsse von Missionaren aus Südamerika in die Toskana gebracht. Diese Zutaten waren auch Bestandteil einer Mixtur, die John Pemberton wenige Jahrzehnte später in den USA zusammenmischte. Aus „Pemberton’s French Wine Coca“ (Pembertons französischer Kokawein) wurde später Coca-Cola. Die erste Anzeige dafür erschien 1886.
Verbindung zu Coca-Cola
Der Mönch betonte jedoch, dass es keine Hinweise auf einen unmittelbaren Zusammenhang mit Pembertons Erfindung gebe. Dennoch sind die Parallelen verblüffend: Beide Getränke basieren auf Kokablättern und Colanüssen. Pemberton musste sein Rezept später anpassen, weil in den USA Alkohol verboten wurde. Er ersetzte den Alkohol durch Wasser und Zuckersirup und schuf so die braune Limonade, die heute weltweit bekannt ist. Das genaue Rezept für Coca-Cola wird von dem US-Konzern seit jeher streng geheim gehalten. Nach Angaben des Konzerns kennt nur eine Handvoll Menschen innerhalb des Unternehmens die genaue Formel. Pemberton hatte die Formel angeblich nie selbst aufgeschrieben, sondern nur mündlich weitergegeben. Dem Konzern zufolge wurde sie 1919 erstmals zu Papier gebracht und liegt heute in einem Tresor.
Das Geheimnis um die Cola-Formel
Um die genaue Rezeptur von Coca-Cola wird seit jeher ein großes Geheimnis gemacht. Alle paar Jahre gibt es Behauptungen, dass jemand das Geheimnis gelüftet habe – bislang stimmte das allerdings nie. Der Fund in Florenz wirft nun neues Licht auf die mögliche Vorgeschichte des berühmten Getränks. Ob das Kloster-Elixier tatsächlich ein direkter Vorläufer war, bleibt jedoch Spekulation. Fest steht: Die Ähnlichkeiten zwischen dem toskanischen Tonikum und der amerikanischen Erfindung sind auffällig. Die Entdeckung von Manuel Russo zeigt, dass die Kombination von Kokablättern und Colanüssen bereits Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa bekannt war und als Stärkungsmittel geschätzt wurde.



