Anschlag auf den CSD in Berlin: Eine Tote und 29 Verletzte
Was als großes Fest für die Rechte und Sichtbarkeit der queeren Community geplant war, endete am Samstagabend in einer Katastrophe: Am Rande des Christopher Street Days (CSD), am südöstlichen Rand des Tiergartens, raste ein Auto in eine Menschenmenge. Nach Angaben vom Sonntagabend kam dabei eine Frau ums Leben, 29 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem islamistischen Hintergrund aus. Der mutmaßliche Täter ist der 27-jährige Abdul Ballout, ein deutscher Staatsbürger, der keinen Kilometer vom Tatort entfernt wohnte.
Der Täter und seine Tat
Abdul Ballout lenkte einen weißen Kleintransporter durch den Tiergarten, offenbar mit der Absicht, Menschen zu treffen, die nach dem CSD durch den Park nach Hause schlenderten. Der Tiergarten war an dieser Stelle nicht abgesperrt, da er zu weit entfernt von der eigentlichen Party auf der Straße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule lag, die um 22 Uhr noch in vollem Gange war. „Sein Ziel hat Abdul Ballout erreicht“, schreibt Peter Schink, Chefredakteur der Morgenpost. „Eine Frau ist gestorben, 29 Menschen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Es ist ein Leid, für das es kaum passende Worte gibt.“
Reaktionen und Auswirkungen
Der Schock sitzt tief. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Tat als „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“. Der Berliner Senat und zahlreiche Sportclubs, darunter Hertha BSC, drückten ihr Mitgefühl aus. Der CSD wurde abgebrochen, als die Nachricht von der tödlichen Attacke die Feiernden erreichte. Ein Video dokumentiert den Moment, in dem die friedliche Stimmung kippte.
„Chaos zu stiften, unsere freie Gesellschaft anzugreifen und ihre Verwundbarkeit zu zeigen – das ist leicht“, kommentiert Schink. „Das zeigt dieser Anschlag, wie so viele davor. In wenigen Wochen wird in Berlin gewählt, und es steht zu befürchten, dass die Menschenfänger am rechten Rand die Tat für ihre Zwecke nutzen werden.“
Freiheit und Zusammenhalt als Antwort
Schink betont, dass jede freie Gesellschaft vor dem Dilemma stehe, sich schützen zu müssen, ohne sich selbst aufzugeben. „Freiheit ist kein Widerspruch zu Strafverfolgung. Terror lebt nicht von der Gewalt allein, sondern von seiner Wirkung. Er will Menschen gegeneinander aufbringen, Gräben vertiefen und den Glauben zerstören, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist.“ Gerade deshalb sei Besonnenheit eine Stärke.
Abdul Ballout ist deutscher Staatsbürger. „Fast die Hälfte der Menschen in dieser Stadt hat irgendeinen Migrationshintergrund. Und das ist auch gut so. An sehr vielen Orten in der Stadt leben Menschen unterschiedlichster Herkunft, sexueller Orientierung, verschiedener Einkommensklassen – und wir alle leben friedlich zusammen. Mörder haben in dieser Stadt keinen Platz. Und von Extremisten lassen wir uns nicht auseinanderbringen. Wir stehen, wenn auch getroffen, zusammen.“
Ausblick: Der CSD und die Zukunft
Der Anschlag wirft Fragen auf: Wird der CSD jemals wieder so sein können wie vorher? Organisatoren und Politiker diskutieren über Sicherheitsmaßnahmen, Überwachung und Abschiebungen. Doch trotz allem: „Wir stellen unsere Freiheit niemals zur Disposition“, schließt Schink. Der Newsletter endet mit einem Appell an die Leser, zusammenzustehen und sich nicht spalten zu lassen.



