Abdul Ballout, der Attentäter des CSD-Anschlags, wurde am Dienstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auf dem Landschaftsfriedhof in Berlin-Gatow beigesetzt. Sein Grab ist ein unscheinbarer Erdhaufen, ohne Kranz, Kerze oder Namensschild – ein bewusster Versuch der Angehörigen, jede öffentliche Aufmerksamkeit zu vermeiden.
Heimliche Beisetzung im kleinen Kreis
Die Beerdigung fand im engsten Familienkreis statt, nachdem die Polizei den gesamten Friedhof stundenlang abgeriegelt hatte. Rund 190 Polizisten waren im Einsatz, um die Zeremonie abzuschirmen. Die Angehörigen nutzten einen Seiteneingang, um unbemerkt zum Grab zu gelangen. Nach 50 Minuten war die Zeremonie beendet, ein Minibagger rückte an, und die Polizei zog ab.
Ballout, ein 21-jähriger Islamist, hatte am 25. Juli mit einem weißen Citroën-Transporter in eine Menschenmenge am Rande des CSD in Berlin fahren und anschließend mit einer Machete um sich stechen. Bei dem Anschlag wurden 31 Menschen verletzt, eine 65-jährige Polin starb. Sie war aus Warschau angereist, um mit ihrer Tochter zu feiern, die ebenfalls zu den Verletzten zählt.
Friedhof am Stadtrand von Berlin
Der Landschaftsfriedhof Gatow liegt im äußersten Westen Berlins, nur etwa sechs Kilometer von der Laube entfernt, vor der Ballout am 26. Juli von der Polizei erschossen wurde. Er soll bei dem Zugriff mit einer Stichwaffe auf die Beamten zugelaufen sein. Der Friedhof ist einer von drei in Berlin, die auch eine islamische Abteilung haben. Die muslimischen Gräber befinden sich im hinteren Bereich, neu erschlossene Abschnitte wurden gerade fertiggestellt. Die Grabstätten sind gen Mekka ausgerichtet, also nach Südosten, und neben fast jedem Grab stehen Bänke, auf denen Angehörige verweilen und arabische Musik spielen können.
Der Weg zum Grab von Ballout führt über den gesamten Friedhof, fast zehn Minuten Fußweg bis in die hinterste Ecke. Die Ruhestätte ist von langen Grashalmen überwuchert, die Holzeinfassung des Nachbargrabes ist eingestürzt. Nichts erinnert hier an den Terroristen, der so viel Leid verursacht hat.
Sicherheitsmaßnahmen und öffentliche Wahrnehmung
Die Polizei hatte den Friedhof bereits Stunden vor der Beisetzung abgeriegelt, Mannschaftswagen standen auf dem Gelände, Beamte patrouillierten und wiesen Reporter ab. Die Beisetzung begann um 13 Uhr, nach Informationen der Bild-Zeitung nutzten die Angehörigen einen Seiteneingang. Die Sicherheitsvorkehrungen waren notwendig, um mögliche Proteste oder Anschläge zu verhindern.
Die Entscheidung, Ballout heimlich zu beerdigen, spiegelt die angespannte Stimmung nach dem Anschlag wider. Viele Menschen in Berlin und ganz Deutschland sind entsetzt über die Tat, die gezielt die LGBTQ-Community treffen sollte. Der CSD, der Christopher Street Day, ist eine Feier der Vielfalt und Toleranz – genau diese Werte wollte der Attentäter mit seiner Gewalt zerstören.
Reaktionen und Folgen
Die Beerdigung wirft Fragen nach dem Umgang mit den Tätern von Terroranschlägen auf. Während einige eine öffentliche Beisetzung forderten, um Transparenz zu schaffen, plädieren andere für eine würdevolle, aber unauffällige Bestattung, um weitere Eskalationen zu vermeiden. Die Polizei hat angekündigt, die Grabstätte vorerst zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie nicht zu einer Pilgerstätte für Extremisten wird.
Die Hinterbliebenen der Opfer und die Überlebenden des Anschlags müssen weiterhin mit den Folgen leben. Viele von ihnen leiden unter Traumata, die medizinische und psychologische Betreuung benötigen. Die Stadt Berlin hat Hilfsangebote eingerichtet, um den Betroffenen beizustehen. Der Anschlag hat auch die Debatte über Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen neu entfacht, insbesondere im Hinblick auf den Schutz von LGBTQ-Veranstaltungen.
Der Fall Ballout wird die deutsche Sicherheitspolitik noch lange beschäftigen. Die Behörden prüfen, wie der Attentäter trotz seiner Radikalisierung unbemerkt bleiben konnte und welche Lehren daraus zu ziehen sind. Die Beisetzung in Gatow ist ein stilles Ende einer Geschichte, die viele Menschen erschüttert hat – doch die Wunden, die sie hinterlassen hat, sind noch lange nicht verheilt.



