Epsteins Insel: Influencer trotzen Verbot und Klagen
Epsteins Insel: Influencer trotzen Verbot

Die Insel Little St. James, einst Schauplatz von Verbrechen des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, zieht heute Influencer an, die trotz Verboten und Klagen auf der Suche nach Klicks und Wahrheit sind. Neun Content-Creator wurden bereits verklagt, wie eine Recherche von „Business Insider“ zeigt, das wie BILD zu Axel Springer gehört. Die Eindringlinge riskieren nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern auch gefährliche Konfrontationen mit Sicherheitspersonal.

Die Insel als Magnet für Verschwörungstheoretiker

Little St. James, Teil der US-amerikanischen Jungferninseln, wurde durch Epsteins Anwesen berüchtigt. Mutmaßliche Opfer berichteten, sie seien dort gefangen gehalten und vergewaltigt worden. Das tempelartige Gebäude, das Epstein errichten ließ, ist zum Zentrum zahlreicher Verschwörungstheorien geworden. Seit Anfang 2026 sind mehr als 3,5 Millionen Seiten aus den Gerichtsakten veröffentlicht, was die Neugier weiter anheizt.

Der Milliardär Stephen Deckoff kaufte die Insel 2023 für 60 Millionen Dollar, um ein Luxusresort zu bauen. Doch statt Bauarbeitern kommen nun unerwünschte Besucher: Sie paddeln mit Kajaks heran, fahren mit Jetskis vor, filmen Gebäude und hissen Banner mit der Aufschrift „Release the Files“. Manche suchen angebliche Tunnel, andere behaupten sogar, Epstein lebe noch.

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YouTuber trotzen Hurrikan und Sicherheitskräften

Im August 2025 machten sich YouTuber Andrew Petersen und fünf Begleiter während des Hurrikans Erin von St. Thomas aus auf den Weg. Sie erwogen zunächst Luftmatratzen und Poolnudeln, entschieden sich dann aber für Kajaks. Die Gruppe durchsuchte Räume und erkundete den Tempel, fand jedoch keine Tunnel. Am nächsten Morgen befestigten sie ein „Release the Files“-Banner und paddelten davon.

Petersen räumte gegenüber Business Insider ein: „Hausfriedensbruch ist illegal, und wir haben definitiv Hausfriedensbruch begangen.“ Er nannte es jedoch absurd, dass ihm Konsequenzen drohten, während mögliche Täter aus Epsteins Umfeld nicht verfolgt würden.

Konfrontation mit bewaffneter Verwalterin

Am 1. März näherten sich die YouTuber-Brüder Eloi und Marcel Gil Sancho auf gemieteten Jetskis. Als eine Drohne am Strand landete, schwamm Marcel an Land, um sie zu holen. Inselverwalterin Ann Rodriguez fing die Brüder mit einem Boot ab, richtete eine vermeintliche Pistole auf Marcel und drohte, beide zu töten. Eloi wurde später nackt und gefesselt auf dem Boot gefunden, wie Gerichtsunterlagen zeigen. Rodriguez soll Speicherkarten mit Drohnenaufnahmen ins Meer geworfen haben. Die Staatsanwaltschaft klagte sie wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Sachbeschädigung an; sie lehnte eine Stellungnahme ab.

Weitere Eindringlinge und die Folgen

Wenige Wochen später betraten Benjamin Owen und Ryan Dalton die Insel. Dalton betreibt eine Crowdfundingkampagne, die beweisen soll, dass Epstein noch lebt. Als Inselmitarbeiter auf Quads heranfuhren, flohen beide ins Wasser. Dalton entkam, Owen wurde festgehalten und gefesselt. Eine Beteiligte sprach von einer „Festnahme durch eine Privatperson“.

Die Holdinggesellschaft LSJVI von Milliardär Deckoff hat mehrere Eindringlinge verklagt und fordert unter anderem die Herausgabe der Videoeinnahmen. Ein Sprecher Deckoffs sagte, die Eindringlinge gefährdeten die Menschen auf der Insel. Deckoff werde alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, besonders gegen YouTuber, die ihren Hausfriedensbruch filmten und damit Geld verdienten.

Widerstand und Spenden

Petersens Gruppe erklärte, bereits 30.000 Dollar an die Organisation Polaris gespendet zu haben, die gegen Menschenhandel kämpft. Ryan Dalton wirft der US-Regierung vor, ihre Pflicht zu vernachlässigen, und prognostiziert, dass Menschen weiterhin nach Little St. James fahren würden, um die Wahrheit selbst zu suchen.

Trotz der Gefahren und rechtlichen Konsequenzen dürfte die Insel ein Magnet für selbst ernannte Wahrheitssucher bleiben. Die Mischung aus Verboten, Verschwörungstheorien und der Aussicht auf Klicks macht Little St. James zu einem gefährlichen Schauplatz für Influencer.

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