Die Augsburger Grünen haben Oberbürgermeister Dirk Freund (parteilos) scharf kritisiert. Auslöser ist eine Aussage von Freund über die ehemalige Bürgermeisterin und jetzige Regierungspräsidentin Martina Wild. Die Partei wirft ihm vor, mit seiner Wortwahl die Grenze des Respekts überschritten zu haben.
Was genau passiert ist
Bei einer öffentlichen Veranstaltung hatte Freund sich abfällig über Wild geäußert. Konkret soll er gesagt haben, dass Wild „keine Ahnung von Kommunalpolitik“ habe. Diese Aussage stieß bei den Grünen auf Empörung. Sie sehen darin eine Missachtung der langjährigen politischen Arbeit von Wild, die zuvor als Bürgermeisterin in Augsburg tätig war.
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Anna Rasehorn, nannte die Aussage „inakzeptabel und respektlos“. Sie forderte Freund auf, sich öffentlich bei Wild zu entschuldigen. „Martina Wild hat über Jahre hinweg hervorragende Arbeit für unsere Stadt geleistet. Solche Äußerungen sind nicht nur unfair, sondern schaden auch dem Ansehen des Oberbürgermeisters“, so Rasehorn.
Reaktionen und Forderungen
Die Partei verlangt nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch eine klare Distanzierung von der Aussage. In einem offenen Brief an Freund heißt es: „Wir erwarten, dass Sie sich von dieser Äußerung distanzieren und sicherstellen, dass solche persönlichen Angriffe künftig unterbleiben.“
Zudem kritisieren die Grünen, dass Freund damit den politischen Stil in der Stadt verschärfe. „Augsburg braucht einen respektvollen Umgang, gerade in Zeiten großer Herausforderungen“, betonte Rasehorn. Sie verwies auf die angespannte Haushaltslage und die vielen anstehenden Projekte, die eine konstruktive Zusammenarbeit erforderten.
Hintergrund der Person
Martina Wild war von 2014 bis 2023 Bürgermeisterin und damit Stellvertreterin von OB Freund. Sie wechselte dann als Regierungspräsidentin nach Schwaben. In ihrer Zeit in Augsburg war sie unter anderem für Soziales, Bildung und Kultur zuständig. Die Grünen heben hervor, dass sie sich besonders für die Integration und den Ausbau der Kinderbetreuung eingesetzt habe.
Freund selbst hat sich bislang nicht zu der Kritik geäußert. Sein Büro ließ lediglich mitteilen, dass man die Aussage nicht kommentieren wolle. Das stößt bei den Grünen auf Unverständnis. „Schweigen ist keine Lösung. Wir erwarten eine öffentliche Stellungnahme“, so Rasehorn.
Auswirkungen auf die Zusammenarbeit
Der Vorfall könnte die Zusammenarbeit im Stadtrat belasten. Die Grünen sind mit sechs Sitzen im Stadtrat vertreten und gelten als wichtiger Partner für den OB. Bisher gab es eine konstruktive Zusammenarbeit, insbesondere bei Themen wie Klimaschutz und Mobilität. Nun droht ein Zerwürfnis.
Politische Beobachter sehen in der Aussage von Freund einen taktischen Fehler. „Solche persönlichen Angriffe sind unüblich und können schnell nach hinten losgehen“, sagt der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Markus Kaiser von der Universität Augsburg. „Gerade in einer Koalition, in der man auf Mehrheiten angewiesen ist, sollte man sich solche Sprüche verkneifen.“
Forderung nach klaren Regeln
Die Grünen fordern nun einen Verhaltenskodex für den Umgang im Stadtrat. „Wir brauchen klare Regeln, die persönliche Angriffe ausschließen“, sagte Rasehorn. Sie kündigte an, einen entsprechenden Antrag in der nächsten Stadtratssitzung einzubringen.
Bis dahin wollen die Grünen die weitere Entwicklung abwarten. „Wir sind gesprächsbereit, aber wir erwarten einen Schritt auf uns zu“, so Rasehorn. Der Ball liegt nun bei OB Freund.



