Nach dem mutmaßlich islamistischen Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) in Berlin, bei dem eine Frau getötet und 29 Menschen verletzt wurden, prüfen CSD-Veranstalter in Rheinland-Pfalz ihre Sicherheitsmaßnahmen. Die Vorfälle haben tiefe Betroffenheit ausgelöst, doch die Organisatoren betonen: „Hass tötet“ – und genau deshalb sei es jetzt wichtiger denn je, sichtbar zu bleiben.
CSD Lautre in Kaiserslautern hält an Planung fest
Der CSD Lautre in Kaiserslautern wird am 26. September wie geplant stattfinden. Das Motto lautet: „Lautre ist lauter als Hass: mutig, laut, selbstbestimmt.“ Nach dem Anschlag in Berlin erhalte dieses Motto eine traurige und zugleich dringliche Bedeutung, teilten die Veranstalter mit. „Der Anschlag auf den Berliner CSD hat unser gesamtes Team tief erschüttert, vor allem, da Teile unseres Teams auch am Berliner CSD mitwirken.“ Sie ließen sich durch Hass und Gewalt nicht einschüchtern; weder Rückzug noch Schweigen dürfe die Antwort sein. Die Sicherheit der Menschen stehe an erster Stelle. Bereits seit längerem werde ein Sicherheitskonzept in Abstimmung mit Stadtverwaltung und Behörden erarbeitet. „Die konkreten Maßnahmen werden derzeit weiter abgestimmt und nach den Ereignissen in Berlin nochmals umfassend geprüft“, so die Organisatoren.
Forderungen nach Zufahrtssperren
Die Veranstalter erwarten von der Stadtverwaltung und den zuständigen Stellen eine stärkere und verlässliche Unterstützung. „Bislang konnten noch nicht alle Maßnahmen, die wir für erforderlich halten, verbindlich zugesagt werden. Dazu gehören insbesondere geeignete Zufahrtssperren“, hieß es. Die Ereignisse in Berlin sollten als Anlass genommen werden, die bisherigen Entscheidungen nochmals zu prüfen und gemeinsame Lösungen zu finden.
Mainzer CSD mit 12.000 Teilnehmenden
In Mainz nahmen am Wochenende rund 12.000 Menschen an der CSD-Demonstration teil, wie der veranstaltende Verein Schwuguntia mitteilte. Das queere Sommerfestival „Mainzer Sommerschwühle“ fand zum 33. Mal statt und wurde von dem tödlichen Anschlag in Berlin überschattet. „Wir waren in Mainz am selben Tag für die gleichen Werte auf der Straße und stehen jetzt auch solidarisch zusammen. Vielfalt ist unsere Stärke und wir lassen uns nicht einschüchtern“, sagte Schwuguntia-Vorsitzende Alina Anstatt. Der Verein Rheinhessen gegen Rechts, der sich am CSD Mainz beteiligt hatte, veröffentlichte einen Gedenkbeitrag: „Für uns ist klar: Der Hass darf nie gewinnen. Wir gedenken. Wir halten zusammen.“
Weitere CSDs in der Region
In Bingen am Rhein ist eine CSD-Demonstration für den 8. August angekündigt. In Koblenz soll die „Pride Koblenz“ vom 13. bis 16. August stattfinden. Auch dort werden die Sicherheitsvorkehrungen nach den Ereignissen in Berlin überprüft. Die Organisatoren zeigen sich entschlossen: Die queere Gemeinschaft lasse sich nicht unterkriegen.
Der mutmaßliche Täter des Anschlags in Berlin, Abdul B., wurde am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz getötet. Die Hintergründe der Tat werden weiter ermittelt. Die CSD-Bewegung in Rheinland-Pfalz stellt klar: Gerade jetzt müsse man sichtbar bleiben, zusammenstehen und klare Haltung für Freiheit, Vielfalt und Demokratie zeigen.



