Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat für Berlin und Brandenburg eine Hitzewarnung ausgesprochen: Am Donnerstag werden Temperaturen bis zu 38 Grad erwartet, am Abend drohen Unwetter mit Starkregen und orkanartigen Böen. Für die Berlinerinnen und Berliner heißt es: abkühlen, Eis essen, Schatten suchen. Unsere Reporter haben den Hitzetag begleitet.
Am Plötzensee: Heißer Tee vom Bademeister
Am Plötzensee genießt Abu Rabia (65) den heißen Julitag unter seinem grünen Sonnenschirm. Der selbsternannte Bademeister kommt aus dem Libanon und ist seit 1978 in Deutschland. „Hier ist es schön, ich bin immer hier“, sagt er stolz und serviert dampfenden arabischen Tee für Besucher. Gerade hat er drei Gästen Tee und Kekse gereicht. „Abu Rabia bringt Freude!“, ruft er und verteilt süßes Gebäck.
Touristen aus heißen Ländern: „Für uns ist das chillig“
Carlos (27) und Jesús (29), zwei Cousins aus Südspanien, sind zum ersten Mal in Berlin. Trotz der Hitzewelle bleiben sie entspannt: In ihrer Heimat seien 40 Grad „an jedem Tag normal“, sagt Carlos. Die Temperaturen hier seien für sie „chillig“, ergänzt Jesús lachend. Auch Tina (33) aus Arizona findet das Wetter nicht ungewöhnlich – sie freut sich über die sommerlichen Temperaturen, stellt sich aber dennoch unter einen Baum in den Schatten. „I‘m from a place where it‘s usually hot“, sagt sie lächelnd.
Arbeiter in der Mittagssonne: „Wasser trinken und weiterarbeiten“
In der Alten Potsdamer Straße in Tiergarten machen zwei Dachdecker Mittagspause auf einer Steinbank. Sie arbeiten seit sieben Uhr. „Wir arbeiten halt auf dem Dach“, sagt der Jüngere und lacht. „Wasser trinken und weiterarbeiten“ helfe bei der Hitze. Der Ältere mit Pferdeschwanz und Zigarette ergänzt: „Wir hatten auch früher heiße Sommer.“ Auch René und Kevin verlegen Platten am Potsdamer Platz in der prallen Sonne. „Warm“, sagt René lachend, aber „soweit jut“. Jede Stunde müssen sie eine Pause im Schatten machen. „Bis dann das Hirnwasser kocht“, sagt Kevin.
Taxifahrer ohne Kunden: „Man muss unter der Hitze leiden, hat aber trotzdem keine Arbeit“
Mohamad Kobeissi, Taxifahrer, steht in einer Seitenstraße beim Potsdamer Platz. Fenster und Türen seines Kleinbusses sind geöffnet – nur so ertrage er die Hitze. Die größte Herausforderung sei nicht die Hitze selbst, sondern das Warten auf Kundschaft. Er arbeite seit drei Stunden, einen Kunden habe er noch nicht gehabt: „Man muss unter der Hitze leiden, hat aber trotzdem keine Arbeit.“
Kühle Rückzugsorte und kreative Abkühlung
Die drei Freundinnen Isabel, Siri und Fanny suchen Schutz im Alexa-Einkaufszentrum: „Hier ist es schön klimatisiert“, sagt Fanny (15). Im Machwerk Coworking Space ist es heute ungewöhnlich ruhig – Manager Tobias (42) führt das auf das Berliner „Sommerloch“ zurück. Viele seien im Urlaub. Er selbst plant später einen Besuch auf einem Wasserspielplatz. Yafeng (50), Malerin auf dem Weg zur Arbeit, hat ihren Ventilator von zuhause mitgenommen. Sie tunkt ihre Kleidung ins Wasser und „gieße sogar Wasser in meine Schuhe“, sagt sie lachend.
Wasserspiele und Eiskaffee
Im Center am Potsdamer Platz ziehen die Wasserspiele Kleinkinder an. Die Belgier Gerda und Danny, die mit dem Fahrrad aus Antwerpen angereist sind, kühlen sich hier ab, während sie auf ihren Zug warten. Die Freundinnen Lucia (20) und Franca (21) treffen sich im Café „Liebling“ in Prenzlauer Berg – statt Kaffee gibt es kühle Getränke. Franca freut sich auf ihr Auslandssemester in Singapur: „Insofern stimmt mich das Wetter auf diese Zeit ein.“ Mit einem orangefarbenen Fächer wedeln sie sich Luft zu. Auch Mitra, Street-Food-Köchin aus Hamburg, trotzt der Hitze an ihrem Stand „Mitra‘s Küche“ beim Straßenkunst-Festival. Sie serviert indisches Essen und Mango Lassi: „Mir macht die Hitze nichts aus, ich fühle mich sehr wohl.“
Ein ruhiger Sommertag in der Stadt
Uffe und Conni aus Dänemark machen Urlaub in Berlin und nehmen es diesmal langsam: „We take it easy this time“, sagt Uffe. Eine ergraute Dame lässt beim Schuhmacher am Marheinekeplatz ihre Sandalen umarbeiten – sie zieht ihre Jacke aus, weil es am Morgen noch frisch war. Ein Mann telefoniert in der Mittagssonne im Tiergarten. So vielfältig begegnet Berlin der Hitzewelle – mit Gelassenheit, Einfallsreichtum und einer Prise Humor.



