Nach dem Angriff auf eine Christopher-Street-Day-Parade in der vergangenen Woche hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen wieder freigelassen. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, wurde der Mann, der zunächst in Gewahrsam genommen worden war, mangels dringenden Tatverdachts entlassen. Zuvor war bereits ein 28-jähriger Iraner festgenommen worden, der weiterhin in Untersuchungshaft sitzt.
Hintergründe der Tat
Der Vorfall ereignete sich am späten Samstagnachmittag auf dem Gelände der CSD-Feierlichkeiten. Nach Angaben der Polizei attackierte ein Täter mehrere Teilnehmer mit einem Messer und verletzte drei Personen schwer. Die Opfer im Alter von 20 bis 35 Jahren schweben nicht in Lebensgefahr, befinden sich aber weiterhin im Krankenhaus. Die Polizei löste sofort einen Großeinsatz aus und nahm mehrere Verdächtige vorläufig fest.
Die Beamten durchsuchten die Wohnungen der Festgenommenen und sicherten Beweismittel. Der Iraner, der sich bereits in der Vergangenheit in der Extremistenszene bewegt haben soll, wurde dem Haftrichter vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Ein Sprecher betonte: „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Wir prüfen alle Spuren, insbesondere mögliche Verbindungen zu extremistischen Gruppen.“
Freilassung des zweiten Verdächtigen
Der zweite Mann, ein 32-jähriger Deutscher mit Migrationshintergrund aus Nordrhein-Westfalen, war am Sonntagabend vorläufig festgenommen worden, nachdem Zeugen ihn in Tatortnähe gesehen hatten. „Die hinreichenden Tatverdachtsmomente haben sich nicht bestätigt“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Nach Auswertung der Videoaufnahmen und Vernehmungen wurde der Mann ohne Auflagen aus der Haft entlassen.“ Die Polizei entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, betonte aber die Notwendigkeit schnellen Handelns.
Insidern zufolge hatte der Freigelassene sich zufällig in der Nähe aufgehalten und war aufgrund seiner Kleidung und seines Verhaltens fälschlich verdächtigt worden. Er selbst gab an, nichts mit der Tat zu tun zu haben. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen gegen ihn ein.
Reaktionen der Öffentlichkeit und Politik
Die Nachricht von der Freilassung sorgte für gemischte Reaktionen. Während einige CSD-Teilnehmer Erleichterung zeigten, fordern andere eine lückenlose Aufklärung. „Es ist gut, dass die Behörden sorgfältig ermitteln und Unschuldige nicht länger als nötig in Haft bleiben“, sagte ein Sprecher des örtlichen CSD-Vereins. „Dennoch müssen wir sicherstellen, dass die wahren Täter zur Rechenschaft gezogen werden.“
Die Politik reagierte bestürzt. Die Integrationsbeauftragte der Landesregierung sprach den Opfern ihr Mitgefühl aus und warnte vor Vorurteilen gegenüber der iranischstämmigen Community. Bundesweit wird das Sicherheitskonzept für öffentliche Veranstaltungen unter die Lupe genommen. Innenexperten fordern mehr Videoüberwachung und bessere Koordination der Einsatzteams.
Ermittlungsstand und Ausblick
Die Polizei durchsuchte am Montag weitere Räumlichkeiten in der Stadt und vernahm Zeugen. Ein Spezialeinsatzkommando übernahm die Spurensicherung am Tatort. Die Staatsanwaltschaft rechnet mit einer mehrtägigen Auswertung der sichergestellten Handys und Laptops. Nach Informationen von BILD steht der inhaftierte Iraner im Verdacht, Verbindungen zu einer extremistischen Gruppierung zu haben. Sein Anwalt wies die Vorwürfe zurück und beantragte Haftprüfung.
Für die nächsten Tage sind Proteste gegen den Anschlag geplant. Die CSD-Gemeinde rief zu einer Mahnwache auf dem zentralen Platz der Stadt auf. Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Ob der zweite Verdächtige weiterhin observiert wird, blieb unklar. Die Behörden bitten um Hinweise aus der Bevölkerung, insbesondere zu verdächtigen Fahrzeugen im Umfeld des Anschlags.



