Zwölf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) haben sich am Montagmittag in Berlin zahlreiche Jesidinnen und Jesiden versammelt, um der Opfer zu gedenken. Unter ihnen sind auch die Schwestern Nso, Salwa und Ranya sowie ihre Cousine, die gemeinsam aus dem jesidischen Dorf Dugure flohen. Ihre Erinnerungen an die Flucht verfolgen sie bis heute.
Gedenken am Roten Rathaus
Gegenüber vom Roten Rathaus kamen viele Berliner Jesidinnen und Jesiden zusammen, um an den Genozid vor zwölf Jahren zu erinnern. Organisiert wurde die Veranstaltung unter anderem von Aswad Mako, dem Vorsitzenden des Vereins Jesidische Kultur und Gemeinschaft Berlin. Er betonte: „Wir sind heute hier, weil vor zwölf Jahren über 400.000 Jesid:innen ihre Heimat verlassen mussten. Die anderen hat der sogenannte Islamische Staat (IS) getötet oder entführt.“
Die Flucht aus Dugure
Die drei Schwestern Nso, Salwa und Ranya sowie ihre Cousine flohen vor zwölf Jahren gemeinsam aus dem jesidischen Dorf Dugure im Nordirak. Die Flucht war geprägt von Angst, Unsicherheit und dem Verlust von Angehörigen. Bis heute leiden die Frauen unter den traumatischen Erlebnissen, die sie auf der Flucht erlitten haben. Sie berichten von stundenlangen Fußmärschen, fehlendem Wasser und der ständigen Bedrohung durch die IS-Kämpfer.
Bis heute schmerzliche Erinnerungen
Die Erinnerungen an die Flucht sind für die vier Jesidinnen noch immer sehr präsent. Sie erzählen, dass sie bis heute unter Alpträumen und Angstzuständen leiden. Die Demonstration in Berlin ist für sie eine Möglichkeit, das Leid ihrer Gemeinschaft sichtbar zu machen und darauf aufmerksam zu machen, dass viele Jesidinnen und Jesiden immer noch vermisst werden oder in Gefangenschaft sind. Die Frauen fordern mehr Unterstützung für die Überlebenden und eine Anerkennung des Genozids durch die internationale Gemeinschaft.
Zahlen und Fakten zum Genozid
Der Genozid an den Jesiden begann im August 2014, als der IS große Teile des Sindschar-Gebirges im Nordirak angriff. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden über 5.000 Jesiden getötet und mehr als 400.000 zur Flucht gezwungen. Tausende Frauen und Mädchen wurden verschleppt und sexueller Sklaverei ausgesetzt. Viele Jesiden leben bis heute in Flüchtlingslagern, auch in Deutschland, wo sie eine neue Heimat gefunden haben.
Forderungen nach Gerechtigkeit
Die Demonstranten forderten nicht nur das Gedenken an die Opfer, sondern auch Gerechtigkeit. Sie verlangen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und dass die internationale Gemeinschaft den Genozid anerkennt. Zudem forderten sie mehr Hilfen für den Wiederaufbau der jesidischen Gebiete im Irak und in Syrien. Die Veranstaltung endete mit einer Schweigeminute für die Opfer und einem Appell, die Erinnerung an den Genozid wach zu halten.



