Waldbrände, Lufthansa-Jobabbau, IG Metall: Das Morning Briefing
Morning Briefing: Waldbrände, Lufthansa, IG Metall

Waldbrände in Frankreich und Spanien: Europäische Solidarität in der Krise

Die verheerenden Waldbrände in Südwestfrankreich und Spanien haben eine bemerkenswerte Welle europäischer Hilfsbereitschaft ausgelöst. Seit dem heutigen Morgen sind deutsche Einsatzkräfte mit Hubschraubern und Löschmaterial in der Region Gironde nahe Bordeaux im Einsatz. Insgesamt haben mehr als ein Dutzend EU-Staaten Löschflugzeuge, Helikopter und Spezialteams entsandt. Mehr als 330.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden – eine der größten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der Region.

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez bezeichnete die Lage als „neue Normalität“: „Die Sommer werden immer schwieriger, zerstörerischer und folglich tödlicher.“ Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend: Im Departement Gironde mussten über 13.000 Unternehmen evakuiert werden, der Tourismus brach massiv ein. In Spanien rechnen Experten mit spürbaren Einbußen beim Wirtschaftswachstum. Der Finanzprofessor Carles Vergara von der IESE Business School in Barcelona beziffert die Schäden: Nur 19 Prozent entfallen auf direkte Kapitalvernichtung (zerstörte Häuser, Fabriken, Infrastruktur), 22 Prozent auf Gesundheitsfolgen, 59 Prozent auf indirekte Effekte wie unterbrochene Lieferketten.

Prävention und neue EU-Löschflotte

Der Druck wächst, Vorsorge und Brandbekämpfung neu zu organisieren. Die EU baut erstmals eine eigene Flotte auf: zwölf Canadair-Löschflugzeuge und fünf Hubschrauber. Zugleich rückt Prävention in den Fokus. In Südwestfrankreich zeigt sich jedoch ein Zielkonflikt: Mehr Löschwege, Schneisen und Pufferzonen helfen im Ernstfall, kosten aber wertvolle Fläche – der Forstsektor erwirtschaftet in der Region rund drei Milliarden Euro Umsatz und sichert über 30.000 Arbeitsplätze. Experten kritisieren zudem Monokulturen aus Seekiefern und gleichaltrige Aufforstungen, die Brände begünstigen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte an, es müsse „ein anderer Wald“ gepflanzt werden, angepasst an den Klimawandel. Entscheidend sei, dass Staat, Waldbesitzer, Kommunen und Unternehmen an einem Strang ziehen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Lufthansa konkretisiert Stellenabbau

Nach monatelanger Unsicherheit wird der geplante Stellenabbau bei der Lufthansa konkret. In einem internen Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, kündigt der Konzern den Abbau von bis zu 550 Vollzeitstellen bei der Kernmarke Lufthansa Airlines und in Zentralbereichen der Deutschen Lufthansa AG an. Personalvorstand Michael Niggemann erklärte: „Wir reduzieren Stellen gezielt dort, wo Aufgaben durch strukturelle Veränderungen tatsächlich entfallen oder sich grundlegend verändern.“ Hintergrund ist die neue Organisationsstruktur, die seit Jahresbeginn gilt: Durch die Zentralisierung administrativer Funktionen sollen Doppelfunktionen wegfallen und Synergien gehoben werden. Bis 2030 sollen insgesamt rund 4000 Stellen gestrichen werden, die meisten davon in Deutschland.

IG-Metall-Chefin Benner: Keine Nullrunde, mehr Schutz vor China

Die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, schlägt kämpferische Töne an. Sie fordert von Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Einsatz für Zölle auf chinesische Hybridfahrzeuge und strengere Local-Content-Vorgaben. „Quoten müssen sicherstellen, dass Aufträge aus der Autoindustrie auch wirklich bei deutschen und europäischen Zulieferern landen“, sagte Benner dem Handelsblatt. Zugleich schließt sie eine Nullrunde in der im Oktober beginnenden Tarifrunde für 3,8 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie aus – trotz schwacher Konjunktur und massivem Jobabbau. „Die Beschäftigten haben bereits Zugeständnisse bei Lohn und Arbeitszeit gemacht, zudem sind die Lebenshaltungskosten weiter gestiegen.“ Allerdings deutet Benner mehr Differenzierung an: Es gebe auch Bereiche mit „erheblichem Wachstum“, wie Rüstung, Luftfahrt und erneuerbare Energien.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Thüringens Verfassungsschutz warnt vor Einzeltätern

Nach dem CSD-Attentat rückt die Bedrohung durch Einzeltäter und kleine, autonom agierende Gruppen in den Fokus. Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer hält Anschläge mit leicht verfügbaren Tatmitteln wie Messern oder Fahrzeugen für möglich. „Die Gefahr bleibt anhaltend hoch, ist aber nicht flächendeckend akut“, sagte Kramer dem Handelsblatt. Eine Gleichsetzung von Herkunft und Risiko sei „nicht nur gesellschaftlich schädlich, sondern auch fachlich falsch und ungeeignet“.

Erneuerbare Energien in den USA: Boomen gegen den Wind von Trump

Paradox: US-Präsident Donald Trump bekämpft Windräder, Solarparks und E-Mobilität, doch die erneuerbaren Energien erleben einen bemerkenswerten Aufschwung. In South Carolina nimmt BMW in wenigen Monaten eine Batteriefabrik in Betrieb, die weitgehend ohne fossile Energien arbeitet. Der Ausbau wird vor allem von ökonomischen Faktoren getrieben: KI-Rechenzentren, Elektrifizierung und steigender Strombedarf schaffen einen Hunger nach Energie, den Solar, Wind und Batteriespeicher schnell stillen können. Ein Solar- oder Speicherpark steht in wenigen Monaten, ein Gaskraftwerk braucht Jahre. Deutsche Unternehmen profitieren: RWE etwa nahm im vergangenen Jahr 15 neue Wind- und Solarparks in Nordamerika in Betrieb. „Die USA haben sich zu einem unserer wichtigsten Wachstumsmärkte entwickelt“, so der Konzern.

Bezahlbare Eigenheime: Lübeck und Kiel sind noch erschwinglich

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Kreditvermittlers Interhyp zeigt, wo Eigenheime noch erschwinglich sind – vorausgesetzt, man zieht in Städte wie Lübeck, Kiel oder Saarbrücken. Gemessen wird das Verhältnis von Kaufpreisen zu Einkommen. In München ist es am härtesten: Käufer müssten 56 Prozent ihres Haushaltseinkommens für Zins und Tilgung aufwenden. In Garmisch-Partenkirchen steigt die Belastung sogar auf 66 Prozent. Am günstigsten ist die Lage im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein. Die Region ist bekannt für das Wacken-Festival, das größte Heavy-Metal-Festival der Welt, das morgen startet. 85.000 Besucher werden erwartet.