Am Cottbuser Hauptbahnhof ist ein Bildschirm einer Ausstellung zur NS-Geschichte zerstört worden. Ein stark betrunkener Mann soll mit der Faust gegen die digitale Anzeige geschlagen haben. Der Vorfall ereignete sich am Abend des 30. Juli, wie die Bundespolizei mitteilte. Der Promillewert des Verdächtigen betrug 4,2 – ein extrem hoher Wert, der auf eine schwere Alkoholisierung hindeutet.
Angriff auf Erinnerungsprojekt
Die Geschäftsführerin des Menschenrechtszentrums Cottbus, Heide Schinowsky, bestätigte die Beschädigung. Sie habe Anzeige erstattet. Der Monitor ist Teil der Ausstellung „Cottbus: Ein Bahnhof der Erinnerung. Deportationen und Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“, die im Juni eröffnet wurde. Die Ausstellung thematisiert die Deportation jüdischer Menschen vom Bahnhof Cottbus aus und erinnert an ihre Schicksale.
Laut Schinowsky funktioniert der Bildschirm nicht mehr. Die Bundespolizei ermittelt wegen Sachbeschädigung gegen den Mann. Zum Motiv konnte die Polizei bislang keine Angaben machen. Der Bildschirm war neben der normalen Abfahrtstafel für Züge im Bahnhofsgebäude installiert.
Bedeutung der Ausstellung
Das Menschenrechtszentrum Cottbus ist Träger der Ausstellung. Sie ist ein wichtiges Projekt zur Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit in der Region. Die Deportationen von jüdischen Menschen aus Cottbus in Konzentrations- und Vernichtungslager sind ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte. Die Ausstellung soll dazu beitragen, diese Erinnerung wachzuhalten.
Schinowsky betonte die symbolische Wirkung des Angriffs: „Ein solcher Angriff trifft deshalb weit mehr als ein technisches Gerät.“ Die Zerstörung des Monitors sei ein Angriff auf die Erinnerungskultur und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Das Menschenrechtszentrum will den zerstörten Bildschirm nun ersetzen, um die Ausstellung wieder vollständig zu präsentieren.
Reaktionen und Ermittlungen
Die Bundespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Mann wurde vor Ort aufgegriffen und musste sich einer Blutentnahme unterziehen. Der gemessene Promillewert von 4,2 ist lebensbedrohlich und zeigt, dass der Täter nicht in einem zurechnungsfähigen Zustand war. Dennoch wird der Vorfall als Sachbeschädigung gewertet, was eine Straftat darstellt.
Die Stadt Cottbus und das Menschenrechtszentrum haben sich bestürzt gezeigt. Die Ausstellung ist ein zentrales Element der lokalen Erinnerungskultur. Die schnelle Reaktion der Polizei und die Anzeige des Menschenrechtszentrums zeigen, dass solche Vorfälle ernst genommen werden. Die Ermittlungen dauern an, weitere Details werden nicht genannt.



