Pädokriminelle Priester: Kirche versetzte Täter ins Ausland
Pädokriminelle Priester: Kirche versetzte Täter ins Ausland

Die katholische Kirche steht erneut im Zentrum schwerwiegender Missbrauchsvorwürfe. Eine neue ARD-Recherche belegt, dass katholische Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, über Jahre hinweg ins Ausland versetzt worden sind – teilweise mit Wissen ranghoher Kirchenvertreter. In mehreren Fällen führte dies offenbar dazu, dass die Beschuldigten der Strafverfolgung entgingen. Die Praktiken reichten bis in die 2010er-Jahre.

Systematische Versetzungen statt Aufarbeitung

Die Recherche zeigt ein Muster: Priester, gegen die konkrete Vorwürfe vorlagen, wurden nicht zur Verantwortung gezogen, sondern in andere Länder geschickt. Dort konnten sie teilweise weiterhin mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Besonders brisant: Das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz war nach Informationen der ARD in diese Versetzungen eingebunden. Sie nutzten ein weltweites Netzwerk von Missionen und kirchlichen Einrichtungen.

Fall eines Internatsleiters in Namibia

Ein besonders erschütternder Fall ereignete sich Mitte der 1970er-Jahre. Ein Priester und Internatsleiter wurde nach Namibia versetzt, nachdem mehrere Jungen sexuelle Übergriffe im Schlafsaal gemeldet hatten. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Versetzung unmittelbar nach den Anschuldigungen erfolgte – ohne strafrechtliche Konsequenzen für den Geistlichen. Stattdessen erhielt er eine neue Position in der damaligen deutschen Kolonie in Südwestafrika.

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Flucht vor Haftbefehl über Mission in Brasilien

Ein weiterer Fall führt von Eichstätt über Tansania bis nach Brasilien. Ein pädokrimineller Priester, der in Deutschland per Haftbefehl gesucht wurde, soll sich der Strafverfolgung durch die Flucht über eine Mission nach Südamerika entzogen haben. Der ARD liegen Dokumente vor, die belegen sollen, dass hochrangige Kirchenvertreter über den Aufenthaltsort informiert waren. Diese wussten demnach von dem Haftbefehl und schützten den Täter dennoch.

Internationale Dimension: Spanische Jesuiten in Bolivien

Die Praxis beschränkte sich nicht auf deutsche Priester. So setzte der Jesuitenorden spanische Geistliche trotz bekannter Missbrauchsvorwürfe an einer Schule im bolivianischen Cochabamba ein. Dort sollen sie zahlreiche Kinder missbraucht haben. Die ARD-Recherche verweist auf weitere dokumentierte Fälle in verschiedenen Ländern, die belegen, dass die Kirche weltweit auf dieses Muster zurückgriff, um Täter zu schützen.

Hunderte Betroffene fordern Aufklärung

In den betroffenen Ländern wächst der Druck auf die Verantwortlichen. Hunderte Menschen haben sich als Betroffene gemeldet. Ihre Forderung an die Kirche: endlich Verantwortung für das begangene Unrecht zu übernehmen. Die Recherche der ARD zeigt, dass die Versetzungen nicht als Einzelfälle abgetan werden können, sondern ein systematisches Vorgehen darstellen. Die Kirche muss sich der Frage stellen, wie viele Täter auf diese Weise über Jahre geschützt wurden und welche Rolle die Führungsebene dabei spielte.

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