Plötzlich frei: So planen Jugendliche ihren Sommer im Landkreis
Plötzlich frei: So planen Jugendliche ihren Sommer

Die Abiturprüfungen sind geschafft, die Zeugnisse verteilt – und im Landkreis Aichach-Friedberg haben Hunderte Jugendliche von einem Tag auf den anderen keinen geregelten Tagesablauf mehr. Was früher nach dem Unterrichtsplan lief, ist jetzt offen. Viele nutzen die Zeit für Reisen, andere für Jobs oder soziale Projekte. Das zeigt eine frische Umfrage des Kreisjugendrings unter 312 Schulabgängern im gesamten Landkreis.

Laut der Erhebung planen 38 Prozent der 18-Jährigen in den kommenden Wochen eine Auslandsreise. Bevorzugte Ziele sind Spanien, Italien und – wegen des Camping-Trends – auch Skandinavien. „Die Jugendlichen wollen nach der langen Lernphase einfach raus, neue Länder sehen und den Sommer genießen“, erklärt Sarah Huber, Jugendpflegerin beim Landratsamt Aichach-Friedberg. Sie betreut seit fünf Jahren die Offenen Jugendtreffs und kennt die Motivation der Schulabgänger gut.

Arbeiten statt Faulenzen

Ein Viertel der Befragten – exakt 24 Prozent – hat sich hingegen für einen Ferienjob entschieden. Vor allem die Gastronomie in der Region sucht händeringend Unterstützung. So arbeiten viele Jugendliche als Kellner, Küchenhilfen oder im Einzelhandel. Der Stundenlohn liegt oft bei zwölf Euro, was die eigene Urlaubskasse spürbar aufbessert. „Ich habe im Juli 40 Stunden im Café meiner Tante gejobbt und verdiene damit mein English-Camp in Aberdeenshire“, erzählt die 19-jährige Lena aus Friedberg.

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Wer nicht reist oder arbeitet, nutzt die Freiheit für soziale Projekte. 15 Prozent der Jugendlichen beginnen im August einen Bundesfreiwilligendienst oder ein Freiwilliges Soziales Jahr. Altenheime, soziale Einrichtungen und Sportvereine im Landkreis profitieren davon. Die 18-jährige Malik aus Aichach hilft einen Sommer lang im BRK-Kreisverband mit: „Ich möchte vor dem Studium Erfahrungen im sozialen Bereich sammeln – das gibt mir Sicherheit für die Zukunft.“

Ohne Druck die Perspektive klären

Rund ein Fünftel der Schulabgänger hat noch keine konkreten Pläne. Sie lassen die Zeit bewusst unverbindlich an sich herankommen. „Manche brauchen eine Auszeit, um herauszufinden, was sie wirklich wollen“, sagt Jugendpflegerin Huber. Sie rät den Jugendlichen, diese Freiheit nicht mit Nichtstun zu verwechseln: „Jeder Tag kann eine Chance sein.“

Auch das Landratsamt unterstützt die jungen Erwachsenen. In der zentralen Jugendberufshilfe wurden im Juni 114 Beratungsgespräche geführt – ein Rekord. Themen sind Bewerbungen für Ausbildungsplätze, die Einschreibung an Hochschulen oder die Klärung von Finanzierungsfragen fürs Studium. Gleichzeitig starten im Landkreis Aichach-Friedberg mehrere neue Ferienkurse: Von Medienworkshops über Poetry-Slams bis hin zur Erste-Hilfe-Ausbildung reicht das Angebot der kommunalen Jugendarbeit.

Der Wechsel vom Schulalltag zur Eigenverantwortung

Für viele ist der Sommer eine Art Zwischenlandung. Die Schule ist vorbei, das Leben wird selbst organisiert. „Es ist ein Gefühl zwischen Unsicherheit und grenzenloser Freiheit“, beschreibt es die 18-jährige Sofie aus Pöttmes. „Plötzlich entscheide ich selbst, ob ich um 8 Uhr aufstehe oder bis mittags im Bett bleibe.“ Die ersten Wochen nutzt sie zum Lesen, Radfahren und Freunde treffen. Der Plan für die Zeit danach steht: Ausbildung zur Erzieherin.

Die meisten Jugendlichen im Landkreis gehen ihre neue Freiheit also strukturiert an. Sie setzen sich Ziele, nehmen sich aber auch bewusst Auszeiten. Am Ende des Sommers werden viele die wieder – ganz nach eigener Wahl – mit neuen Aufgaben beginnen.

Was die Jugendlichen im Landkreis konkret unternehmen

Die Vielfalt ist groß. So zieht es einige Abiturienten für zehn Tage nach Griechenland, andere buchen eine Interrail-Tour durch Europa. „Wir haben im Freundeskreis eine Wohnung an der Côte d'Azur gemietet“, sagt der 19-jährige Jonas aus Kissing. „Das ist unser letztes großes Abenteuer, bevor die Uni beginnt.“ Auch Work-and-Travel-Aufenthalte in Übersee sind weiterhin beliebt. Allerdings reagieren viele Eltern skeptisch, wenn die Ausreise in Länder wie Australien oder Kanada geplant wird – aus Angst vor der Entfernung und den Kosten.

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Der lokale Arbeitsmarkt spielt für die Schulabgänger eine entscheidende Rolle. Laut IHK Schwaben gibt es in der Region aktuell 1.240 offene Ausbildungsplätze. Viele Jugendliche nutzen den Sommer, um ein Praktikum zu absolvieren und Betriebe zu erkunden. „Wir haben im Landratsamt extra eine Liste mit freien Praktikumsstellen veröffentlicht“, informiert Huber. Die Nachfrage sei riesig, schon in der ersten Woche hätten sich über 200 Interessierte gemeldet.

Die Rolle der Eltern und Freunde

Nicht alle sind so zielstrebig. Manche Jugendlichen brauchen den Anstoß von außen. „Die Eltern sind oft erste Ansprechpartner, wenn es um Zukunftsplanung geht“, erklärt die Jugendpflegerin. Sie empfiehlt, Gespräche auf Augenhöhe zu führen und den jungen Menschen Vertrauen in ihre eigenen Entscheidungen zu geben. Gleichzeitig sollten sich die Jugendlichen von sozialen Vergleichen nicht unter Druck setzen lassen: „Nicht jede Reise muss in den sozialen Medien dokumentiert werden.“

Eine Rolle spielt auch das Wetter: Der Sommer 2025 bescherte der Region eine Hitzewelle. Die Seen im Landkreis, wie der Mandichosee und der Unterbaarer See, sind beliebte Treffpunkte. Viele Jugendliche treffen sich dort am Nachmittag, um zu baden und zu entspannen. Abends wird oft am Lagerfeuer gegrillt – ein Ausklang der neu gewonnenen Freiheit.