Am Nürnberger Flughafen ist es am Vormittag zu einer massiven Schlägerei am Check-in-Schalter einer Fluggesellschaft gekommen. Wie die Bundespolizei mitteilt, waren etwa 30 Reisende daran beteiligt. Zuvor war ein Flug nach Tunis in Tunesien abgesagt worden. Die genauen Umstände der Annullierung sind Gegenstand laufender Ermittlungen.
Passagiere streiten um gestrichenen Tunesien-Flug
Die betroffenen Passagiere hatten sich am frühen Morgen an den Schaltern versammelt, als die Nachricht bekannt wurde, dass die gebuchte Maschine nicht starten könne. Das Unternehmen informierte die Wartenden über Lautsprecher und Aushänge. Zahlreiche Reisende reagierten mit Unverständnis und Frust. Einige schrien das Bodenpersonal an, andere diskutierten hektisch untereinander.
Nach wenigen Minuten schlug die Stimmung offenbar in Aggressionen um. Wie Zeugen gegenüber der Polizei angaben, begannen einige Männer, sich gegenseitig zu beleidigen und zu bedrängen. Schließlich kam es zu körperlichen Auseinandersetzungen. Flugtaschen und Koffer flogen durch die Gegend, mehrere Personen gingen zu Boden. Das Sicherheitspersonal des Flughafens war sofort vor Ort, konnte die Lage aber zunächst nicht beruhigen.
Bundespolizei mit Pfefferspray im Einsatz
Daraufhin wurde die Bundespolizei alarmiert. Einsatzkräfte mehrerer Streifenwagen eilten zum Check-in-Bereich. Sie stellten die schlagenden und tretenden Personen, teilweise unter Einsatz von Pfefferspray. Auch Gepäck und Einrichtungen wurden beschädigt. Nach Angaben der Polizei sei der Einsatz nach kurzer Zeit beendet gewesen. Es seien mehrere Personen leicht verletzt worden, die Versorgung habe der Rettungsdienst übernommen.
Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht noch Zeugen. Die betroffenen Reisenden wurden getrennt und in einem separaten Bereich betreut. Die Fluggesellschaft organisierte derweil eine Ersatzmaschine. Der Flug nach Tunis konnte später doch noch starten, mit teils erheblicher Verspätung. Ob alle Passagiere den Anschluss erreichten, ist nicht überliefert.
Landfriedensbruch: Strafbares Verhalten
Die Ermittler prüfen nun den Vorwurf des Landfriedensbruchs. Dieser Tatbestand ist in Deutschland gegeben, wenn aus einer Menschenmenge heraus gemeinschaftlich Gewalt begangen wird oder eine drohende Gewalt nicht verhindert wird. Das Gesetz sieht dafür Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor. Auch Sachbeschädigung und Körperverletzung könnten angeklagt werden. Die Ermittlungen zur Identifizierung der Beteiligten laufen auf Hochtouren.
Die Prügelei am Flughafen Nürnberg sorgt nicht nur bei den Betroffenen für Aufsehen. Sie wirft auch die Frage auf, wie Fluggesellschaften und Airports mit gestrichenen Flügen umgehen. Bei Annullierung haben Passagiere nach EU-Recht Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro, sofern die Annullierung nicht auf außergewöhnlichen Umständen beruht. Technische Probleme gelten nicht als außergewöhnlich, weshalb die Airline in diesem Fall womöglich haftbar gemacht werden könnte.
Flughafenbetrieb läuft weitgehend normal weiter
Trotz des Polizeieinsatzes blieb der übrige Betrieb am Flughafen Nürnberg weitgehend unbeeinträchtigt. Abflüge und Ankünfte konnten planmäßig abgefertigt werden, wie eine Sprecherin des Airports auf Anfrage bestätigte. Lediglich der Bereich des betroffenen Schalters musste für die Spurensicherung kurzzeitig abgesperrt werden. Danach wurde er wieder freigegeben.
Der Flughafen Nürnberg ist einer der bedeutendsten Airports Bayerns. Er verbindet die Metropolregion Nürnberg mit europäischen und außereuropäischen Zielen. In der Sommersaison starten von dort zahlreiche Urlaubsflieger in die Mittelmeerregion, darunter auch nach Tunesien. Zwischenfälle mit Handgreiflichkeiten gibt es nach Unternehmensangaben jedoch selten. Sicherheitsmaßnahmen wurden zuletzt verstärkt.
Appelle an Vernunft und Deeskalation
Polizei und Flughafen appellieren an Reisende, in Stresssituationen Ruhe zu bewahren. Drohungen und körperliche Gewalt seien kein geeignetes Mittel, um zu einer Lösung zu kommen. Für solche Fälle seien die Sicherheitsbehörden geschult, um Eskalationen schnell zu beenden. Die Beamten wiesen darauf hin, dass die meisten Passagiere sich verständnisvoll verhalten hätten.
Die Bundespolizei will die Auswertung der Videoaufzeichnungen aus dem Terminal abwarten. Diese könnten dazu beitragen, die genauen Abläufe zu rekonstruieren. Auch die Fluggesellschaft wurde aufgefordert, mögliche Kommunikationsfehler aufzuarbeiten. Ein Sprecher des Unternehmens kündigte an, mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Der Vorfall am Check-in-Schalter von Nürnberg könnte strafrechtliche Konsequenzen für die Randalierer haben. Zugleich zeigt er die Bedeutung eines professionellen Krisenmanagements an Flughäfen auf. Solche Vorfälle belasten nicht nur den Ruf des Airports, sondern führen auch zu spürbaren Beeinträchtigungen für unbeteiligte Fluggäste.
Weitere Informationen werden die Beamten voraussichtlich im Laufe des Tages veröffentlichen. Bis dahin müssen sich die Verantwortlichen mit den Folgen der ungewöhnlichen Auseinandersetzung im Check-in-Bereich auseinandersetzen.



