Prinz Harry und Elton John drohen Millionen-Prozesskosten
Prinz Harry und Elton John drohen Millionenkosten

Nach ihrer gescheiterten Klage gegen britische Boulevardmedien droht Prinz Harry ein Millionen-Nachschlag. Die Mediengruppe Associated Newspapers (ANL), Herausgeber der „Daily Mail“, fordert die Rückzahlung von Prozesskosten in Höhe von insgesamt 34 Millionen Pfund (umgerechnet rund 45 Millionen Euro). Vor dem Londoner High Court verlangten die Anwälte des Verlags am Mittwoch, dass die unterlegenen Kläger einen überdurchschnittlich hohen Anteil dieser Summe übernehmen müssen.

„Frontalangriff“ gegen die Zeitungsgruppe

ANL-Anwalt Antony White bezeichnete die Klage als „Frontalangriff“ auf die Zeitungen seines Mandanten. „Es handelte sich um eine Kampagne anstelle eines normalen und vernünftigen Rechtsstreits“, argumentierte White. Die Kläger hätten unbewiesene Vorwürfe erhoben und damit den üblichen Rahmen eines Verfahrens gesprengt. Das Gericht muss nun entscheiden, ob die Kosten nach dem Standardmodell berechnet werden oder eine strengere Regelung zur Anwendung kommt – was für die Prominenten finanziell noch härter wäre.

Zu den Klägern gehörten neben Prinz Harry und Popstar Sir Elton John auch dessen Ehemann David Furnish, die Schauspielerinnen Elizabeth Hurley und Sadie Frost, die Bürgerrechtsaktivistin Doreen Lawrence sowie der ehemalige Politiker Simon Hughes. Sie hatten ANL vorgeworfen, Privatdetektive beauftragt zu haben, um Autos und Wohnungen zu verwanzen, Telefongespräche illegal abzuhören und sich unter falscher Identität Zugang zu medizinischen Unterlagen zu verschaffen.

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Richter wiesen Klage als unbegründet ab

Nach einem elfwöchigen Prozess kamen die Richter zu dem Schluss, dass die Kläger ihre Anschuldigungen nicht ausreichend belegen konnten. Die Klage wurde im Mai 2026 abgewiesen. Nun dreht sich der Streit um die Kostenfolge. ANL beziffert seine eigenen Anwaltskosten auf rund 34 Millionen Pfund – eine Summe, die nach britischem Prozessrecht grundsätzlich von der unterlegenen Partei getragen werden muss.

Der Anwalt der Kläger, Nicolas Bacon, widersprach vehement: „Meine Mandanten haben ehrlich und im besten Gewissen gehandelt.“ Sie sollten nicht für die „erstaunlich hohen Anwaltskosten“ der Mediengruppe aufkommen müssen. Bacon forderte das Gericht auf, nur einen Teil der Kosten zuzusprechen. Die Verhandlung über die genaue Höhe wurde am Mittwoch eröffnet und soll am Donnerstag fortgesetzt werden. Der endgültige Beschluss wird zu einem späteren Zeitpunkt schriftlich ergehen.

Hintergrund des Rechtsstreits

Der Fall ist die jüngste Episode in der langjährigen Auseinandersetzung zwischen britischen Prominenten und der Boulevardpresse. Prinz Harry hat mehrfach gegen Medienunternehmen geklagt, unter anderem wegen Abhöraffären und Datenschutzverletzungen. Die aktuelle Niederlage vor Gericht ist ein Rückschlag für seine Kampagne gegen unethische Praktiken in der britischen Medienlandschaft. Elton John zeigte sich nach der Entscheidung im Mai enttäuscht, betonte aber, weiter für Pressefreiheit und Privatsphäre einzutreten.

Die ANL wies die Vorwürfe stets zurück. In einer Stellungnahme hieß es, die Klage sei von Anfang an unbegründet gewesen. Das Unternehmen sieht sich durch das Urteil bestätigt. Sollte das Gericht den vollen Kostenersatz anordnen, müssten die Kläger tief in die Tasche greifen – für Prinz Harry eine weitere finanzielle Belastung nach seinem Rückzug aus dem Königshaus und den damit verbundenen hohen Ausgaben für Sicherheit und Anwaltskosten in den USA.

Der Fall wird von Medienrechtlern genau beobachtet, da er präzedenzielle Wirkung haben könnte. Sollte die strenge Kostenregelung angewandt werden, könnte dies künftige Prominente davon abhalten, ähnliche Klagen gegen Presseorgane einzureichen. Die Anhörung am Donnerstag wird zeigen, ob die Richter der Argumentation von ANL folgen oder den Klägern teilweise entgegenkommen.

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