Sehnsucht nach dem Partner ist in jeder Beziehung natürlich, doch sie kann schnell in eine ungesunde emotionale Abhängigkeit umschlagen. Die Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin Lisa Zimmermann aus Berlin warnt vor diesem toxischen Verhaltensmuster. „Der oder die Betroffene verspürt innere Unruhe, Angst und Sorge – und hat ständig das Gefühl, dass etwas fehlt“, erklärt sie. In einer gesunden Partnerschaft dominieren Vertrauen und Sicherheit, während emotionale Abhängigkeit ein permanentes Ungleichgewicht erzeugt, das für das Paar toxisch werden kann.
Grenze zwischen Liebe und Abhängigkeit
Die Grenze zwischen tiefer Zuneigung und gefährlicher Fixierung ist fließend. Emotionale Abhängigkeit verwandelt Nähe in Fesselung und Zuneigung in Kontrolle. Betroffene haben oft das Gefühl, ohne den Partner nicht leben zu können, und vernachlässigen eigene Bedürfnisse. Laut Zimmermann sind bestimmte Persönlichkeitstypen besonders gefährdet, in solche Partnerschaften zu geraten. Dazu gehören Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, Angst vor dem Alleinsein oder einem unsicheren Bindungsstil.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen für emotionale Abhängigkeit liegen oft in der Kindheit oder in früheren Beziehungserfahrungen. Wer gelernt hat, Liebe nur durch Leistung oder Anpassung zu erhalten, neigt eher zu toxischen Mustern. Auch traumatische Erlebnisse können das Risiko erhöhen. „Die Sehnsucht nach Nähe wird dann zur Sucht“, so die Psychotherapeutin. „Die Betroffenen klammern sich an den Partner, aus Angst, ihn zu verlieren.“
Tipps für Betroffene
Zimmermann rät, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu reflektieren und ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. „Es ist wichtig, auch ohne Partner glücklich sein zu können“, betont sie. Paare sollten offen über ihre Gefühle sprechen und bei ersten Anzeichen von Abhängigkeit professionelle Hilfe suchen. Eine Therapie könne helfen, alte Muster zu durchbrechen und eine gleichberechtigte Beziehung zu führen.
Weitere Artikel zum Thema: Gewalt in Beziehung, Trennung von toxischen Beziehungen, toxische Eltern und Stalking nach der Trennung zeigen, wie vielfältig die Probleme sein können. Die Psychologin appelliert: „Achten Sie auf Warnsignale wie Eifersucht, Kontrollzwang oder das Gefühl, sich verbiegen zu müssen. Das sind rote Flaggen.“



